Umweltzonen: Innenstädten droht Abwanderung von mehr als 8 Mio. Kunden
Hamburg – 25. Juni 2009 – Zwei Jahre nach Inkrafttreten der Umweltplaketten- Verordnung ist ihre Bilanz aus Sicht der Bürger durchwachsen: Wie eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Harris Interactive AG ergab, leben zwar bereits 29% der Bundesbürger in Umweltzonen oder halten sich regelmäßig in ihnen auf.
Ihre Auswirkungen auf die Umwelt scheinen aber eher eine Glaubenssache zu sein: Zwar meinen 43% aller Befragten, dass Umweltzonen zu einer Verbesserung der Luftqualität führen, und 48% erwarten durch sie eine Erhöhung der Lebensqualität in Großstädten. Dies relativiert sich jedoch, betrachtet man nur diejenigen, die sich tatsächlich in Umweltzonen aufhalten: Von ihnen meinen mehr als die Hälfte (54%), dass sie bislang keine Verbesserung der Luftqualität bemerkt haben, und zwei Drittel (64%) kritisieren, dass die Umweltprobleme nur auf Ausweichstrecken verlagert werden. Nur ein Drittel (34%) hat überhaupt eine Abnahme der Verkehrsbelastung in Innenstädten wahrnehmen können, so dass nicht einmal jeder fünfte (18%) sich tatsächlich seltener durch Abgasgestank belästigt fühlt als früher.
Die eher gering eingeschätzte Wirkung der Umweltzonen auf die Luftreinheit mag durch die vielen Ausnahmeregelungen erklärbar sein, die für Unternehmen, Anlieger und den ÖPNV gelten: Zwei Drittel der Befragten in Umweltzonen empfinden die Umweltbelastung durch ältere Autobusse als viel schwerwiegender als die durch PKW. Auch haben bislang nur Dortmund und Hannover überhaupt Fahrverbote für Fahrzeuge mit roter Plakette ausgesprochen. Bereits im nächsten Jahr werden die Nutzungsauflagen für Besitzer älterer Fahrzeuge jedoch massiv verschärft: Neben Fahrverboten für Fahrzeuge mit roter Plakette in fast allen Umweltzonen werden Berlin, Bremen und Hannover Fahrzeuge mit gelber Plakette aus ihren Umweltzonen aussperren. Dementsprechend mussten bislang zwar nur 5% der Befragten persönliche Einschränkungen hinnehmen, weitere 23% halten sie aber in den nächsten zwei Jahren für möglich (vgl. Abbildung 1).
Die eingeschränkte Mobilität für Fahrer älterer Fahrzeuge wird vor allem den Einzelhandel in den Umweltzonen treffen: 45% beabsichtigen, den Aufenthalt in Umweltzonen insgesamt einzuschränken. Dies entspricht über acht Millionen potentieller Kunden mit einer jährlichen Kaufkraft von insgesamt über 140 Milliarden Euro, die den Innenstädten verloren zu gehen drohen. Da ist es ein schwacher Trost, wenn diese Betroffenen – ökologisch korrekt – zu 38% den ÖPNV nutzen und 30% zu Fuß gehen oder das Rad benutzen wollen. Die Teilnahme an Fahrgemeinschaften ist mit 8% noch unbeliebter als das Ignorieren von Fahrverboten unter Inkaufnahme von Bußgeldern mit 13% (vgl. Abbildung 2).
Wirtschaftsschädigend auch: die subjektive Rechtsunsicherheit, die mit der Umweltplaketten-Verordnung einhergeht. 44% aller Befragten meinen, dass man selbst bei Neuwagen nicht mehr sicher sein kann, wie lange man sie noch uneingeschränkt nutzen kann – laut Dr. Thomas Rodenhausen, Chef von Harris Interactive Deutschland, kein überraschendes Ergebnis: „Bereits im nächsten Jahr werden Fahrzeuge von den Fahrverboten betroffen sein, die bei Inkrafttreten der Verordnung keine zwei Jahre alt waren.“ Dabei sind nicht nur die Fahrverbote selbst für die Betroffenen ärgerlich, sondern auch der erhöhte Wertverlust älterer Fahrzeuge, der von 71% aller Befragten beklagt wird.
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Für die Studie wurden zwischen dem 17. und 19. Juni 1.004 Bürger, die älter als 18 Jahre alt sind, in Deutschland online befragt. Teilnehmer wurden aus dem deutschen Online-Panel von Harris Interactive rekrutiert.
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Datum: 25.06.2009 - 11:51 Uhr
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