Westdeutsche Zeitung: CSU für Zuwanderungsstopp für Türken und Araber =
von Lothar Leuschen Es nimmt schon Wunder, dass manche Politiker
immer noch versuchen, aus wichtigen, grundlegenden und zumeist auch
langwierigen Debatten kurzfristig politisches Kapital zu schlagen. In
der Integrationsdebatte ist diesmal CSU-Chef und Ministerpräsident
Horst Seehofer der Verlockung erlegen. Das ist in dessen Fall umso
erstaunlicher, als Seehofer in der Regel Gespür für nutzbringende
Sticheleien hat. Die FDP weiß nicht zuletzt in der Gesundheitspolitik
davon ein Lied zu sin ...
Westdeutsche Zeitung: Friedensnobelpreis =
von Martin Vogler Auch wenn Helmut Kohl wiederum leer ausging Hut
ab vor dem Mut zu dieser Wahl
Martin Vogler
Im Internet kursiert eine ironisch-bissige Frage: Wann war
eigentlich das letzte Jahr, in dem Helmut Kohl nicht für den
Friedensnobelpreis nominiert wurde? Angeblich richtige Antwort: 1988,
also das Jahr, bevor die Mauer fiel. Die Schmonzette zeigt das
Dilemma, in dem der geistig rege aber körperlich angeschlagene
Kanzler der Deutschen Einheit und Mitgestalter der europäischen
...
Westdeutsche Zeitung: Währungspolitik =
von Peter De Thier Es ist nur wenige Monate her, dass in den USA
Ökonomen und andere sogenannte Experten noch den Untergang des Euro
voraussagten. Gegenüber dem Dollar sei bald mit Parität zu rechnen,
meinten sie. Die Talfahrt werde sich dann weiter fortsetzen und die
europäische Gemeinschaftswährung bald der Vergangenheit angehören.
Die Kluft zwischen jenen, die ihre Haushalte im Griff haben und den
hochverschuldeten europäischen Ländern sei zu tief, als dass die
W&a ...
Westdeutsche Zeitung: Salafisten =
von Wolfgang Radau Muslime sind ein Teil unserer Gesellschaft.
Aber nicht der Islam, sondern christlich geprägte Werte bilden das
Fundament, auf dem unsere Haus aufgebaut ist. Das Grundgesetz
garantiert Meinungsfreiheit und ungestörte Religionsausübung - auch
den Muslimen. Aber von allen Menschen, gleich welcher Herkunft,
verlangt das Gesetz die Einhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung.
Die ist bedroht, wenn Anhänger einer mittelalterlich anmutenden
Islam-Strömung wie di ...
Westdeutsche Zeitung: Studienanfänger in NRW =
Von Frank Uferkamp Die Zahlen aus dem Hochschulministerium sind
beunruhigend: Etwas weniger als ein Drittel aller Berechtigten nimmt
in Nordrhein-Westfalen ein Studium auf. Das ist im bundesweiten
Vergleich beschämend wenig. Der Blick nach Bayern oder auch ins
vermeintlich so strukturschwache Rheinland-Pfalz zeigt: Die anderen
Länder weisen ganz andere Zahlen auf, bilden den akademischen
Nachwuchs aus, der für eine gute Entwicklung des Standorts dringend
notwendig ist. Diese Entwicklung ist a ...
Westdeutsche Zeitung: Wir brauchen eine Debatteüber die Integration von Muslimen =
von Wibke Busch Die Äußerungen des Bundespräsidenten zum Islam
waren ein wichtiges Signal: Christian Wulff hat in seiner Rede zum
"Tag der deutschen Einheit" anerkannt, dass der Islam durch die
Zuwanderung Teil der deutschen Realität geworden ist. So wie das
Eingeständnis der Politik, dass es Probleme bei der Integration gibt,
erst vor wenigen Jahren eine wirklich ernsthafte Debatte über die
Integration von Zuwanderern in Gang setzte, so kann auch die Rede
Wulffs z ...
Westdeutsche Zeitung: Der Präsident erfüllt nur teilweise die Erwartungen - Sachlich und ein wenig zukunftsweisend
Von Martin Vogler = Wir warteten auf die erste große Rede des
jungen Präsidenten. Doch großartig geriet sie nicht, wahrscheinlich
wird sich bald keiner mehr an sie erinnern. Aber wenigstens verdient
das, was Wulff zum 3. Oktober sagte, das Prädikat angemessen.
Immerhin schaffte er es - was auch wohltuend bei den anderen
Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Vereinigung auffiel - auf
übertriebenes Pathos zu verzichten. Er lobte pflichtgemäß die
Aufbauleistungen der Ostdeu ...
Westdeutsche Zeitung: Politik und Gesellschaft driften immer weiter auseinander - Der Staat kann viel aus Stuttgart 21 lernen
Von Anja Clemens-Smicek = Die eigentliche Aufgabe der Bahn sollte es
sein, Menschen miteinander zu verbinden. Stuttgart 21 aber verbindet
nicht. Es spaltet vielmehr eine ganze Region in Befürworter und
Gegner des Bahnprojekts. Die Bilder von Polizisten, die mit Reizgas
und Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgehen, zeigen sogar in
schonungsloser Deutlichkeit, dass Politik und Gesellschaft immer
weiter auseinanderdriften. Eine verheerende Entwicklung.
Nur Demonstrationsnostalgiker kämen aber auf die I ...
Westdeutsche Zeitung: Leiharbeit =
von Martin Vogler Normalerweise würde jetzt eine Diskussion über
die Angemessenheit der 3,6 prozentigen Lohnsteigerung in der
Stahlbranche Nordwestdeutschlands einsetzen. Doch das scheint bei
diesem Tarifabschluss niemanden zu interessieren. Stattdessen fragen
sich bundes- und branchenweit Geschäftsführungen, Gewerkschaften und
Arbeitnehmer, was die neue Vereinbarung zur Zeitarbeit bedeutet. Noch
betrifft sie nur 3000 Leiharbeiter in der Stahlbranche. Doch schon
wird die Idee diskutiert, ...
