"DER STANDARD"-Kommentar: "Politische Union oder Absturz"
von Thomas Mayer
ID: 644872
sein politisches Gewicht bei den Partnern auf ein Minimum zu
reduzieren, muss es genau so vorgehen wie die österreichische
Bundesregierung.
Sie hat es am Tag vor dem EU-Gipfel geschafft, in einer wichtigen
Frage zur künftigen Ausgestaltung der wirtschaftlichen, politischen
und sozialen Zukunft der Gemeinschaft eine total widersprüchliche
Position einzunehmen. Der Kanzler erklärte bei der Anfahrt, dass er
die Konzepte des neuen französischen Präsidenten Francois Hollande
teile, sich für Eurobonds - also gemeinschaftliche
Schuldverschreibungen - ausspreche.
Sein Vizekanzler und die Finanzministerin hingegen legten sich gegen
eine solche Politik fest, weil die "von vorgestern" sei. Das könnte
man als unwichtige Posse aus einem Zwergenland in den Alpen abtun -
einfach als Folge dessen, dass die VP-Minister einer großen Koalition
sich eben an der konservativen Kanzlerin Angela Merkel in Berlin
halten, die Eurobonds als "verfrüht" ansieht, während der Kanzler
(der bisher ganz im Windschatten Merkels agierte) sich nun an seinem
neuen, mächtigen sozialistischen Parteifreund in Paris hält.
Aber so einfach ist es leider nicht. Staatsinteressen fußen auf
vielen Elementen: Kleine Länder haben andere Ziele als große;
Euroländer andere als EU-Mitglieder, die ihre Währung auf- oder
abwerten können; der Norden andere als der Süden usw.
Österreich hat keine Position, kein eigenes Konzept, wie es sich die
Zukunft der Union wünscht. Der Europaauftritt der Regierung erscheint
stümperhaft. Das ist verrückt, weil ein Land mit so hervorragenden
Wirtschafts- wie Sozialdaten und als Mitglied der Eurozone gerade in
der schwersten Krise der Union beste Voraussetzungen hätte,
gestalterisch mitzuspielen, legitime Vorschläge zu machen,
Initiativen zu setzen: nicht aus EU-Idealismus, nein, aus reinem
Eigennutz!
Außerdem ist das unverantwortlich. In den kommenden Wochen könnte
sich entscheiden, ob die EU und die Eurozone als solche überhaupt
überleben wird, wo einzelne Länder dann bleiben. Die Wahlen in
Griechenland Mitte Juni sind dabei nur der Katalysator. Manche
Experten vergleichen die Lage mit der von 1989 und Folgejahren. Sie
brachten nicht nur Umbrüche, sondern auch den Vertrag von Maastricht
mit der Währungsunion. Womit wir bei Hollandes Eurobonds wären. Diese
sind nichts anderes als eine Chiffre für die urfranzösische
Forderung, mit dem Euro auch radikale Schritte hin zur Fiskal- und
Sozialgemeinschaft zu setzen, bis hin zu einer EU-Regierung.
Gemeinschaftliche Verschuldung in einem gemeinsamen Binnenmarkt ohne
Grenzen ist aus Pariser Sicht normal.
Der deutschen Kanzlerin geht das zu schnell. Sie will, dass die wenig
wettbewerbsfähigen Partner zuerst ihre Strukturen reformieren.
Gemeinschaftliche Verschuldung käme am Ende. Aber auch Merkel hat oft
erklärt, dass es eine viel, viel engere Zusammenarbeit geben solle.
Wie man dahin kommt, ist also eine Frage des Prozesses, der
zeitlichen Abfolge.
Berlin und Paris sind sich durchaus einig, dass das finale Ziel der
europäischen Einigung eine echte Union sein könnte, wofür eine
gründliche EU-Vertragsreform, breite Bürgerbeteiligung nötig wäre.
Letztlich reduziert sich das auf die alles entscheidende Frage:
Vertraut man auf ein gemeinsames Europa oder nicht? Nur Wien schaut
bei all dem in die Luft.
Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 23.05.2012 - 18:23 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 644872
Anzahl Zeichen: 3823
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Europa wird total umgebaut, und Österreichs Regierung schaut dabei in die Luft - Ausgabe vom 24.5.20
Kategorie:
Medien und Unterhaltung
Diese Pressemitteilung wurde bisher 192 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
""DER STANDARD"-Kommentar: "Politische Union oder Absturz"
von Thomas Mayer"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Der Standard (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Der Standard
'Rock am Ring' 2012 live und exklusiv im SWR und bei EinsPlus ...
Deutschlands größtes Rockfestival live in EinsPlus / Festivalradio von SWR3 und DASDING / Stream, Fotos, Clips auf SWR3.de, DASDING.de, Facebook und Twitter Live, laut, "Rock am Ring": Auf allen Kanälen berichtet der Südwestrundfunk vom 1. bis 3. Juni 2012 als einziger multimedial
Zehn Kinder singen im großen DSDS Kids Finale um den Sieg und werden von den Top 10 der diesjährigen DSDS Staffel unterstützt ...
Wer wird das Super Kid? Im großen Finale von DSDS Kids treten am Freitag, den 25.5., 20.15 Uhr zehn Kinder an und singen vor der Jury aus Michelle Hunziker, Dieter Bohlen und Dana Schweiger, und natürlich vor den Zuschauern. Nur die Zuschauer entscheiden mit ihren Telefonanrufen darüber, welche
DJV empört über Mordaufruf gegen Journalisten ...
Berlin, 23.05.2012 - Der Deutsche Journalisten-Verband hat mit Empörung auf den im Internet kursierenden Mordaufruf eines Islamisten reagiert. Darin wird unter anderem dazu aufgerufen, Journalisten zu ermorden, die Demonstranten mit Mohammed-Karikaturen gezeigt hätten. "Unvoreingenommene un
"Freizeit in Cannes? - Hatte ich noch nie!" TELE 5 Exklusiv-Interview mit 'Madagascar 3'-Produzent Jeffrey Katzenberg (BILD) ...
'Bettinas Hollywood - Special: Internationale Filmfestspiele von Cannes': - Teil 1 am Freitag, 25. Mai um 20.10 Uhr - Teil 2 am Sonntag, 27. Mai um 19.35 Uhr "Ich nenne ihn 'Mr. Cannes Filmfestival', weil er seit 1974 jedes Jahr hierher kommt", sagt TEL




