Bakterien: Empfindlich wie die Prinzessin auf der Erbse
Die empfindsame junge Dame im Märchen spürt die Erbse durch viele Lagen Matratzen hindurch und entpuppt sich dadurch als wahre Prinzessin. Physiker und Mikrobiologen der Universität des Saarlandes konnten in zwei neuen Studien zeigen, dass Bakterien und Proteine ähnlich empfindsam sein können. Haften sie an einer Fläche, so spüren sie nicht nur die Atome der Oberfläche, sondern auch die Zusammensetzung des Materials, das sich unterhalb der Oberfläche befindet. Diese Erkenntnisse können dabei helfen, zum Beispiel antibakterielle Beschichtungen und medizinische Implantate zu verbessern.
„Es gibt Kräfte, sogenannte Kontaktkräfte, die nur von der obersten Atomlage eines Stoffes ausgehen und auch nur eine Atomlage weit zu spüren sind, und solche Kräfte, die ein gewisses Stoffvolumen erfordern, wie die sogenannten van der Waals-Kräfte“, erklärt Karin Jacobs, Professorin für Experimentalphysik. Diese Kräfte sind umso stärker, je mehr Material vorhanden ist. Diese sind theoretisch auch etwa hundert Atomlagen entfernt noch spürbar. Aber wie sieht das im Wasser aus? „Bakterien und auch Proteine sind meist in wässriger Umgebung, wie zum Beispiel im Speichel oder im Blut“, so Mathias Herrmann, Professor für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene.
Die Forscherteams um Jacobs und Herrmann haben die Haftkraft von Bakterien an Oberflächen untersucht. Für die Versuche verwendeten sie sogenannte Silizium-Einkristallplättchen als Oberflächen. Auf diesen Plättchen befinden sich wiederum Schichten aus Siliziumoxid mit variabler Schichtdicke. Es zeigte sich, dass die Bakterien doppelt so stark haften, wenn sie das Silizium der Plättchen noch durch die dünne Oxidhaut hindurch „spüren“ können. Dies bedeutet gleichzeitig, dass – trotz identischer Zusammensetzung der letzten Atomlagen – die Bakterien spüren, was sich unterhalb der Oberfläche befindet. „Bei den Proteinen verhält es sich ähnlich.“, erklärt Karin Jacobs, deren Team zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Technischen Universität Dortmund auch die Haftung von Proteinen untersuchte.
„Diese Ergebnisse erklären, weshalb antibakterielle Beschichtungen unterschiedlich effektiv sein können, je nachdem nämlich auf welchem Material sie aufgebracht sind“, erklärt Jacobs. „Protein- und Bakterienadsorption sind wichtige Schritte bei der Biofilmbildung, daher sind die Ergebnisse für viele Bereiche interessant.“ Biofilme bilden sich immer da, wo Mikroorganismen auf eine sogenannte Grenzfläche treffen. „Da Biofilme häufig die Ursache von Entzündungen sind, zum Beispiel auf Implantaten oder Herzklappen, ist dies auch medizinisch höchst relevant“, sagt Herrmann.
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Die beiden Studien wurden nun veröffentlicht:
http://dx.doi.org/10.1021/la3004323 und http://dx.doi.org/10.1021/la3004323
Fragen beantworten:
Prof. Dr. Karin Jacobs
Experimentalphysik
Tel.: 0681/302-717 88
E-Mail: k.jacobs(at)physik.uni-saarland.de
Prof. Dr. Mathias Herrmann
Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Tel.: 06841/162-3900
E-Mail: mathias.herrmann(at)uniklinik-saarland.de
Prof. Dr. Metin Tolan
TU Dortmund, Experimentelle Physik I/DELTA
Tel.: 0231/755-3506
E-Mail: tolan(at)physik.uni-dortmund.de
b.h.hartmann(at)web.de
www.healthcare-saarland.de
Datum: 29.04.2012 - 14:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 627476
Anzahl Zeichen: 3203
Kontakt-Informationen:
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Meldungsart: Erfolgsprojekt
Versandart: Veröffentlichung
Freigabedatum: 29.04.2012
Anmerkungen:
Belegexemplar erwünscht
Diese Pressemitteilung wurde bisher 488 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Bakterien: Empfindlich wie die Prinzessin auf der Erbse "
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Healthcare Saarland (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Beratungsunternehmen Project M (Lüneburg) und Keck Medical (Hamburg) begleiten dieses Vorhaben, ein Projektbeirat, in dem neben Touristikern auch Kliniken vertreten sind, bringt Kompetenz und Erfahrung auf beiden Teilgebieten ein. Rehlinger: „Der Medizin- und Gesundheitstourismus wird in Zuku
Optimiertes Training durch zeitpunktorientierte Sportlernahrung ...
"Zeitpunktorientiert" und "zielorientiert", zwei Begriffe, die zukünftige Sportlernahrung prägen werden. Ein junges saarländisches Team aus Lebensmitteltechnologen, Sportwissenschaftlern, Ökotrophologen, Nährstoffexperten/Pharmazeuten und Leistungssportlern entwickelte in Ko
Hoffnung bei Krebsleiden: Kombination von Elektroporation und Chemotherapie sorgt für Wirkung am vorgesehenen Zielort - Wirksame und fortschrittliche ...
„Durch eine Elektroporation können Wirkstoffe wie Chemotherapeutika, die unter normalen physiologischen Bedingungen nicht in Zellen gelangen, in das Zellinnere eindringen und genau am vorgesehenen Zielort ihre Wirkung entfalten“, erklärt Thomas U. Warnke, Geschäftsführer das neue Verfahren.
Weitere Mitteilungen von Healthcare Saarland
Luminex Corporation erhält CE-Kennzeichnung für bahnbrechende Neugeborenen-Screeningplattform ...
xMAP® NeoPlex4®-Prüfverfahren und automatisiertes System setzen neue Maßstäbe in der Neonatologie AUSTIN, Texas, 27. April 2012 /PRNewswire/ -- Die Luminex Corporation [http://www.luminexcorp.com/] gab heute bekannt, dass das Unternehmen sowohl für das xMAP NeoPlex4-Prüfverfahren als auch
Symposium zum HeartLight® EAS von CardioFocus präsentiert klinische Erfahrungen aus zwei Jahren auf Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ...
CardioFocus Inc., ein Medizintechnikunternehmen, das das HeartLight® Endoscopic Ablation System (EAS) zur Behandlung von Vorhofflimmern (VHF) entwickelte, hat Experten aus dem Bereich Kardiologie zu einer Diskussion der klinischen Erfahrungen mit dieser Technologie und zur Identifizierung von Berei
DFG richtet sieben neue Forschergruppen ein / Insgesamt mehr als 16 Millionen Euro für erste Förderperiode ...
Die Einrichtung von sechs neuen Forschergruppen und einer Klinischen Forschergruppe hat der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beschlossen. Die Forschungsverbünde sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, sich aktuellen und drängenden Fragen i
Hamburg erstes Bundesland im Aktionsbündnis Patientensicherheit ...
Hamburg - Für die Freie und Hansestadt Hamburg als erstem Bundesland hat die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz den Beitritt als förderndes Mitglied zum Aktionsbündnis Patientensicherheit erklärt. Das Aktionsbündnis ist eine unabhängige Vereinigung, an der sich verschiedene Verbän