Westdeutsche Zeitung: Krankenkassen =
von Wolfgang Radau Gesundheitsminister Rösler ist auf der Suche
nach einem "intelligenten System der Kostenerstattung", das zu mehr
Transparenz und Wettbewerb im Gesundheitswesen führt. Das kann ein
wichtiger Schritt sein auf dem Weg zu mehr Sparsamkeit. Aber das
Vorhaben, Kassenpatienten ihre Arztrechnung zunächst selbst zahlen
und sich das Geld später erstatten zu lassen, ist unterm Strich nicht
intelligent. Auch wenn der Plan vorsieht, dass Selbstzahler 100 und
nicht, wie bei ...
Westdeutsche Zeitung: Konsumfreudigkeit =
von Martin Vogler Oft muss man von außen auf Deutschland schauen,
um besser zu verstehen, was bei uns passiert. Wir selbst nehmen nur
mit verhaltener Freude zur Kenntnis, dass in den Köpfen der
Verbraucher die Krise viel schneller als vorhergesagt überwunden ist,
so dass sie dank ihres Konsums die Wirtschaft stark ankurbeln. Im
nächsten Schritt wägen wir bang ab, dass ja wohl 2011 statt 3,4 nur
noch zwei Prozent Wachstum möglich seien. Das Ausland hingegen sieht
uns mit einer g ...
Westdeutsche Zeitung: Bahnhof-Modernisierungen =
von Horst Kuhnes Wenn die Bahn derzeit und in den kommenden
Jahren mit einem Millionenaufwand Bahnhöfe und Haltepunkte
modernisiert und saniert, dann ist das zunächst einmal durchaus
positiv. Denn die Fahrgäste des Unternehmens haben einen Anspruch auf
eine gepflegte Umgebung - egal, ob sie mit dem Zug in den Urlaub
fahren oder zur Arbeit. Schließlich sind die Bahntickets schon teuer
genug. Und mit der Pünktlichkeit der Züge ist es auch nicht immer zum
Besten bestellt, so dass ...
Westdeutsche Zeitung: Letzte CDU-Regionalkonferenz in NRW =
Von Stefan Küper Trotz der verlorenen Landtagswahl und
verheerender Umfragewerte bundesweit - die CDU in NRW erfreut sich
einer lebendigen Basis. Gut 7000 Mitglieder sind zu den acht
Regionalkonferenzen gekommen, und in den Diskussionen wurde immer
wieder klar: Die Basis will mehr mitdiskutieren und -entscheiden -
auch nach der Befragung zum Parteivorsitz. Norbert Röttgen und Armin
Laschet haben zugesagt, diesen Wunsch ernstzunehmen. Sollte nun auch
noch eine hohe Wahlbeteiligung erreicht werden, h&a ...
Westdeutsche Zeitung: Hartz-IV-Sätze =
von Martin Vogler Das wird ein enttäuschendes Wochenende für 6,5
Millionen Empfänger von Hartz-IV-Leistungen. Auch wenn Politiker
behaupten, es sei noch nichts entschieden: Die Erhöhung der
Regelsätze wird nicht üppig. Und sie wird auf dem Papier
wahrscheinlich höher aussehen als das, was wirklich auf den Konten
ankommt. Denn wenn im Gegenzug zur Steigerung jene 19 Euro wegfallen,
die rechnerisch für Alkohol und Tabak geplant sind, dann bleibt
wirklich nicht mehr viel ...
Westdeutsche Zeitung: Kirchliches Arbeitsrecht =
von Peter Kurz Spielt ein Organist schlechter Orgel, weil er
sich von seiner Frau getrennt hat und nun mit einer anderen
zusammenlebt? Sind die Operationen eines Chefarztes ein Risiko für
seine Patienten, wenn er ein zweites Mal heiratet? Kein Mensch, der
seine Sinne beisammen hat, würde die Fragen bejahen. Und doch kann
der Ehebruch ein Kündigungsgrund sein - wenn der Arbeitgeber die
Kirche oder eine von ihr getragene Organisation ist. Geht es ums
Arbeitsrecht, so haben die Kirchen einen ...
Westdeutsche Zeitung: Jobgarantie bei Siemens =
von Martin Vogler Ist mein Job sicher? Gibt es ihn auch in zehn
oder 20 Jahren noch? Während die wenigsten auf solche Fragen eine
klare Antwort wissen, scheint für Siemensianer die Zukunft rosig: Sie
genießen die Vorzüge der freien Wirtschaft, einschließlich ihrer
häufig besseren Verdienstmöglichkeiten. Und jetzt erfreuen sie sich
einer Jobgarantie, ähnlich wie Beamte oder Angestellte im
Öffentlichen Dienst. Viele fragen sich, warum sich Siemens als
Arbeitgeber ...
Westdeutsche Zeitung: Debatte um Waffenrecht =
Von Wolfgang Radau Die Reaktion ist verständlich: Nach einem
bewaffneten Amoklauf wie in Winnenden und nun in Lörrach wird der Ruf
nach einer Verschärfung des Waffenrechts laut. Am besten sollte es
gar keine Schusswaffen in Privatbesitz geben, zumindest aber sollten
alle Waffen und alle Munition zentral und nicht in Privatwohnungen
aufbewahrt werden. So weit die Forderungen von Menschen, die in Angst
leben oder sogar Opfer von bewaffneten Straftaten geworden sind.
Straftaten - das ist ein entsc ...
Westdeutsche Zeitung: Landesbankenfusion =
von Ingo Faust Für die WestLB und ihre noch rund 5000
Mitarbeiter ist es ein letzter Versuch: der Zusammenschluss mit der
BayernLB. Für das Düsseldorfer Institut drängt die Zeit, denn bis
Ende 2011 müssen nach dem Willen der EU-Kommission, die dies zur
Voraussetzung von Staatshilfen gemacht hatte, neue Eigentümer her.
Sonst wird verkauft - sogar an Heuschrecken. Oder die Bank wird
abgewickelt. Bei der BayernLB, die ebenfalls mit Milliarden vom Staat
gestützt worden ist, ...
Westdeutsche Zeitung: Die Atomproteste sind kein gutes Indiz für unsere Demokratie - Lächelnde Sonne und allmächtige Richter
Von Martin Vogler Wollen wir gleich die Regierung abschaffen und
die Richter in Karlsruhe über die Politik in Deutschland entscheiden
lassen? Darauf wird es nämlich auch bei der Atomfrage hinauslaufen,
wenn SPD-Chef Gabriel das neue Gesetz der schwarz-gelben Koalition
per Eilantrag zu kippen versucht. Er strebt damit keine
parlamentarische, sondern eine juristische Lösung an. Was den fatalen
Trend verstärken wird, dass das Bundesverfassungsgericht der Politik
immer mehr Grenzen zeigt und ...
