DER STANDARD-Kommentar zur Plagiatsaffäre Schmitt: "Dabei sein war alles" von Adelheid WÃ

DER STANDARD-Kommentar zur Plagiatsaffäre Schmitt: "Dabei sein war
alles" von Adelheid Wölfl

ID: 609499
(ots) - Viktor Orbán betonte zwar in den letzten Tagen, dass
"eindeutig niemand anderer als Pál Schmitt selbst über einen
Rücktritt entscheiden" könne, doch der Satz konnte durchaus auch als
Aufforderung an den Präsidenten gelesen werden, die Verantwortung für
sein Missverhalten gefälligst selbst zu übernehmen. Und der
_"Pálgiator" - wie Schmitt in Ungarn genannt wird - bekam natürlich
zu spüren, dass er der Regierungspartei Fidesz mit jedem Tag, den er
länger im Amt blieb, noch mehr schadete. Schmitt ist außerdem einer,
der während seiner gesamten beruflichen Laufbahn gelernt hat, dass
man ohne die Partei (welche auch immer - er machte schon unter den
Kommunisten Karriere) nichts wird und nichts bleiben kann.
Genau das führt aber zum Kern des Problems. Schmitt wurde - ähnlich
wie Ex-Präsident Wulff in Deutschland - wegen seiner Loyalität und
Anpassungsfähigkeit von _Fidesz unterstützt. Er selbst sagte, es sei
wohl nicht die Doktorarbeit, die ihn zum Präsidenten qualifizierte,
sondern "wahrscheinlich sonstige andere Qualitäten". Welche, wollte
er offenbar selbst nicht so genau wissen. Dass Schmitt seine
Dissertation ("Analyse des Programmes der Olympischen Spiele der
Neuzeit") abgekupfert hat, ist für ihn persönlich peinlich. Dabei zu
sein war für ihn offenbar alles. Auch zum Preis der
Selbstverleugnung.
Das Verhalten der Uni, die die Dissertation mit "summa cum laude"
bewertete und Schmitt von jeglicher Schuld für die völlige Absenz
wissenschaftlicher Kriterien freisprach, zeigt, dass sich auch Eliten
in einem autoritären Reflex an den Mächtigen anbiedern. Der Versuch
der Regierung, die Verantwortung auf die Uni abzuwälzen, ist _- auch
dank der protestierenden Studenten - nicht geglückt, obwohl der
Rektor als Bauernopfer gehen musste. In Ungarn, mit einer der
ältesten universitären Traditionen in Europa, gibt es also eine


akademische Selbstkontrolle.
Viel grundsätzlicher muss man aber fragen, wie jemand, der politisch
und persönlich derartig abhängig ist, gleichzeitig den Mut, die
Autorität und Distanz zu anderen Mächtigen haben kann, um sein Land
nach innen und außen repräsentieren zu können. Schmitt ist nur das
Symptom. Sein Rücktritt ändert nichts daran, dass eine derart
mächtige Partei wie Fidesz keinen unabhängigen, starken Kandidaten
unterstützen wird. Die demokratiepolitisch spannende Frage ist nun,
ob die ungarische Gesellschaft einen solchen - wie in Deutschland -
einfordert.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Für Unternehmen wird Social Media zur Personalgewinnung immer wichtiger. Mit E-Plus auf Weltraumabenteuer gehen
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 02.04.2012 - 18:28 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 609499
Anzahl Zeichen: 2826

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Ausgabe vom 3. April 2012 Wien



Kategorie:

Medien und Unterhaltung



Diese Pressemitteilung wurde bisher 252 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"DER STANDARD-Kommentar zur Plagiatsaffäre Schmitt: "Dabei sein war
alles" von Adelheid Wölfl
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Der Standard (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).


Weitere Mitteilungen von Der Standard


Für Unternehmen wird Social Media zur Personalgewinnung immer wichtiger. ...
Der Austausch in sozialen Netzwerken zwischen potenziellen Bewerbern und den Unternehmen wird immer wichtiger. Neben der schnellen Vermittlung von Informationen an die gewünschte Zielgruppe, eröffnen die digitalen Kanäle neue Möglichkeiten den Kontakt zu qualifizierten Interessenten aufzubauen u

Heute bei RTL ?Explosiv?: Exklusiv-Interview mit Philipp A., dem ehemaligen Freund des mutmaßlichen Mörders der kleinen Lena aus Emden ...
"Für mich ist der Fall mit David erledigt, ich möchte mit dieser Person nichts mehr zu tun haben. (?) Ich komme damit nicht klar. Für mich ist dieser Mensch gestorben", so Philipp A. im exklusiven Interview für "Explosiv". Philipp A. ist 17 Jahre alt und kennt den mutmaßlich

WachstumsImpulse künftig im Eppinger-Verlag ...
Die Standortbroschüre ?WachstumsImpulse? der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) erscheint künftig im Eppinger-Verlag GmbH & Co. KG mit Sitz in Schwäbisch Hall. Damit wird die in der zweiten Jahreshälfte 2011 begonnene erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Verlag und der WHF

Die allererste DVD des sagenumwobenen Olli Schulz! ...
Berlin, 7. März 2012 - Olli Schulz ist Musiker. Ein Singer-/Songwriter mit Gitarre, der seit 10 Jahren sein Publikum mit einer Melange aus bewegenden, tiefgründigen und aberwitzigen Liedern begeistert. Doch Olli Schulz hat noch eine zweite Seite, die das Publikum auf seinen Konzerten gleichermaße


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z