Das Erste: Allah in Ehrenfeld - Der Bau der Kölner Moschee
Ein Film von Birgit Schulz und Gerhard Schick am 10. Juli 2012 um 22.45 Uhr im Ersten
ID: 644604
Metropole hat damit prozentual mehr Einwohner islamischen Glaubens
als jede andere deutsche Großstadt. Bisher war der berühmte gotische
Kölner Dom das Wahrzeichen der Stadt. Nun soll ein zweites
spektakuläres Gotteshaus die Skyline prägen: Im innenstadtnahen
Viertel Ehrenfeld wird eine der größten und modernsten Moscheen
Europas errichtet - von Paul Böhm, dem Architekten aus der
renommierten Architekten-Dynastie, die für ihre christlichen
Kirchenbauten berühmt ist.
Doch schon der Entwurf für den weithin sichtbaren Kuppelbau mit
den zwei Minaretten spaltet die Stadt in vehemente Gegner und
Befürworter. Es geht um mehr als ein Bauwerk: ein hochemotionaler
Streit um die Integration von Muslimen entsteht. Mittendrin: der
ehemalige CDU-Oberbürgermeister der Stadt Fritz Schramma, der
SPD-Bezirksbürgermeister des betroffenen Stadtviertels Josef Wirges,
der Architekt Paul Böhm, der Autor Ralph Giordano, der
Dialogbeauftragte des türkischen Bauherrn DITIB Bekir Alboga, dessen
Pressesprecherin Ayshe Aydin, sowie die junge engagierte Türkin Afife
Akdeniz. Während der jüdische Publizist Giordano sich vehement und
provokant gegen den Bau des repräsentativen Bauwerks ausspricht,
kämpfen die Politiker Seite an Seite mit der türkischen DITIB für die
Moschee. Ein weiterer Mitspieler ist die rechtsextreme Gruppe Pro
Köln, die die Ängste vieler alteingesessener Kölner nutzt und sie für
ihre politischen Ziele instrumentalisiert.
Schauplatz der Handlung ist der ehemalige Arbeiter-Vorort
Ehrenfeld. Er wird gerne als der Kölner Stadtteil gelobt, in dem das
multikulturelle Zusammenleben besonders gut funktioniert. Die
Deutschen kaufen in den türkischen Gemüseläden ein, die Studenten
essen ihren Döner und die Deutsch-Türken sprechen nicht selten Kölner
Slang. Es herrscht ein Klima liberaler Offenheit. Doch viele
alteingesessene Ehrenfelder befürchten, dass das fragile
multikulturelle Gleichgewicht im Viertel durch ein repräsentatives
islamisches Bauwerk kippen könnte. Sie empfinden die neue Moschee als
türkisches Machtsymbol und haben Angst, dass ihnen die vertraute
Umgebung fremd wird. Vom plötzlich massiv aufbrandenden Widerstand
werden selbst die erfahrenen Stadt-Politiker überrascht, für viele
Muslime, die seit Jahrzehnten in Ehrenfeld leben, ist er ein Schlag
ins Gesicht. Sie glauben, dass ihnen ein würdiges Gebetshaus zusteht
und verstehen die Ängste ihrer deutschen Nachbarn nicht.
Viele junge Türken fühlen sich in der deutschen Gesellschaft nicht
zuhause, besinnen sich wieder auf ihre Wurzeln und wenden sich der
islamischen Religion zu. Eine entscheidende Frage drängt sich immer
mehr in den Vordergrund: Wird die Moschee die Integration der Muslime
fördern oder trägt sie eher weiter zu ihrer Abschottung von der
Mehrheitsgesellschaft bei?
Der Film von Birgit Schulz und Gerhard Schick zeigt die ersten
heftigen Proteste gegen den Moscheebau im Jahr 2007, kurz nachdem die
Pläne in der Bevölkerung bekannt wurden. Er folgt dem turbulenten
Verlauf der Ereignisse - von den aufgeregten Gegendemonstrationen bis
zur Erteilung der Baugenehmigung, vom Abriss der alten Moschee und
den aufwendigen Bauarbeiten bis hin zum fast fertigen Neubau im Jahr
2012. Als der Moscheebau nach fünf Jahren vor seinem Abschluss steht,
kommt es zu einem neuen, unerwartet heftigen Eklat: Die DITIB
entlässt den Architekten, ein Baustopp droht und das ganze Projekt
steht kurz vor der Fertigstellung plötzlich auf dem Spiel ...
Die Redaktion dieser Produktion der Bildersturm Filmproduktion
haben Jutta Krug (WDR) und Gudrun Hanke-El Ghomri (SWR).
Pressekontakt:
Agnes Toellner, Presse und Information Das Erste,
Tel: 089/5900 3876,
E-Mail: agnes.toellner@DasErste.de
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Datum: 23.05.2012 - 15:23 Uhr
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