Westdeutsche Zeitung: Nicolas Sarkozy gefährdet mehr als seine Karriere - Der Unberechenbare im freien Fall
Von Martin Vogler = Vom "Super-Sarko" zum Lügenbold: Das Ansehen
von Nicolas Sarkozy rutscht mit unglaublicher Geschwindigkeit ab.
Wenn das nur das Problem eines überdrehten Selbstdarstellers wäre,
müssten wir uns nicht damit beschäftigen. Doch genaueres Hinschauen
lohnt, denn die Ausrutscher des französischen Präsidenten schaden
auch Deutschland, der Europäischen Union und dem Rest der Welt.
Doch auch für Frankreich selbst sind die Ausraster des erste ...
Westdeutsche Zeitung: Darum ist es richtig, dass Deutschland Häftlinge aufnimmt =
von Lothar Leuschen Zugegeben, ein wenig Unwohlsein beschleicht
einen doch bei dem Gedanken, dass seit gestern inklusive dem
Deutsch-Türken Murat Kurnaz nun drei ehemalige Häftlinge des
US-Gefängnisses Guantanamo in Deutschland leben. Zwar haben die
Geheimdienste der USA den dreien in sicher stundenlangen und kaum
zimperlichen Verhören keine Terrorpläne oder gar die Beteiligung an
den Anschlägen vom 11. September 2001 nachweisen können. Aber
Selbstmordattentäter verbre ...
Westdeutsche Zeitung: Die rot-grüne Regierungserklärung im NRW-Landtag =
von Horst Kuhnes Sie ließ es stark menscheln, beschwor
Gemeinsamkeiten zwischen allen Parteien, warb um Zustimmung für ihre
"neue" Politik und bemühte auffallend häufig Bezüge zu Johannes Rau.
Doch auch wenn es am Schluss minutenlangen, demonstrativen Beifall
von SPD und Grünen gab: Die Opposition konnte Hannelore Kraft mit der
ersten Regierungserklärung ihrer rot-grünen Minderheitsregierung
nicht überzeugen. Denn wichtige Themen wie die umstrittene ro ...
Westdeutsche Zeitung: Das Geschäft mit den Dispo-Krediten =
von Annette Ludwig Das Ritual ist eigentlich nicht neu: Immer,
wenn die Europäische Zentralbank in der Vergangenheit den Leitzins
gesenkt hat, schmolzen kurz darauf die Zinsen für Tages- und
Festgelder dahin. Die Zinsen für Dispo-Kredite aber verharrten noch
längere Zeit auf ihrem höheren Niveau. Das war für die Kunden schon
immer ärgerlich. Doch die jüngste Untersuchung von Stiftung Warentest
zeigt, dass sich diese Entwicklung zugespitzt hat - noch nie waren
die Diffe ...
Westdeutsche Zeitung: Vorruhestand zu bezahlen, ist unwirtschaftlich und falsch =
von Lothar Leuschen Raimund Becker hat Recht. Der Vorstand der
Bundesagentur für Arbeit spricht sich dafür aus, dass langfristig
alle Anreize gestrichen werden müssen, die den vorzeitigen Ruhestand
schmackhaft machen. Der mag für den einzelnen verlockend sein, für
die Gesellschaft ist er auf Dauer eine Gefahr. Seit Jahr und Tag
finanzieren Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Steuerzahler über
Versicherungsprämien und Abgaben mit Milliarden von Euro, dass Leute
früher aus dem ...
Westdeutsche Zeitung: EU-Beitritt der Türkei =
Von Lothar Leuschen Die Forderung der Türkei, endlich in die
Europäische Union aufgenommen zu werden, ist verständlich. Allen
Kritikern zum Trotz ist die EU ein Erfolgsmodell. Staaten, die
Mitglieder geworden sind, geht es heute besser als zuvor. Sie sind
gleichberechtigter Teil eines weitgehend stabilen, erfolgreichen
Wirtschaftsraumes. Und der Fall Griechenland zeigt, dass die
Gemeinschaft in Zeiten der Not auch ein Rettungsanker sein kann. Wer
mag es der Türkei da noch verdenken, in de ...
Westdeutsche Zeitung: Sarrazin =
von Martin Vogler Mit Sarrazins offiziell freiwilligem Rückzug
aus dem Bundesbank-Vorstand scheint eine an Aufgeregtheit kaum zu
überbietende Affäre ihr Ende zu finden. Tut sie aber nicht. Denn der
Fall kann noch lange nicht zu den Akten gelegt werden. Zu viel ist
beschädigt und ungeklärt. Fest steht nur, dass es keine Sieger, aber
bei wohlwollender Betrachtung zwei Gewinner gibt. Der eine ist der
Bundespräsident, der heilfroh ist, nicht mehr über den Rauswurf
Sarrazins e ...
Westdeutsche Zeitung: Europäischer Gerichtshof kippt das staatliche Glücksspiel-Monopol =
von Olaf Kupfer Geht es um zusätzliche Einnahmepotenziale, ist
sich der Sport der Nächste und noch dazu einig. Motto: Das Urteil des
Europäischen Gerichtshofes war überfällig. Das Geld, das zugelassene
private Wettanbieter künftig durch Werbung in den Markt blasen
könnten, können wir allemal gut gebrauchen. Übel nehmen kann man den
Sportlern diese freilich opportunistische Haltung nicht. Jahrelang
hat der Staat dank seines Monopols nichts anderes gemacht. Der
E ...
Westdeutsche Zeitung: Breite Ablehnung für Forderung nach einer EU-Steuer =
von Martin Vogler Ob es um den Grad der Krümmung von Gurken, die
exakte Zählung aller Milchkühe oder um alberne, aber politisch
korrekte, geschlechtsneutrale Bezeichnungen in allen Lebenslagen
geht: Die Europäische Union ist stets gut dafür, ein verständnisloses
Kopfschütteln bei ihren 500 Millionen Einwohnern auszulösen. Wobei es
oft nicht beim amüsierten Schmunzeln bleibt, denn mit der EU
assoziieren die meisten auch einen aufgeblähten Verwaltungsapparat
mi ...
