Zeitarbeit ist eine Brücke zurück in den Arbeitsmarkt
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IWG Bonn stellte Studie über sich ändernde Beschäftigungsverhältnisse vor
Gründe für diese positive Entwicklung seien zahlreiche Deregulierungsmaßnahmen, die Notwendigkeit von Unternehmen, Personal möglichst passgenau und kostengünstig einzusetzen, die wechselseitige Erprobung von Arbeitskräften und Unternehmen, der kontinuierliche Ausbau der Arbeitnehmerüberlassung durch weitere Personaldienstleistungen und nicht zuletzt die nach wie vor beträchtliche Arbeitslosigkeit. Für zahlreiche Arbeitslose sei Zeitarbeit die Brücke zurück in den Arbeitsmarkt.
Das gelte namentlich für nicht oder nur gering Qualifizierte, die vom Arbeitsmarkt zurückgelassen worden sind. Für sie ist Zeitarbeit, so IWG-Expertin Stefanie Wahl, eine Art „arbeitsmarktpolitische Nachhut". Etwa 90 Prozent der Zeitarbeitskräfte sind diesem Bereich der Standardzeitarbeit zuzurechnen. Waren vor 25 Jahren erst drei Prozent der Hilfsarbeiter Zeitarbeitskräfte, so sind es heute mehr als 40 Prozent. „Ohne Zeitarbeit wäre wahrscheinlich ein Großteil dieser gering qualifizierten Helfertätigkeiten wegrationalisiert oder ins kostengünstigere Ausland verlagert worden“, so Wahl. Das verbleibende Zehntel der Zeitarbeitskräfte ist demgegenüber hoch oder zumindest gut qualifiziert. Sie bilden das Segment der Spezialzeitarbeit. Dabei sollte zwischen Standard- und Spezialzeitarbeit klar getrennt werden, da Probleme und Aufgabenstellungen in beiden Bereichen sehr unterschiedlich sind.
„Die Zeitarbeit darf jetzt nicht in die Zange genommen werden“, sagte Personalexperte Marc Emde von dem Kölner Unternehmen Kirchconsult http://www.kirchconsult.de. „Die Parteien machen beim Thema Mindestlohn gegen die flexible Zeitarbeit mobil, und auch aus Brüssel kommen Querschüsse. So will der zuständige Kommissar Spidla Deutschland dazu verpflichten, dass Leiharbeiter schon nach sechs Wochen in einem Unternehmen den gleichen Lohn und die gleichen Rechte wie Festangestellte bekommen sollen. Wenn ich als Unternehmer Zeitarbeiter und Festangestellt gleich behandeln muss, dann macht das ganze Instrument der flexiblen Leiharbeiter keinen Sinn mehr. Ein Leidtragender wäre zum Beispiel der Mittelstand, wo Arbeitsspitzen mit Zeitarbeit überbrückt werden.“
Für bestimmte Politiker und die Gewerkschaften sind die Deregulierungen insbesondere im Rahmen der Agenda 2010 zu weit reichend. Deshalb plädieren sie für deren teilweise Rücknahme. „Wer dieses anstrebt" - so IWG-Chef Prof. Dr. Meinhard Miegel - „bewegt sich jedoch auf schmalem Grat." Zwar befänden sich unter den Zeitarbeitsunternehmen etliche schwarze Schafe, deren Verhalten durchaus kritikwürdig ist. Doch ohne die möglichst ungehinderte Entfaltung der Zeitarbeit gäbe es heute in Deutschland hunderttausende von Arbeitsplätzen weniger. Die Kritiker der Zeitarbeit müssen sich deshalb genau überlegen, ob sie lediglich Missbrauch bekämpfen oder eine Arbeitsform treffen wollen, die für den Arbeitsmarkt ständig wachsende Bedeutung hat.
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Datum: 12.12.2007 - 11:36 Uhr
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