Die Inkompetenz der staatlichen Wirtschaftspolitik - Deutschland verspielt seine Zukunftsfähigkeit
ID: 13340
So sei die tarifvertraglich zementierte Arbeitszeit ein Auslaufmodell. Unternehmer, Mitarbeiter und Betriebsräte sollten selbst für ihren Betrieb festlegen, wie lange und an welchen Tagen gearbeitet werde. Die Arbeitszeitwende sei schon längst Realität, auch wenn Gewerkschaftsfunktionäre wie Verdi-Chef Frank Bsirske das nicht wahrhaben wollen. Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage und mit Blick auf die EU-Erweiterung dürfe auch unbezahlte Mehrarbeit kein Tabu sein. "Eine Senkung der Arbeitskosten stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit. Kürzere Wochenarbeitszeiten bringen eben nicht mehr Jobs in Deutschland, sondern beschleunigen nur den Export von Arbeitsplätzen," so der Einwand von Müller.
Deutschland sei bezeichnenderweise nur noch Freizeitweltmeister und nicht mehr Wachstumsweltmeister. "Rund 42 Urlaubs- und Feiertagen hierzulande stünden beispielsweise 36 in Frankreich oder 23 in den USA gegenüber. Die Löhne in Deutschland stiegen seit 1950 um 1.600 Prozent, die Arbeitszeit sank im Gegenzug um 18 Prozent. Der Staat tat das Übrige, diesen Prozess der Verteuerung und Verknappung von Arbeit zu fördern, obwohl er ihn hätte bremsen müssen. Nur die Holländer und Norweger arbeiten heute weniger als die Deutschen", führt Müller aus.
Betrachtet man alle Deutschen - auch Kinder ab dem zehnten Lebensjahr, Rentner und Arbeitslose - , verwendeten im Jahr 2002 alle 82,5 Millionen zusammen nur 13 Prozent ihres Zeitbudgets für Berufsausbildung und bezahlte Tätigkeit. Diese 13 Prozent freilich müssen die übrigen 87 Prozent des Lebens mitfinanzieren. "So können wir unseren Wohlstand nicht mehr finanzieren", moniert Müller. Ein paar Stunden Mehrarbeit pro Monat oder weniger Urlaubstage sei jedem zumutbar. Durch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit um nur eine Stunde ohne Lohnausgleich könnte man das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 20 Milliarden Euro steigern. Ein weiteres Problem sieht der Mittelständler Müller in der einseitigen Ausrichtung der staatlichen Wirtschaftspolitik auf grosse Unternehmen. "Neue Unternehmensgründungen in der Dienstleistungsbranche, die nicht in Anlagevermögen investieren, haben kaum eine Chance, Anschubfinanzierungen zu erhalten und sich in den ersten Jahren im Ergebnis nach Steuern zu konsolidieren", kritisiert Müller. Eine Steuerpolitik, die neue Unternehmen in den ersten Jahren pauschal und nur gering besteuert, wie es in anderen Ländern der Fall ist, würde wesentlich zur Gründung und zum Erfolg neuer Unternehmen beitragen.
Auch das Forschungs- und Universitätswesen in Deutschland sei völlig anachronistisch und nicht mehr zeitgemäss. "In der Technologie-Entwicklung leistet die deutsche Lehre wenig und in anderen Bereichen gar nichts. Wenn Deutschland den Schritt in die Dienstleistungsgesellschaft machen will, dann müssen die Hochschulen die Grundlagen dafür schaffen: Marketing, Business-Strategien, Management-Techniken, Beratungskonzepte. Heute kommt das alles aus dem anglo-amerikanischen Raum und in der Folge sind im internationalen Bereich auch keine deutschen Dienstleistungsunternehmen präsent", betont Müller.
Das führe zu einer zunehmenden Innovationsträgheit in Deutschland bekämpfen. "Die Bundesregierung kürzt beim Hochschulaufbau, streicht Forschungsgelder und macht bei der Verteilung der Fördermittel grobe Fehler. Das Tempo des technischen Fortschritts hat sich in einem Jahrzehnt halbiert. Der Weltmarktanteil bei forschungsintensiven Produkten ist gesunken, die Basis für Exporte bröckelt - auch wenn das in den amtlichen Statistiken noch nicht ablesbar ist", sagt Ralf Sürtenich von der Düsseldorfer Unternehmensberatung insieme business.