Westdeutsche Zeitung: Angemessene Strafen für den Tod von Dominik Brunner =
Von Horst Kuhnes Das Landgericht München I hat entschieden - und
ein Urteil mit Symbolcharakter gesprochen: Dominik Brunner, der
Schüler vor zwei jugendlichen Schlägern beschützen wollte, wurde
ermordet. Die Tat sei aus Rache geschehen, Brunner Opfer zügelloser
Gewalt geworden, befanden die Richter. Daher verhängten sie für den
Hauptangeklagten eine Haftstrafe, die nur zwei Monate unter der nach
dem Jugendstrafrecht höchstmöglichen Höchsstrafe von zehn Jahre ...
Westdeutsche Zeitung: Karstadt =
von Annette Ludwig Karstadt hat eine Zukunft - auf diese Nachricht
haben die 25 000 Mitarbeiter sehr lange warten müssen. Gestern aber
fiel alle Anspannung der vergangenen Monate ab. Die Mitarbeiter
jubelten, klatschten und freuten sich. Darüber, dass es weiter geht.
Darüber, dass ihnen das bittere Schicksal ihrer Kollegen von Quelle
erspart bleiben wird. Nach der langen Zitterpartie endlich eine gute
Nachricht. Dies dürfte auch in vielen Städten für ein tiefes Aufatmen
gesorgt h ...
Westdeutsche Zeitung: Die Affäre Sarrazin =
von Martin Vogler Die Karriere Thilo Sarrazins bei der Bundesbank
ist definitiv beendet, selbst wenn der Rauswurf juristisch noch etwas
kompliziert ablaufen könnte. Für diesen spektakulären und einmaligen
Akt der Trennung lassen sich gute Gründe nennen: Vor allem könnte
sich der provozierende Buchautor Sarrazin als Bank-Vorstand
rufschädigend für das Institut und die Bundesrepublik erweisen. Für
den 65-Jährigen ist der Jobverlust zumindest wirtschaftlich keine
Kat ...
Westdeutsche Zeitung: Nahost =
von Lothar Leuschen Mehr als drei Jahrzehnte nach Camp David, 32
Jahre nach dem von US-Präsident Jimmy Carter vermittelten
Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten steht dem Nahen Osten
möglicherweise ein weiterer Schritt in Richtung dauerhafter Frieden
bevor. In Washington beginnen heute die Gespräche zwischen Israels
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Palästinenserpräsident Mahmud
Abbas und der US-Außenministerin Hillary Clinton. Die Aussichten auf
Erfolg sind ...
Westdeutsche Zeitung: NRW =
Von Frank Uferkamp Im bevölkerungsreichsten Bundesland gibt es
keine klare politische Mehrheit, nach dem Ende der Sommerferien wird
dies augenscheinlich den Parteien noch einmal bewusst. Die CDU sucht
einen neuen starken Mann und hat dafür zwei vorzeigbare Kandidaten.
Sowohl Norbert Röttgen als auch Armin Laschet ist zuzutrauen, dass
sie die Union aus dem Wellental in der Wählergunst herausführen.
Beide gelten innerhalb der CDU als liberal, was dort gleichgesetzt
wird mit modern. So ...
Westdeutsche Zeitung: Die CDU nach Roland Koch =
Von Lothar Leuschen Wahrscheinlich werden böse Zungen behaupten,
Bundeskanzlerin Angela Merkel habe der Verabschiedung von Hessens
Ministerpräsident Roland Koch nur deshalb beigewohnt, damit sie
sicher sein konnte, dass Koch auch tatsächlich geht. Und womöglich
ist das noch nicht einmal ganz falsch. Doch das wirklich Wichtige für
Merkel und die CDU spielt sich im Wiesbadener Landtag ab. Dort
regiert ab heute Volker Bouffier an der Spitze von Schwarz-Gelb das
Land. Er ist nach David Mc ...
Westdeutsche Zeitung: Sarrazin =
von Martin Vogler Kaum ein Buch hat bislang schon vor seinem
Erscheinen so viele Rezensionen gesammelt wie Thilo Sarrazins
"Deutschland schafft sich ab". Wohlgemerkt: Erst heute wird das Werk
in der Bundespressekonferenz vorgestellt. Und schon haben sich
zahlreiche gesellschaftliche Gruppen und bedeutende Politiker dazu
geäußert. Rein marketingtechnisch gesehen haben somit das gerne
provozierende SPD-Mitglied und sein Verlag einen Volltreffer
gelandet. Und dabei genießt Sarrazin ...
Westdeutsche Zeitung: Angela Merkel darf vor der Atomlobby nicht einknicken - Der Regierung droht ein heißer Herbst
Von Anja Clemens-Smicek = Der Bundesregierung droht der Gau. Und das
ausgerechnet wegen der Kernkraft - einem Konflikt, der bis vor kurzem
als weitgehend gesellschaftlich befriedet gelten konnte. Doch die
Gegner formieren sich wieder. Offen fordert die Atomlobby die
Kanzlerin mit einer Öffentlichkeitskampagne heraus, macht Front für
längere Laufzeiten und gegen finanzielle Belastungen. Genauso offen
drohen einige Bundesländer nun unter Führung von Nordrhein-Westfalen
mit einer Verfassungskl ...
Westdeutsche Zeitung: Sicherungsverwahrung =
von Peter Kurz Schützt uns vor gefährlichen Straftätern! Wie
Ihr das macht, ist egal, Hauptsache, Ihr macht etwas. So etwa musste
der Ruf der Öffentlichkeit in den Ohren der Politiker klingen, die
schnell eine Lösung finden sollten, wie im Falle der bundesweit 80
Täter zu verfahren ist. 80 Menschen, die aufgrund eines Urteils des
Menschenrechtsgerichtshofs das Recht haben, auf freien Fuß zu kommen
oder die bereits frei sind. Sie alle mit Hilfe eines eilig
durchgepaukt ...
Westdeutsche Zeitung: Elektronische Gesundheitskarte =
von Peter Kurz Mal abgesehen von den Milliardenkosten, die die
elektronische Gesundheitskarte die gesetzlich Versicherten kosten
wird, erscheint das Projekt doch ganz vernünftig: Der Apotheker
erkennt sofort, welche Medikamente der Patient einnimmt und verkauft
ihm nichts Unverträgliches. Die später einmal gespeicherte
elektronische Patientenakte informiert auch den Arzt, der nicht der
Hausarzt ist, über die Krankengeschichte des Patienten.
