Fixies - Ein Fahrradtrend zwischen Lifestyle und Gesetz
Begriffsklärung zum Fahrradtrend „Fixies“
Technik, Typen, Tatsachen
Fixies sind ein Hype – der starre Antrieb wird immer beliebter. In der Berichterstattung aber gehen mitunter wichtige Details verloren. Nicht selten werden diese Räder fälschlicherweise kategorisch als illegal gebrandmarkt. Der pressedienst-fahrrad erklärt die Unterschiede zwischen „Fixie“, „Singlespeed“ und „brakeless“.

(firmenpresse) - [pd-f] Immer öfter berichten die Medien über die Verwendung von „Fixies“ im Straßenverkehr und die Sicherstellung solcher Räder durch die Polizei (z. B. kürzlich in Berlin). Nicht selten verschwimmen in den Berichten die Begriffe – daher eine kurze Klärung: Das Fixie gehört zur Klasse der Singlespeeder, ist also ein Radtyp ohne Schaltung. Während die meisten Singlespeeder aber einen Freilauf haben (das Hinterrad kann vorwärts frei rotieren, auch wenn die Beine still stehen), haben Fixies einen starren (engl. fixed) Antrieb. Dies bedeutet, dass der Fahrer mittreten muss, sobald das Hinterrad rotiert – Rollen mit still stehenden Beinen ist unmöglich. Fixies werden oft mit Freilauf-Singlespeedern verwechselt, da für Laien optisch kein Unterschied erkennbar ist. Übrigens sind Singlespeeder mit Freilauf weiter verbreitet als man gemeinhin denkt: Es gibt sie als Mountainbike und Rennrad, am häufigsten sind sie aber als Cruiser, BMX- und Kinderrad anzutreffen. Wichtig: Das freie Rollen des Hinterrades ist bei ihnen möglich.
Urvater Bahnrad
Manche Fixies haben Bremsen, andere nicht – diese werden „brakeless“ genannt. Bestes Beispiel dafür ist das Bahnrad (z. B. Felt TK2, 1.549 $, www.feltracing.com), eine aufs Nötigste reduzierte Wettkampfmaschine und ausschließlich für den Sport auf der Radbahn gedacht. Das Bahnrad ist ein technischer Saurier – den starren Antrieb gab es schon lange vor dem Freilauf. Letzterer wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts am Fahrrad eingeführt – und damals von Fachleuten sogar als „der Sicherheit des Radfahrers entgegenwirkend“1 befunden. Heute nutzen hauptsächlich Bahnsportler, Radballer und Kunstradakrobaten den starren Gang ohne Bremsen.
Die Argumente der Eingang-Fahrer
Singlespeeder-Fans schätzen die aufgeräumte Optik, das geringe Gewicht und die reduzierte Technik – viele Anbauteile und Züge fehlen. Nicht selten verstehen sie das Singlespeedfahren als Postulat gegen eine übertechnisierte (Radsport-)Welt. Außerdem reizt sie der fahrtechnische Anspruch, ohne Schaltung auszukommen. Hohe Belastbarkeit und geringer Wartungsbedarf des Antriebs machen Eingangräder zu idealen Arbeitstiere für Radkuriere. Unter diesen Kurieren finden sich auch die Auslöser des Fixie-Trends. Sie suchen die unmittelbare Verbindung zwischen Mensch und Maschine und trainieren mit starrem Antrieb den „runden Tritt“ – die Minimierung des Totpunktes im Kurbelzenith.
„Gefährlich“?
Medien-Berichte titelten mitunter „Fahrräder ohne Bremsen“ – und vermittelten so den Eindruck von Kamikaze-Piloten auf zwei Rädern. Richtig ist, dass man mittels Starr-Ritzel verzögern und sogar blockieren kann – über die erforderliche Übung verfügen allerdings die wenigsten. In Notsituationen reicht diese Bremskraft den wenigsten Fahrern, um Unfälle zu verhindern. Verantwortungsvolle Fixiefahrer haben – unabhängig von Fertigkeit und Übung – daher Bremsen am Rad.
Der Gesetzgeber fordert zwei Bremsen
Über allen sportlichen und philosophischen Ansätzen steht das Gesetz. Die StVZO schreibt in § 65 zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen vor. Roland Huhn, Rechtsreferent beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC), erläutert gegenüber dem pressedienst-fahrrad: „Die starre Nabe kann nicht entsprechend § 65 als Bremse aufgefasst werden, sondern ist lediglich eine Funktion des Antriebs – ähnlich der Motorbremse im KFZ.“ Um legal im Straßenverkehr benutzt zu werden, müssen laut Huhn wie jedes Rad auch Fixies zwei Bremsen aufweisen.
Zwei in eins
Nicht wenige der aktuell angebotenen Fixies können im Handumdrehen mit Freilauf ausgestattet werden – und andersherum. Ein Weg ist die sogenannte Flip-Flop-Nabe, wie sie im Modell Curbside von Felt (699 Euro, www.felt.de) verwendet wird. Die Wendenabe weist ein Gewinde für starre Ritzel an der einen und eines für Freilaufritzel an der anderen Seite auf. Schlichtes Umdrehen des Hinterrades wechselt den Antrieb. Eine weitere Möglichkeit stellt die seit 2008 erhältliche Torpedo-Nabe von Sram (in sieben Farben für 109 Euro, www.fixedandfreegear.com) dar: Ihr einziges Ritzel kann mittels eines internen Mechanismus‘ „fix and free“ betrieben werden; zum Wechseln genügen einige Umdrehungen mit dem Schraubendreher.
Fazit
Auch Fixies dürfen im Straßenverkehr bewegt werden, doch auch für sie gilt: Ein Fahrrad muss über zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen verfügen.
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Datum: 26.05.2009 - 11:31 Uhr
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