Besonders in Zukunftsbranchen habe der Staat seine Inkompetenz unter Beweis gestellt: "Bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen für rund 50 Milliarden Euro vor rund vier Jahren wurde der strategische Fehler gemacht, dieses Geld nicht für den Strukturwandel in der Branche für Informationstechnik und Telekommunikation einzusetzen. Der Staat hat die Hand aufgehalten, ohne im Gegenzug eine Leistung dafür zu erbringen. Es wurde mit den Erlösen auch versäumt, den Ausfall des Risikokapitals nach dem Ende des New Economy-Booms durch staatliche Anschubfinanzierungen zu kompensieren. Und die Regulierung der Telekommunikation, die im Ergebnis nur das Monopol der Deutschen Telekom konserviert, aber aus dem Thema UMTS keine Lehren zieht, wird Deutschland in diesem zukunftsorientierten Sektor im internationalen Vergleich zurückfallen lassen", prognostiziert Sürtenich. Angesichts der Schnelligkeit der Märkte und der immer kürzeren Technologiezyklen sei die Politik heute gar nicht mehr in der Lage, aktuelle Themen und Entwicklungen adäquat zu behandeln. "Toll-Collect und die virtuelle Jobbörse der Bundesanstalt für Arbeit demonstrieren die Hilflosigkeit der öffentlichen Verwaltung, derartige Projekte zu verstehen und zu managen", bemängelt Sürtenich.
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: cklemp
Datum: 29.04.2004 - 10:04 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 13340
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Matthias Schmitz
Kategorie:
Vermischtes
Meldungsart: Unternehmensinformationen
Versandart: bitte
Freigabedatum: 29.04.2004
Diese Pressemitteilung wurde bisher 1197 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Die Inkompetenz der staatlichen Wirtschaftspolitik - Deutschland verspielt seine Zukunftsfähigkeit"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
medienbüro.sohn (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Facebook-Browser könnte soziale Netzwerke umpflügen Berlin/München, 27. Februar 2009, www.ne-na.de - Millionen Deutsche sind mittlerweile in sozialen Netzwerken wie XING, Wer-kennt-wen, Facebook oder StudiVZ organisiert, haben ein Profil und präsentieren sich auf irgendeine Art im Web, ob mi
Finanzbehörden müssen mit Mittelstand innovativer umgehen ...
Schnelle Verfahren zur Stundung von Steuern und Anpassung von Vorauszahlungen Berlin, 26. Februar 2009, www.ne-na.de – Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) www.bvmw.de fordert die Finanzbehörden und Sozialversicherungen zu einem flexiblen und innovativen Umgang mit kleinen un
Kritik von Abfallexperten: Novellierte Verpackungsverordnung zementiert Grünen Punkt ...
Müllkonzern, fördert Preisdumping und unseriöse Recyclingmethoden Berlin/Bonn, 25. Februar 2009, www.ne-na.de - Einige Medien berichteten am Anfang des Jahres von der wundersamen Wiederauferstehung des Grünen Punktes http://www.gruener-punkt.de. So soll der frühere Müllmonopolist Duales Sys
Weitere Mitteilungen von medienbüro.sohn
Wege aus der Kreditklemme: Unternehmen locken Anleger mit attraktiven Renditen ...
Düsseldorf - Mittelständische Unternehmen stecken in der Kreditklemme - und werden innovativ. "Sie geben Anleihen aus, um sich so zu der zunehmend restriktiven Finanzierung durch Banken eine Alternative zu schaffen und das eigene Unternehmen mit frischem Kapital zu versorgen. Anleger profitie
Deutsche sparen zu wenig - Trend zur Frühverrentung "kollektives Harakiri" ...
Düsseldorf - Wenn es um die Überwindung der deutschen Konjunkturkrise geht, geben Politiker und Wirtschaftsforscher häufig den gleichen Rat: Die Bürger sollen mehr konsumieren, ihr Geld nicht sparen, sondern ausgeben und so die Konjunktur beleben. Nach einem Bericht des Fachdienstes "Erfolg
Der Fluch des Erfolgs - China ändert Währungspolitik ...
Düsseldorf - Die Ankündigung des chinesischen Premierministers Wen Jiabao, seine Regierung denke darüber nach, den Kurs der Landeswährung Renminbi künftig durch Angebot und Nachfrage bestimmen zu lassen, hat die internationalen Finanzmärkte in grosse Aufregung versetzt. Das berichtet der Fachd
Wirtschaftsdienst Erfolg: Patriotismusstreit dumm und töricht ...
Düsseldorf - Die Verlagerung von Arbeitsplätzen in das Ausland wird von der Bundesregierung als "unpatriotisch" und "vaterlandslos" kritisiert. "Merkwürdig für die Regierung eines Landes, in dem die einzige Hoffnung auf Aufschwung und jeder dritte Arbeitsplatz vom Export