Doppeluntersuchungen werden vermieden. Und i ...
Westdeutsche Zeitung: Ladenschlussgesetz =
von Olaf Steinacker Bitte keinen Flickenteppich. So stand es vor
vier Jahren in einem Kommentar in unserer Zeitung. Gefordert wurde
darin, kurz nachdem die Öffnungszeiten nach jahrelanger Diskussion in
Nordrhein-Westfalen liberalisiert wurden, ein gewisses Maß an
Verlässlichkeit. Schließlich wollen Kunden wissen, ob sich der Weg
ins Kaufhaus auch nach 18, nach 20 oder nach 22 Uhr noch lohnt, oder
ob die Türen bereits geschlossen sind. Bis heute wissen sie das
nicht. Jenseits der 20 ...
Westdeutsche Zeitung: Steinmeiers Liebesbeweis hat Bewunderung verdient =
von Martin Vogler Das kalte politische Leben trägt plötzlich ein
menschliches Antlitz. Frank-Walter Steinmeier will sich bereits heute
eine Niere entnehmen lassen, um seiner Frau das Leben zu retten. Mit
diesem Liebesbeweis setzt der SPD-Fraktionschef ein deutliches
Zeichen. Eine staunende Öffentlichkeit erfährt: Auch
Vollblut-Politgrößen, die vermeintlich vor allem parteitaktisch und
mit starkem Blick auf die eigene Karriere handeln, entsprechen im
Ernstfall nicht diesem Klis ...
Westdeutsche Zeitung: Guttenberg stellt die Bundeswehr-Reform vor
Abschied von der Wehrpflicht - und dann?
Von Wolfgang Radau = Eins darf nicht außer Acht gelassen werden,
wenn in diesen Tagen über die Reform der Bundeswehr gestritten wird:
Es geht in erster Linie um 8,3 Milliarden Euro, die bis 2014
eingespart werden sollen. Das ist die Kassenlage. Die Frage nach der
Wehrpflicht - nach ihrem Fortbestand oder ihrer Aussetzung oder gar
ihrer Abschaffung - ist die Frage nach der politischen
Sinnhaftigkeit.
Spätestens seit ab 1. Juli die Zeit beim Bund nur noch sechs
Monate dauert, ist der Wehrdie ...
Westdeutsche Zeitung: Der Rhein-Ruhr-Express steht auf der Kippe =
von Frank Uferkamp Der Traum von einer schnellen
Schienenverbindung zwischen dem Ruhrgebiet und der Rheinschiene ist
älter als das Bundesland Nordrhein-Westfalen und hat seinen Ursprung
in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Alles spricht dafür,
dass sie weiter ein Traum bleibt. Weder in Berlin noch in Düsseldorf
gibt es den nötigen Nachdruck, die Verbindung aufs Gleis zu setzen.
Die neuesten Nachrichten aus Berlin sind erneut negativ. Eine
schlechte Nachricht für die Berufspe ...
Westdeutsche Zeitung: Welches Bildungssystem ist das beste? =
von Anja Clemens-Smicek Spieglein, Spieglein an der Wand. . . welches
Bildungssystem ist das beste im Land? Antworten darauf liefern seit
mehr als zehn Jahren vielfältige Studien. In schöner Regelmäßigkeit
erscheinen Pisa, zuständig für die weiterführenden Schulen, Iglu,
ausgelegt für die Primarstufe, das Hochschulranking und der
Bildungsmonitor, wobei sich letzterer gleich das gesamte System
vorknöpft. So manches Ergebnis verwirrt dabei mehr als dass es
Klarheit bri ...
Westdeutsche Zeitung: Die Koalition verliert in Umfragen weiter an Zustimmung =
von Lothar Leuschen Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit
steigt zumindest nicht, die Verbraucherpreise sind im internationalen
Vergleich recht stabil - gute Entwicklungen, die Schwarz-Gelb nicht
verhindert hat. Und doch wird die Bundesregierung von Kanzlerin
Angela Merkel Woche für Woche in Umfragen geohrfeigt. Laut
Forsa-Institut kommt die Union gerade noch auf 31 Prozent der
Stimmen, die FDP käme derzeit nicht einmal mehr über die
Fünf-Prozent-Hürde in den Bundestag. Sch ...
Westdeutsche Zeitung: Erbschaftssteuer Homo-Ehe =
von Peter Kurz Als vor neun Jahren Homosexuellen erlaubt
wurde, ihre Partnerschaft rechtlich zu besiegeln, überwog bei vielen
Schwulen und Lesben die Freude. Endlich gleichgestellt. Doch so war
es eben nicht. Schon damals wurde die Euphorie gebremst. Zwar wurde
der gleichgeschlechtliche Bund fürs Leben legalisiert, Rechte und
Pflichten wie etwa die Unterhaltspflicht wurden an das Ja-Wort
geknüpft. Doch verstirbt einer der Partner, hält bis heute der Fiskus
die Hand viel weiter geö ...
Westdeutsche Zeitung: WDR-Gehälter =
von Frank Uferkamp Es ist zu begrüßen, dass der Westdeutsche
Rundfunk erstmals detaillierte Zahlen zu den Gehältern seiner
Führungsspitze und auch zu den Pensionslasten vorlegt. Dazu ist der
Sender allerdings neuerdings und erstmals per Landesgesetz
verpflichtet. Nun belegt der bundesweite Vergleich, dass die größte
Anstalt auch am besten zahlt, Monika Piel liegt deutlich jenseits der
300 000 Euro im Jahr. Lutz Marmor vom NDR, übrigens zuvor lange beim
WDR in leitender Po ...
Westdeutsche Zeitung: Duisburg =
von Wolfgang Radau Die Stadt Duisburg und die Menschen in Duisburg
haben es schwer. In den vergangenen Jahrzehnten ist aus ihrer
blühenden Industriestadt eine Problemstadt geworden - mit hoher
Arbeitslosigkeit, mit Kaufkraftverlust, mit Bevölkerungsrückgang.
Seit dem 24. Juli sehen sich die Duisburger nun ganz unten: Die
Loveparade, als Leuchtturm gedacht mit der Botschaft: "Sehr her, wir
in Duisburg...!" ist zum größten Unglück der Stadt nach dem Krieg
geraten. Duisb ...
