Bundesregierung ignoriert Armutsziel der Europäischen Union
ID: 591405
Bundesregierung ignoriert Armutsziel der Europäischen Union
Anlässlich der Unterrichtung des EU-Ausschusses durch die Bundesregierung zum Entwurf des Nationalen Reformprogramms 2012 erklärt die zuständige Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion im EUAusschuss Kerstin Griese:
Die Bundesregierung ignoriert in ihrem Nationalen Reformprogramm 2012 weiterhin das Ziel der Europäischen Union, Armut nachhaltig zu bekämpfen. Angesichts von 16 Millionen Menschen, die in Deutschland von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind, reicht es nicht aus, lediglich die Anzahl der Langzeitarbeitslosen bis zum Jahr 2020 um 320.000 verringern zu wollen. Die Langzeitarbeitslosigkeit muss unzweifelhaft abgebaut werden. Ziel muss aber auch sein, arbeitslose Menschen in gute Arbeit zu bringen, ihnen also eine Beschäftigung zu geben, von deren Entgelt sie leben können. Ein gesetzlicher Mindestlohn würde dazu beitragen. Bedauerlicherweise ist ein solcher nicht im Nationalen Reformprogramm enthalten.
Darüber hinaus muss die Bundesregierung Vorschläge vorlegen, wie sie Kinder und ältere Menschen von Armut befreien möchte. Auch dazu sagt das Nationale Reformprogramm 2012 leider nichts. Stattdessen beabsichtigt die Bundesregierung immer noch, mit dem Betreuungsgeld falsche Anreize zu setzen: Die sogenannte "Herdprämie" wird weder die Bildungschancen für Kinder noch die Erwerbsbeteiligung von Frauen fördern.
Beim Thema Jugendarbeitslosigkeit verweist die Bundesregierung darauf, dass sie das EU-Ziel, die Schulabbrecherquote in Deutschland auf zehn Prozent zu begrenzen, fast erfüllt habe. Das bedeutet, dass sich die Bundesregierung mit jährlich 70.000 Schulabbrechern zufrieden geben wird. Eine solche Politik ist unsozial. Wir fordern, die Anzahl der Schulabbrecher pro Jahr weiter zu reduzieren.
Schließlich kritisiert die SPD-Bundestagsfraktion, dass die Bundesregierung die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege und der Kommunen nicht angemessen einbezogen hat. Die Verbände hatten lediglich zwei Tage Zeit, zum Entwurf des Nationalen Reformprogramms 2012 Stellung zu nehmen. Offenbar hat die Bundesregierung kein Interesse daran, die Zivilgesellschaft und die Sozialpartner einzubeziehen. Insgesamt hinterließ der Staatssekretär des zuständigen Bundeswirtschaftsministeriums den Eindruck einer zutiefst orientierungslosen Bundesregierung, die mit der Umsetzung der wirtschaftspolitischen Steuerung der EU überfordert ist.
Die Bundesregierung hat sich gegenüber der EU verpflichtet, bis April eines jeden Jahres ein Nationales Reformprogramm vorzulegen. Darin legt sie dar, mit welchen Maßnahmen sie die Ziele der EU-Strategie "Europa 2020" erreichen möchte. Ein wichtiges Ziel dieser Strategie ist es, die Anzahl der von Armut bedrohten Menschen in der EU bis zum Jahr 2020 um insgesamt 20 Millionen zu verringern.
Kontakt:
SPD-Bundestagsfraktion
Pressestelle
Internet: http://www.spdfraktion.de
E-Mail: presse@spdfraktion.de
Tel.: 030/227-5 22 82
Fax: 030/227-5 68 69
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 08.03.2012 - 13:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 591405
Anzahl Zeichen: 3313
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 363 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Bundesregierung ignoriert Armutsziel der Europäischen Union"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
SPD-Bundestagsfraktion (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) bekommt ein Update. 20 Jahre nach der Einführung haben sich das Antidiskriminierungsrecht und die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle bewährt. Das AGG leistet einen zentralen Beitrag zu Fairness am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche und im Zivilrecht
Zum Anne-Frank-Tag: Demokratiebildung und Erinnerungskultur bleiben unverzichtbar ...
Am 12. Juni 1929 wurde Anne Frank geboren. Seit zehn Jahren organisiert das Anne-Frank-Zentrum den bundesweiten Anne-Frank-Tag als Aktionstag an Schulen. Unter dem Motto "Geschichten erzählen" stellt das Anne-Frank-Zentrum kostenlose Lernmaterialien für Schulen bereit, die den Schülerin
BAföG-Reform muss zum Wintersemester kommen ...
In die Ausbildung junger Menschen zu investieren, fördert auch die Fairness zwischen den Generationen. Gleichzeitig legt es den Grundstein für künftigen Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum, denn Studierende und Auszubildende sind die Fachkräfte von morgen. Deshalb muss die BAföG-Reform zu
Weitere Mitteilungen von SPD-Bundestagsfraktion
Rechtsposition des Arbeitnehmers beim Abschluss von Aufhebungsverträgen verbessern ...
Zur Sitzung des Petitionsausschusses erklären der Sprecher der Arbeitsgruppe Petitionen der SPD-Bundestagsfraktion Klaus Hagemann und der zuständige Berichterstatter Ottmar Schreiner: Aufhebungsverträge werden Arbeitnehmern oftmals unter Druck vorgesetzt. Über diese Praxis beschwerte sic
Gleichstellungspolitik: Schwarz-Gelb nicht regierungsfähig ...
Anlässlich der heutigen Debatte zum Internationalen Frauentag erklärt die Sprecherin der Arbeitsgruppe Gleichstellungspolitik der SPDBundestagsfraktion Christel Humme: Für Frauen hat die schwarz-gelbe Bundesregierung offensichtlich nichts übrig. Das offenbart die heutige Debatte zum Interna
Zwangsuntersuchungen bei Hartz IV sind Angriff auf Selbstbestimmungsrecht ...
Nach mehreren Nachfragen der Abgeordneten Katja Kipping hat die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage (BT-Drs. 17/8846) zugegeben, dass Bezieherinnen und Bezieher von Arbeitslosengeld oder Hartz IV-Leistungen sich unter Androhung von Sperrzeiten bzw. Sanktionen amtsärztlichen b
Kinderarmut in Hessen - GRÜNE: Wo bleibt der Armutsbericht? ...
Die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kritisiert, dass die schwarz-gelbe Landesregierung nun seit bereits zwölf Jahren einen Armutsbericht schuldig bleibt. "Wer sich weigert Fakten zur Kenntnis zu nehmen, wird Armutsbekämpfung nicht leisten können. Jede Armutsbekämpfung beginnt




