Demoskopische Unkenrufe über die Zukunft des klassischen Fotos
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Das Spektrum der digitalen Dia-Shows reiche von Kinder- und Babyfotos für die Verwandtschaft über Urlaubs- und Partybilder für die Freunde bis hin zu skurrilen Konzert-Schnappschüssen mit Newcomer-Bands á la Tokio Hotel. "Anfangs waren es vor allem die ambitionierten Fotofans, die ihre Bilder mit viel zeitlichem und finanziellem Aufwand ins Netz gestellt haben", so Fotoexperte Benno Hessler gegenüber Focus. Das habe sich geändert. "Inzwischen ist ein Konkurrenzkampf zwischen Internet-Providern, Web-Dienstleistern und Fotofirmen entbrannt. Der lässt die Preise purzeln, sodass jeder ein eigenes Album anlegen kann", so Hessler.
Der Trend zur Digitalkamera beschere den Anbietern erheblichen Zulauf. Während im vergangenen Jahr nur 30 Millionen analoge Geräte weltweit einen Käufer fanden, verkauften Canon & Co. rund 100 Millionen digitale Apparate.
Wie das Meinungsforschungsinstitut Infotrends ermittelte, verändere die neue Technik auch das Nutzungsverhalten. So bezeichnen 60 Prozent aller Schnappschuss-Fotografen das so genannte Foto-Sharing also den Austausch und das gemeinsame Betrachten von Bilddateien per E-Mail, CD oder Online-Alben als ihre Lieblingsbeschäftigung. Demgegenüber drucken nur 50 Prozent ihre Bildersammlung auch aus. Bei Branchenexperten stösst die Meinungsumfrage auf Skepsis. So sollen angeblich über 60 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass die heutige Jugend in ein paar Jahren weit weniger Abzüge bestellen wird als ihre Eltern.
"Wer bei einem komplexen Sachverhalt mit simplen Ja/Nein-Antwortvorgaben arbeitet, könnte auch gleich fragen, ob man lieber arm oder reich sein wolle. Hier fehlt die demoskopische Qualität. Die digitale Fotografie erweitert die Anwendungsmöglichkeiten für die Nutzer. Printabzüge werden auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen. Das zeigt sich auch an der starken Nachfrage nach Minilabs, den sogenannten Ein-Stunden-Labors für die Entwicklung von digitalen Fotos. Auch der Absatz von Fotodruckern zieht enorm an", so Michael Müller, Geschäftsführer der a & o-Gruppe http://www.ao-services.de, die im vergangenen Jahr Teile von Agfaphoto übernommen hat.
Die Umfrageprognosen von Infotrends würden den Visionen vom papierlosen Büro ähneln. "Das Gegenteil ist eingetreten. Auch bei der Fotografie werden diese Unkenrufe ins Leere gehen. Denn die Zahl der Fotos, die mit Digitalkameras aufgenommen wird, hat sich erheblich erhöht. Und die besten und gelungensten Schnappschüsse gehen nach wie vor in die Fotoentwicklung", sagt Müller.
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