Westdeutsche Zeitung: Wirtschaftswachstum =
von Martin Vogler Dass die Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal
um sagenhafte 2,2 Prozent wächst, hat alle Fachleute überrascht.
Minister Brüderle schwärmt sogleich vom XL-Wachstum. Seine Euphorie
ist zwar verständlich, aber mit der Einschränkung zu sehen, dass wir
bis vor eineinhalb Jahren sogar einen XXL-Rückgang des
Bruttoinlandsprodukts erlitten. Die Entwicklung unserer Wirtschaft
erreicht somit wieder in etwa das Niveau von vor mehr als drei
Jahren. Mehr nicht. Dies ...
Westdeutsche Zeitung: Fragebogenaktion der Staatsanwaltschaft für Steuersünder =
von Horst Kuhnes Die Aktion der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft,
1500 geständige Steuersünder als Zeugen zur Beantwortung eines
Fragenkatalogs aufzufordern, ist sicherlich eines: medienwirksam. Ob
sie allerdings auch in dem Sinne erfolgreich ist, dass sich aus den
Ergebnissen eine gerichtsfeste Anklage gegen konkrete Beschuldigte
ergibt, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Begeisterung der
Zeugen, die Staatsanwaltschaft mit handfesten Informationen zu
versorgen, dürfte sich übe ...
Westdeutsche Zeitung: Die Flut spült die Taliban nach oben =
von Anja Clemens-Smicek Die Dimension dieser Naturkatastrophe in
Pakistan lässt sich in nüchternen Zahlen kaum fassen: tausende Tote,
14 Millionen Menschen auf der Flucht, Millionen Hektar Ackerflächen,
die vernichtet sind. Als wäre dies allein nicht schon eine
unvorstellbare Herausforderung für die Krisenhelfer, kämpfen in dem
am schlimmsten betroffenen Gebiet auch noch die pakistanische Armee
und Taliban-Rebellen um die Vormachtstellung. Das gefährliche
Machtvakuum dort nutze ...
Westdeutsche Zeitung: Internet-Pranger =
von Peter Kurz Die Situation ist bedrückend. Ein
Sexualstraftäter kommt nach Verbüßung seiner Haft frei. Obwohl zu
vermuten ist, dass auch künftig eine Gefahr von ihm ausgeht. Weil
aber wegen eines Urteils des Menschenrechtsgerichtshofs in etwa 80
solchen Fällen eine rückwirkend angeordnete Sicherungsverwahrung
nicht möglich ist, werden diese vielleicht sehr gefährlichen Menschen
zu unseren Nachbarn. Unerkannt. Da erscheint der Vorschlag des Chefs
der Polizei ...
Westdeutsche Zeitung: Warum die wieder auflebende Rentendiskussion gefährlich ist - Es geht nicht nur um Dachdecker
Von Martin Vogler = Kennen Sie einen 66-jährigen Dachdecker? Wenn
nicht, mag das daran liegen, dass der Anteil dieser Berufsgruppe an
der Gesamtbevölkerung nicht sehr hoch ist. Es kann aber auch damit zu
tun haben, dass der in der Rentendiskussion zu einer beachtlichen
Berühmtheit gelangte ältere Dachdecker sich längst zur Ruhe gesetzt
hat, weil er schlicht nicht mehr in schwindelerregender Höhe
herumkraxeln will und kann. Doch in der von der SPD neu entfachten
Rentendiskussion w ...
Westdeutsche Zeitung: Die NRW-CDU setz künftig auf Armin Laschet - Hoffnungsträger mit einigen Macken
Von Frank Uferkamp = Der engste Führungszirkel ist sich einig:
Ex-Integrationsminister Armin Laschet soll neuer Chef der NRW-CDU und
damit potenzieller Herausforderer von Ministerpräsidentin Hannelore
Kraft werden. Drei Monate nach der Wahlschlappe ist das ein Signal an
zwei Adressaten. Zunächst einmal an Berlin. Dort muss der enge
Merkel-Vertraute und höchst ehrgeizige Norbert Röttgen erleben, dass
er in der NRW-CDU nicht willkommen ist. Und auch Jürgen Rüttgers
dürfte d ...
Westdeutsche Zeitung: Tausende freie Lehrstellen im Handwerk =
von Wolfgang Radau Das sieht doch zumindest auf den zweiten Blick
nach einer guten Nachricht aus: Deutschlands Wirtschaft braucht
wieder mehr Fachkräfte, und junge Leute haben eine große Auswahl,
attraktive Ausbildungsstellen zu finden. Allein im Handwerk sind noch
15 000 Plätze zu vergeben. Das hatten wir in den 60er Jahren schon
einmal, als zu Zeiten der Vollbeschäftigung Lehrlinge heiß umworben
und im offiziellen Sprachgebrauch zu "Auszubildenden" aufgewertet
wurden. D ...
Westdeutsche Zeitung: Duisburg =
Von Wibke Busch Das Schwarzer-Peter-Spiel nach der Katastrophe
von Duisburg ist seit gestern um eine Facette reicher. Nachdem
zunächst das Innenministerium Veranstalter und Stadtverwaltung in die
Pflicht genommen hatte, wehrt sich nun die Stadt und weist mit dem
Finger auf Polizei und Veranstalter. Das Innenministerium wiederum
stellt sich vor die Polizei. Und der Veranstalter sagt erst einmal
gar nichts mehr. Das passiert, weil über allen Beteiligten weiter das
straf- und zivilrechtliche Damokle ...
Westdeutsche Zeitung: Der Wettbewerb auf dem Strommarkt funktioniert nicht =
Von Christoph Lumme Die Strompreise fallen - nur nicht für die
Verbraucher. Wenn RWE seinen Kunden eine Strompreiserhöhung von 7,3
Prozent zumutet, ist dies durch keine Ausrede zu rechtfertigen. Für
die Kunden bleibt nicht allein die Tatsache als solche ärgerlich, von
ihrem Anbieter ausgenommen zu werden. Empörend ist auch der Versuch
der Konzerne, diese Preispolitik schönzureden. Man muss keine höhere
Mathematik anwenden, um sowohl die diffusen Spiele mit öffentlich
un ...
