Börsen-Zeitung: Boom and Bust, Kommentar zu Konjunkturindikatoren von Stephan Balling

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(ots) - Zentralbankgeld-Wirtschaft" - so beschreibt
Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer das gegenwärtige
Wirtschaftssystem. Ein tolles System, zumindest auf den ersten Blick:
Die Europäische Zentralbank (EZB) ersetzt das, was früher mal der
Geldmarkt war und druckt Scheine, bis die Notenpressen glühen. Dank
ihrer "dicken Bertha", wie EZB-Präsident Mario Draghi die Mittel der
Notenbank im Kampf für mehr Wirtschaftswachstum nennt, floriert auch
die deutsche Wirtschaft. Hierzulande wächst die Beschäftigung, und
gleichzeitig sind laut OECD auch die Aussichten für die
Weltwirtschaft nicht schlecht. Alles prima also, wären da nicht die
Einkaufsmanagerindizes, die vor allem den Finanzmärkten am Donnerstag
die Laune vermiesten. Der Deutsche Aktienindex Dax sauste innerhalb
von Minuten um 100 Punkte in die Tiefe. Ist das gerechtfertigt?

Eigentlich waren die Daten gar nicht so dramatisch. Zwar zeigten
Ökonomen reihenweise Enttäuschung ob der Umfragewerte. Aber selbst
die negativ Gestimmten sprachen allenfalls von "einer milden
Rezession" im Euroraum, Deutschland dürfte im ersten Quartal
zumindest noch eine schwarze Null schreiben. Sorgenvoller schon der
Blick nach Fernost: Hier fürchtet mancher Vorboten einer harten
Landung Chinas. Aber so weit sind wir noch nicht. Vielmehr erleben
wir, wie eine Zentralbankgeld-Wirtschaft funktioniert. Bei leicht
positiven Nachrichten strömt billiges Geld in Risiko-Assets wie
Aktien. Ein kleiner Schubser in die andere Richtung reicht da schon,
und die Gegenbewegung ist ähnlich heftig. In den Handelsräumen der
Banken mag damit das Spiel nervenaufreibender werden. Doch viel
schlimmer ist: Für die produzierende Wirtschaft - nicht zuletzt den
deutschen Mittelstand - wird die Planung dadurch immer schwieriger.
Denn natürlich kann sich die Stimmung an den Finanzmärkten auch auf


die sogenannte Realwirtschaft übertragen, vor allem angesichts der
von der EZB induzierten Dauerniedrigstzinsen. Euphorie und Depression
- Boom and Bust - sind die entscheidenden Kennzeichen der
Zentralbankgeld-Wirtschaft.

Leider versteht EZB-Präsident Mario Draghi das nicht. Für ihn ist
die Geldpolitik bereits dann stabilitätsorientiert, wenn die
Inflationsrate nicht höher als 2% liegt. Zwar drohen wegen der
ultraexpansiven EZB-Politik auch die Verbraucherpreise in der Zukunft
rascher zu steigen. Aber bedeutender ist, dass die Flut an billiger
Liquidität zu Verzerrungen und höherer Volatilität der Realwirtschaft
führt. Stabilitätsorientierte Notenbanker sollte auch das
beunruhigen.



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