Westdeutsche Zeitung: Länder sperren sich gegen Hilfen für Schlecker-Mitarbeiter = von Martin Vogl

Westdeutsche Zeitung: Länder sperren sich gegen Hilfen für Schlecker-Mitarbeiter =
von Martin Vogler

ID: 606075
(ots) - Die Nerven der 11 000 gekündigten
Schlecker-Mitarbeiter wurden gestern unmenschlich strapaziert. Sie
hofften, dass sie dank Transfergesellschaften eine neue Chance
erhalten. Solche Organisationen bieten zwar auch keine Job-Garantie,
aber immerhin eine bessere Perspektive als der direkte Weg zur
Arbeitsagentur. Finanziell stellen sich die Gekündigten etwas besser.
Vor allem gibt es bei Tansfergesellschaften Qualifizierung und
Training dafür, wie man sich gut auf dem Arbeitsmarkt präsentiert. So
etwas können Ex-Schlecker-Leute gut brauchen. Denn viele haben lange
keine Bewerbung geschrieben oder gar ein Vorstellungsgespräch
geführt. Die meisten sind weiblich, haben in Teilzeit gearbeitet und
wenig verdient. Ihr Arbeitslosengeld fällt gering aus, und ihre
Zukunftsangst ist groß. Ihnen wären gute Chancen zu gönnen.

Transfergesellschaften gibt es allerdings nur, wenn jemand für das
Geld, das die insolvente Firma Schlecker dafür aufbringen muss,
bürgt. Die Bundesländer hatten das eigentlich vor, lieferten sich und
vor allem den bedauernswerten Betroffenen gestern einen gnadenlosen
Nervenkrieg. Erst Hoffnung, dann das Aussteigen einiger, dann neue
Hoffnung, dass die verbliebenen drei Länder sich die Last teilen.
Abends wieder Enttäuschung. . .

Zumindest Baden-Württemberg, die Heimat Schleckers, schien zu
allem bereit, doch andere nicht. Das Beispiel Bayern zeigt das gut:
Dort hatte das Kabinett schon die 10,6 Millionen, die auf den
Freistaat entfallen wären, genehmigt. Als dann andere Länder
absprangen und sich die Summe verdoppelt hätte, erlosch auch dort die
Bereitschaft.

Man kann sich moralisch über das Verhalten der Länder entrüsten.
Anderseits ist es nachvollziehbar, dass sie genau prüfen, ob sie eine
Bürgschaft geben. Denn damit setzen sie Steuergelder aufs Spiel. Und


sie müssen die Frage der Wähler fürchten, warum sie solche
finanziellen Risiken eingehen. Oder auch, warum sie in dem einen Fall
großzügig helfen, in dem anderen aber nicht. Vor allem
Kleinunternehmen und deren Mitarbeiter können über solch ungleiche
Behandlung Klagelieder anstimmen.

Die Schuldigen sind ohnehin nicht die, die jetzt Finanzhilfen
zurückhalten, sondern die, die das Unternehmen Schlecker in den
Untergang steuerten.



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Datum: 28.03.2012 - 20:24 Uhr
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