Badische Neueste Nachrichten: Fußball ist lieb und teuer
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Tagesordnungspunkt der gestrigen Landtagsdebatte hatte etwas
Hilflos-Beschwörendes: "Gewalt in Fußballstadien eindämmen". Wer
wollte das nicht. Die Frage ist nur, wie. Herausgekommen sind die
alten, wenig kreativen Rezepte. Jetzt wird der verstaubte
Sicherheitsgipfel wieder aus der Mottenkiste gezaubert, man sucht das
Gespräch mit Fanprojekten und droht den Krawallmachern mit der harten
Hand des Staats. All das ist nicht Nichts. Viel mehr ist aber wohl
nicht drin. Vielleicht könnte man endlich auch einmal so ehrlich sein
und einräumen, dass sich die Kollateralschäden des Profi-Fußballs
allenfalls reduzieren, sich offensichtlich aber nicht verhindern
lassen. Und dass die Aufwendungen dafür alle Steuerbürger tragen
dürfen. Fußball ist der Gesellschaft eben lieb und teuer. Die Kosten
sind in der Tat immens: Allein bei der Weltmeisterschaft vor zwei
Jahren in Südafrika haben Polizeibeamte in einem Monat 2,4 Millionen
Überstunden gemacht. Das ist der Gegenwert der Jahres-Arbeitsleistung
von 1 400 Polizisten. Macht mal eben eine Rechnung von 100 Millionen
Euro. Gar keine Frage: Fußball ist Klasse. In Deutschland spielen
sechs Millionen Aktive in 27 000 Vereinen - meist fair und fast
immer, ohne dass die Polizei eingreifen muss. Es geht wie so oft um
die schwarzen Schafe, die den ganzen Betrieb in Misskredit bringen.
Gegen die braucht es einen Ruck. Einen Ruck durch die Vereine, deren
Entscheidungsträger sich zu oft wegducken, etwa beim Thema
Pyrotechnik im Stadion oder bei der Debatte um personalisierte
Eintrittskarten. Einen Ruck durch die Scharen der echten Fans, die
gegen die Chaoten aufstehen müssen anstatt sie noch in Schutz zu
nehmen. Einen Ruck auch gegen Wichtigtuer in der Politik, die die
Situation anheizen mit Einlassungen wie der vom persönlichen "Hass"
gegen einzelne Vereine. Und es braucht staatliche Autorität: Chaoten
müssen wissen, dass auch ihre Rechnung teuer wird.
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Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
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Datum: 24.05.2012 - 22:25 Uhr
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