„History Management“ statt „History Marketing“?
ID: 31312
Die Bedeutung der Tradition für die Markenkommunikation
Die im ersten Kapitel enthaltenen Beiträge des Sammelbandes vermitteln einen weitgehend gut lesbaren Einblick in die „Historie der Marke und ihre Rolle in der Gesellschaft“. Eine thematische Sonderstellung nehmen hier sicherlich Stefan Heinemanns philosophisch anmutende „Reflexionen zur Geschichte von Unternehmen und Marken an der Grenze von Philosophie und Ökonomie“ ein. Aber so unterschiedlich die Blickwinkel auch sein mögen, aus denen sich die Autoren dem Thema nähern, so sind doch alle überzeugt von der zentralen Bedeutung einer planend integrierten Nutzung der Ressource „Geschichte“ für die Erreichung von Unternehmens- und markenpolitischen Zielen.
Renommierte Vertreter der Betriebswirtschaftslehre wie Heribert Meffert beschäftigen sich im zweiten Kapitel mit der Frage nach den „Potenzialen der Markenhistorie im Kontext des Markenmanagements“. Dabei plädieren die Autoren für eine stärkere Ausrichtung der Markenführung an der Markenidentität als dem strategischen Kern jeder Marke. In diesem Kontext wird die Geschichte der Marke zum prägendsten Element der Markenidentität erklärt, deren Bedeutung für den Markenwert gleichwohl nicht überschätzt werden sollte.
Im Anschluss an die theoretisch wissenschaftlichen Ausführungen folgt im dritten Kapitel eine Reihe von Beispielen, in denen die praktischen Erfahrungen bei der Nutzung der Markentradition geschildert werden. Dabei bleibt es dem Leser vorbehalten, seine Schlüsse aus der Lektüre der als Ideensammlung durchaus gewinnbringenden Beispiele zu ziehen.
Ein Aufsatz der beiden Herausgeber bildet ein gleichermaßen bilanzierendes wie in die Zukunft blickendes Fazit der vorstehenden Beiträge. In ihrem Bestreben, „das Konstrukt Markenhistorie in seiner Bedeutung für das Markenmanagement und die Markenkommunikation in möglichst vielen Facetten zu erfassen“, verfolgen Herbrand und Rörig zugleich die Absicht, „einen der Thematik dienlichen Diskurs in Forschung und Praxis anzustoßen“. Ob das Vorgehen der Herausgeber, den von ihnen favorisierten Begriff des „History Management“ ausdrücklich von den in ihren Augen inflationär verwendeten Modebegriffen „Vintage Marketing“ und „History Marketing“ abzugrenzen, dem Diskurs dient, erscheint allerdings eher fraglich. Wirklich stichhaltig ist die zugrunde liegende Argumentation nicht, schließlich hat auch der Begriff des „History Marketing“ das Potenzial, als begriffliche Klammer für die Entwicklung von „managementrelevantem Wissen“ zu fungieren.
Insgesamt ist der Sammelband ein überzeugendes Plädoyer, die Ressourcen der Unternehmensgeschichte im Allgemeinen und der Markenhistorie im Besonderen effektiver zu nutzen. Allerdings bleibt dabei die Frage nach den Protagonisten der historischen Aufarbeitung letztlich unbeantwortet. Weil aber die historische Aufarbeitung eine unverzichtbare Grundlage des History Management darstellt beziehungsweise darstellen sollte, wäre eine pointiertere Einbeziehung des fachhistorischen Blickwinkels wünschenswert gewesen. Das Fehlen dieses Aspektes bildet eine beklagenswerte Lücke in der von den Herausgebern beschworenen „Ganzheitlichkeit“ des History Management.
Nicolai O. Herbrand / Stefan Röhrig (Herausgeber): Die Bedeutung der Tradition für die Markenkommunikation. Konzepte und Instrumente zur ganzheitlichen Ausschöpfung des Erfolgspotenzials Markenhistorie. Edition Neues Fachwissen: Stuttgart 2006, 615 Seiten, 59 Euro.
Der Autor Thomas Töller hat Geschichte, Wirtschaftsgeschichte und Philosophie an der Universität Bonn studiert und während seines Studiums freiberuflich in den Bereichen PR und Online-Redaktion gearbeitet. Im Jahr 2005 gründete er Service Geschichte http://www.servicegeschichte.de. Als Agentur für historische Dienstleistungen unterstützt Service Geschichte Unternehmen, Verbände, Institutionen und Vereine bei der Recherche, Dokumentation und öffentlichkeitswirksamen Aufarbeitung historischer Themen.
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Datum: 14.06.2007 - 15:56 Uhr
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