Auf den Spuren des Kinderhandels / ZDF-Dokumentation "Gekaufte Kinder" in der Reihe "37°"
ID: 592462
Reis" verfolgt den Weg eines Kindes aus Haiti, das von Pädophilen bis
nach Deutschland geschleust wurde. Als Entwicklungshelfer getarnt,
hatten sie sogar ein Kinderheim betrieben und Spenden gesammelt. Kein
Einzelfall, beweisen die Recherchen von Manfred Karremann für die
"37°"-Dokumentation, die am Dienstag, 13. März 2012, 22.15 Uhr, im
ZDF ausgestrahlt wird.
"Ich wollte nur essen und ein Bett zum Schlafen", sagt Flavio (11)
aus Haiti. Pädophile aus Berlin haben ihn missbraucht und nach
Deutschland geschleust. Weil der Junge offenbar nicht das einzige
Opfer ist, fliegen Kriminalbeamte aus Deutschland in die
Dominikanische Republik, um dort in einem Armenviertel Kinder zu
befragen. Das ist neu. Mit Hilfe des Bundeskriminalamtes suchen sie
nach weiteren Kindern, die in die Fänge der scheinbaren Helfer
geraten sind. Diese hatten bereits 2005 einen Verein für Migranten in
Deutschland und Entwicklungshilfe gegründet. Tatsächlich handelte es
sich aber um Pädophile.
Kein Einzelfall, sagt Mechthild Maurer von der Organisation ECPAT
(Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung):
"Lange Zeit haben wir gedacht, dass sich in der Entwicklungshilfe
Menschen zusammenfinden und Spenden sammeln, um Kindern zu helfen.
Jetzt beobachten wir, dass Vereine auch zunehmend benutzt werden, um
besser an Kinder heranzukommen, und das ist neu."
Die Täter aus dem Berliner Verein flogen auf, weil sie versucht
hatten, Flavio nach Deutschland zu schleusen. Elf Jahre alt sollte
der Junge laut Pass sein und aus Brasilien stammen. Am Flughafen
München fiel der Schwindel auf. Die Polizei fand sogar
kinderpornografisches Material im Gepäck des scheinbaren
Entwicklungshelfers. Der vorbestrafte Berliner wurde sofort
verhaftet, Flavio als Zeuge an einen geheimen Ort gebracht.
"37°"-Autor Manfred Karremann begleitet die Polizei in die
Dominikanische Republik und begibt sich dann auf Spurensuche in
Haiti. Dort hatte ein freundlicher Mann aus Deutschland dem Jungen,
der nach dem Erdbeben im Jahr 2010 alleine war, angeboten, ihn mit in
sein Kinderheim an der Grenze zwischen Haiti und der Dominikanischen
Republik zu nehmen. Es ist ein Heim nur für Jungen, denn der Deutsche
ist ein "Knabenliebhaber", wie Flavio bald feststellen muss. "Als er
mich gefragt hat, war ich hungrig, wollte ein Bett zum Schlafen",
sagt Flavio. Deshalb sei er mitgefahren. Dass damit eine Odyssee bis
nach Deutschland beginnt, ahnt das Kind nicht.
"Ich finde es gut, dass die deutsche Polizei Flavios Fall bis zum
Ende verfolgt, um hier ein Zeichen zu setzen", sagt der Leiter der
Unicef-Kinderschutzeinheit in Haiti dem Autor.
Fotos sind erhältlich über die ZDF-Pressestelle, Telefon: 06131 -
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Datum: 09.03.2012 - 15:58 Uhr
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