Auslandsgeschäft ist kein Ruhekissen für deutsche Medizintechnik

Auslandsgeschäft ist kein Ruhekissen für deutsche Medizintechnik

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(firmenpresse) - Bonn - Jahr für Jahr eine Gesundheitsreform, die als Jahrhundertprojekt verkauft wird, Zuzahlung beim Hausarzt, höhere Krankenkassenbeiträge, sinkende Leistungen - den Turbulenzen im Gesundheitssystem zum Trotz rechnet die deutsche Medizintechnik-Branche mit kräftigen Zuwächsen im Jahr 2006. Dies ist das Fazit des sechsten MedTechDays http://www.medtechday.de in Frankfurt am Main. Der Optimismus der Branche nährt sich auch durch eine aktuelle Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) http://www.lbbw.de, die auf der Fachmesse vorgestellt wurde. "Die Medizintechnik ist weiterhin eines der interessantesten Felder der Life Science Branche", sagte Alexander Burger, Senior Equity Analyst der LBBW. 2005 erzielten die 1.234 deutschen Medizintechnik-Hersteller mit ihren rund 256.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 14,8 Milliarden Euro und legten gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent zu. Allerdings basieren diese positiven Zahlen fast ausschliesslich auf dem Auslandsgeschäft. Im Inland führten unzureichende politische Rahmenbedingungen dagegen zu einem Umsatzrückgang. Während der Auslandsumsatz um fast 17 Prozent auf einen Wert von 9,2 Milliarden Euro kletterte und dadurch die Exportquote mit über 62 Prozent ein neues Rekordhoch erreichte, war das Inlandsgeschäft weiter rückläufig. So lag der Inlandsumsatz mit 5,6 Milliarden Euro um rund zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Die Branche hofft nun auf die Schaffung eines wettbewerbsorientierteren Gesundheitsmarktes und investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen. "Auch 2006 ist mit einem positiven Auslandsgeschäft zu rechnen. Doch dies ist kein Ruhekissen: Ohne eine grundlegende Reform des deutschen Gesundheitswesens wird der Inlandsmarkt nicht anspringen. Deutschland kann aber seine Spitzenstellung in der Medizintechnik einbüssen, wenn das Geschäft im eigenen Land weiterhin rückläufig ist. Die reine Fixierung auf die Kostendebatte würgt jegliche Kreativität ab", so der Gesundheitsexperte Michael Sander, Vorstand des CareHelix-Instituts für Management und Dialog im Gesundheitswesen http://www.carehelix-institut.de. Nachdenklich stimmt auch der Blick auf die britischen Inseln. Denn hier steht nach einem Bericht der Ärztezeitung http://www.aerztezeitung.de der staatliche britische Gesundheitsdienst National Health Service dem medizintechnologischen Fortschritt im Weg. Der Verband britischer Medizintechnikhersteller verlange von den britischen Gesundheitspolitikern nun ein Umdenken, so die Zeitschrift. Der Gesetzgeber wurde aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Zulassungsbestimmungen nicht den Fortschritt blockierten. Das sei "volkswirtschaftlich sehr sinnvoll", da neue Techniken letztendlich Geld sparten.



Der Investitionsstau im deutschen Gesundheitswesen beträgt nach konservativen Schätzungen mindestens 10 bis 15 Milliarden Euro und verlange nach einer substanziellen Gesundheitsreform. Ein funktionierender Inlandsmarkt sei mittel- und langfristig auch die Voraussetzung für den Erhalt der Spitzenposition der deutschen Medizintechnikunternehmen im Ausland.

Die Branche in Deutschland ist zu 95 Prozent mittelständisch geprägt und sehr innovativ. "Die deutsche Medizintechnik nimmt in der Welt eine führende Stellung ein und steht gemessen an den Umsätzen nach Amerika und Japan auf Platz drei", berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung http://www.faz.net. Bis zu 25 Prozent des Umsatzes wird mit Produkten erzielt, die nicht älter als zwei Jahre sind. Mehr als sieben Prozent der Beschäftigten sind in Forschung und Entwicklung tätig; und der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Gesamtumsatz lag 2005 bei sieben Prozent. Und die Tendenz ist steigend, gilt doch die gesamte Gesundheits- und Wellnessbranche als
Zukunftsmarkt. "Die grossen Nachfragen kreisen um die Themen Gesundheit, Wellness, Lebensqualität", erläutert beispielsweise Zukunftsforscher Matthias Horx im Gespräch mit der Zeitschrift Absatzwirschtaft http://www.absatzwirtschaft.de.

"Natürlich sind qualitativ hochwertige Behandlungen auf den ersten Blick teuer. Aber langfristig verringern sie Folgekosten und verkürzen Therapiezeiten. Ärzte, Krankenhäuser, Medizintechnik-Hersteller und die Pharmaindustrie sind momentan verunsichert, da noch nicht ausgemacht ist, wie eine Gesundheitsreform konkret aussehen wird", so Mehdi Schröder, Sales Director des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson http://www.ericsson.com/de . "Unsere Technik M-Health eignet sich zum Beispiel besonders gut dazu, chronisch Kranke zu überwachen. An diesem Punkt lässt sich verdeutlichen, dass Medizintechnik Kosten senken kann. Denn Langzeitleiden verschlingen in den Industrieländern allein drei Viertel der Gesundheitsausgaben. Medizintechnik kann hier als echter Kostensenker fungieren." Einnahmenbezogene Massnahmen allerdings, wie sie im Augenblick die Bundesregierung vorschlage, würden dem Gesundheitswesen in Deutschland nicht helfen, die anstehenden Probleme zu lösen. Budgetdefizite seien nachhaltig nur dann in den Griff zu bekommen, wenn die weiterhin ungebremst steigenden Gesundheitsausgaben gedrosselt würden. Und das beinhalte weit mehr als die übliche Diskussion über die Begrenzung und Deckelung der Arzneimittelausgaben.


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