Westdeutsche Zeitung: Der Dipl.-Ing. ist nichts als deutsche Akademikerfolklore =
von Olaf Steinacker Was ist wichtiger, Inhalt oder Verpackung?
Keine Frage, es kommt immer darauf an, was drinsteckt. Das ist auch
bei einem Studium der Ingenieurswissenschaften so. Inhaltlich macht
es für Studenten keinen Unterschied, ob sie sich nach fünf Jahren an
einer Hochschule Diplom-Ingenieur oder Master of Sience nennen
dürfen. Entscheidend ist die Zeit vor dem Abschluss. Das wissen auch
die neun Hochschulen, die jetzt den Diplom-Abschluss für Ingenieure
wiederbeleben wollen. Des ...
Westdeutsche Zeitung: Das Duisburger Trauerspiel =
von Frank Uferkamp Heute kommen in Duisburg viele tausend Menschen
zusammen, um der Opfer der Loveparade zu gedenken. Sie werden dies
tun in tiefer Anteilnahme mit den Hinterbliebenen der 21 Toten. Die
Besucher der Loveparade wollten vor einer Woche nichts anderes, als
an einem Sommertag zu ihrer Musik zu feiern und zu tanzen. Doch viele
Trauernde tragen auch Zorn, zumindest aber tiefes Unverständnis mit
sich: Niemand hat sich bislang der Verantwortung für die Katastrophe
gestellt. Juristisch wird d ...
Westdeutsche Zeitung: Kachelmann =
von Wolfgang Radau Mehr als 18 Wochen hat Jörg Kachelmann in
Untersuchungshaft zugebracht. Ob zu Recht oder zu Unrecht, das wird
demnächst vor dem Landgericht Mannheim verhandelt. Fest steht nur:
Als der Wettermoderator am 20. März festgenommen wurde, geschah dies
unter dringendem Tatverdacht. Anklage erhoben wurde wegen
hinreichenden Tatverdachts. Freigelassen wurde er gestern, weil kein
dringender Tatverdacht besteht. Es gibt viele Fragezeichen in diesem
Fall. Dass die Justiz bestätige ...
Westdeutsche Zeitung: Arbeit muss ihren Mann ernähren =
Von Lothar Leuschen Zwischen "Allheilmittel" und "Sklaventreiberei"
gibt es kaum eine Bezeichnung, die noch nicht auf Zeitarbeit
angewendet worden wäre. Nun, da diese Form des
Beschäftigungsverhältnisses weiter wächst, gehen Befürworter und vor
allem Gegner wieder in Stellung. Von Ausbeutung ist die Rede und vom
Anspruch, dass gleiche Arbeit auch gleichen Lohn nach sich ziehen
soll. Umso mehr lohnt sich ein ideologiefreier Blick auf die
Zeitarbeit. Wie fast alles h ...
Westdeutsche Zeitung: Duisburg =
von Wolfgang Radau Den Opfern von Duisburg - Toten, Verletzten,
Traumatisierten, Angehörigen - wird die Ansage nichts mehr nützen.
Aber der Vorstoß von Ministerpräsidentin Kraft, Großveranstaltungen
künftig in den Innenministerien prüfen und genehmigen zu lassen, ist
eine Investition in die Zukunft. Denn soviel ist schon heute klar:
Zumindest in Duisburg hat im Genehmigungsverfahren der Loveparade ein
Korrektiv gefehlt, das mit dem nötigen Abstand zu allen lokalen
Ei ...
Westdeutsche Zeitung: Loveparade =
von Frank Uferkamp Gestern erst, also rund 40 Stunden nach der
Katastrophe in seiner Stadt, kommt Adolf Sauerland, dem amtierenden
Oberbürgermeister von Duisburg, die Idee, über einen Rücktritt
nachzudenken. Die er aber kurz danach wieder verwirft. Dabei gibt es
für den Mann nichts mehr zu überlegen, er muss gehen. Nach dieser
Katastrophe in seiner Stadt mit 19 Toten ist dies die einzig mögliche
Konsequenz. Das gebietet der Anstand: Bevor die Staatsanwälte geklärt
haben ...
Westdeutsche Zeitung: 19 Tote fordern Antworten
Von Lothar Leuschen = Die Bilder werden nie verblassen. Duisburg ist
seit Samstag auf ewig mit einer der größten Katastrophen der
deutschen Nachkriegsgeschichte verbunden. 19 junge Menschen haben die
Loveparade nicht überlebt. Sie wurden zerquetscht, zu Tode
getrampelt, überrannt von anderen Menschen, die um Leib und Leben
fürchteten.
Die Frage nach dem Warum drängt sich auf. Die Frage danach, wer an
dem Unfassbaren Schuld trägt, und wer diese Schuld sühnt, zermartert ...
Westdeutsche Zeitung: Wehrbeauftragter nennt Ausrüstung der Soldaten "ein Drama" - Sicherheit hat Vorrang vor Normen
Von Wolfgang Radau Der mächtigste Feind der Bundeswehr, so scheint
es, ist die eigene Verwaltung. Sie sollen andere schützen, unsere
Soldaten, die nun seit acht Jahren in Afghanistan im Krieg sind. Aber
ihr eigener Schutz ist eher zweitrangig. Zu Recht beklagt der
Wehrbeauftragte Königshaus, dass in vielen Fällen deutsche Normen und
Vorschriften Vorrang vor vitalen Sicherheitsbedürfnissen haben. Und
das nicht erst unter Minister Guttenberg.
Es geht um die großen und die kleine ...
Westdeutsche Zeitung: Abschied aus dem Solidarsystem =
Von Wibke Busch Willkommen im Sommerloch 2010! Eins muss man
Marco Wanderwitz lassen: Der junge CDU-Politiker weiß, wie man in
nachrichtenarmer Zeit auf sich aufmerksam macht. Dabei ist die Idee,
dass Menschen, die gesundheitlichen Risikogruppen angehören oder
besondere gesundheitliche Risiken eingehen, mehr für ihre
Krankenversicherung zahlen sollen, nicht einmal neu. Sie wird aber
durch ständiges Wiederholen - sei es auch in Variationen - nicht
besser. Denn ihre Umsetzung ist schw ...
Westdeutsche Zeitung: Merkel und die Kakophonie =
Von Anja Clemens-Smicek Der letzte Tag vor Beginn des Sommerurlaubs ist
ein Tag der Vorfreude. Man fühlt sich euphorisch, die Arbeit geht
leicht von der Hand, und es schwingt fast schon ein wenig Bedauern
mit, die Kollegen längere Zeit nicht zu sehen. Diese Gefühle schien
gestern auch die Bundeskanzlerin verspürt zu haben, als sie gut
gelaunt und optimistisch vor die Presse trat. Dabei könnte Angela
Merkel keinen schlechteren Urlaubsstart erwischen: Die Umfragebilanz
der schwarz-gelben Ko ...
Westdeutsche Zeitung: Löw ist ein Glücksfall für den Fußball =
Von Wolfgang Radau Zehn Tage nach dem Ende der Weltmeisterschaft
in Südafrika ist die Fußballwelt, dieser nebensächliche und doch so
vitale Klein-Kosmos, wieder in Ordnung. Joachim Löw macht weiter als
Anführer der Jungschar, die sich den schönen und dennoch
erfolgreichen Fußball auf den Wimpel geschrieben hat. Wir freuen uns.
Das war vor der WM nicht die allgemeine Stimmungslage. Aber Löw hat
alle Zweifler eines Besseren belehrt. Konsequent hat er seine Linie
verfol ...
Westdeutsche Zeitung: NRW - Bettensteuer nach Kölner Modell =
Von Lothar Leuschen Mit seinem Vorschlag, eine Bettensteuer nach
Kölner Modell zu erheben, streut der neue NRW-Finanzminister
Walter-Borjans den Stadtkämmerern an Ruhr, Wupper und Niers Sand in
die Augen. Dabei ist es unwichtig, ob die Steuer tatsächlich ein
Bürokratiemonster wäre, wie es die neue Opposition behauptet. Und
auch der Steuerzahlerbund muss nicht Recht damit haben, dass die
Zusatzbelastung Touristen wirklich abhielte. Zumindest für jene aus
dem Ausland ist nur der W ...
Westdeutsche Zeitung: Der Rücktritt von Beusts =
von Lothar Leuschen Merz weg, Koch weg, Rüttgers weg und nun auch
Ole von Beust. Der CDU in Deutschland gehen die Köpfe aus. Während
Merz und Koch in erster Linie dem innerparteilichen Machtkampf mit
Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel zum Opfer gefallen sind,
sind es bei Rüttgers und von Beust in erster Linie landespolitische
Gründe, welche die Kapitäne von Bord gejagt haben. Rüttgers ist für
Schwarz-Gelb im Land und für Schwarz-Gelb im Bund schlicht abgew ...
Westdeutsche Zeitung: Gesundheit darf kein Luxusgut werden =
Von Lothar Leuschen Josef Schlarmanns Vorschlag ist sicher nicht
populär, und populistisch ist er schon gar nicht. Auf den ersten
Blick sieht die Idee des Vorsitzenden der
CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung so aus, als sollte der gesetzlich
Krankenversicherte weiter die Zeche bezahlen, die Pharmaverbände,
Lobbyisten, Krankenkassen, Ärzteschaft et cetera prellen. Und in der
Tat kommen in Schlarmanns Idee Einsparungen bei den üblichen
Verdächtigen mit keiner Silbe vor. Dennoch verdient se ...
Westdeutsche Zeitung: NRW - Die Feierlaune von Rot-Grün wird nicht lange anhalten =
von Martin Vogler Nach einem fünfjährigen schwarz-gelben
Intermezzo gibt im bevölkerungsreichsten Bundesland wieder die SPD
den Ton an. Keine Sensation. Denn vor Jürgen Rüttgers wurde NRW fast
vier Jahrzehnte lang von der SPD dominiert, also erleben wir eher
eine Rückkehr zum Normalzustand. Aber dennoch ist alles anderes. Aus
drei Gründen: 1. NRW wird weiblicher, weil mit Hannelore Kraft und
Sylvia Löhrmann künftig gleich zwei Frauen den Ton angeben. In einer
Ge ...
Westdeutsche Zeitung: NRW-Minderheitsregierung =
von Frank Uferkamp Heute ist es so weit: Hannelore Kraft wird zur
ersten Ministerpräsidentin in der Geschichte Nordrhein-Westfalens
gewählt werden. Das ist ein großer Tag für sie und ein großer Tag für
die SPD - schließlich wurde die CDU nach nur einer Legislaturperiode
wieder aus der Staatskanzlei vertrieben. Doch es ist fraglich, ob aus
der neuen rot-grünen Landesregierung wirklich etwas Dauerhaftes
erwächst. Denn sie hat keine eigene Mehrheit und ist auf Stimm ...
Westdeutsche Zeitung: Technische Mängel in ICE-Zügen =
von Wolfgang Radau "Alle reden vom Wetter. Wir nicht." Zugegeben -
auch in den 60er Jahren, als wir Fahrschüler täglich im Bahnhof
diesen Plakatspruch lasen, gab es Zugverspätungen, wenn im Winter die
Weichen zugeschneit waren. Aber das geschah äußerst selten. Heute
redet die Bahn andauernd vom Wetter. Im Herbst kommen die Züge nicht
von der Stelle, weil Laub auf den Schienen liegt. Im Winter fällt die
Elektrik aus, weil es zu kalt ist. Und nun, im Sommer, schmoren ...
Westdeutsche Zeitung: Das System Merkel gerät auch in der Union unter Beschuss - Der ungemütliche Sommer der Angela M.
Von Martin Vogler = Wenn Politiker eine Debatte herbeireden
möchten, greifen sie gerne zu einem fiesen Trick: Sie warnen
eindringlich exakt vor dieser Debatte. Funktioniert garantiert. Ob
CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrichs Mahnung, dass "das
Letzte, was wir jetzt brauchen können, eine Führungsdebatte" sei, von
ihm exakt so geplant war, mag gerne sein Geheimnis bleiben. Denn es
steht ohnehin fest: Pünktlich zum Beginn der Sommerpause des
Parlaments ist das Feuer auf das s ...
Westdeutsche Zeitung: Ein Urteil ist gefragt, nicht Vorurteile
Von Peter Kurz = Das Urteil fällen wir jetzt, den Prozess können
die Richter dann ja später führen. Diesen Eindruck konnte gewinnen,
wer in den vergangenen Monaten verfolgte, was da über den Fall
Kachelmann geschrieben und gesendet wurde. Da zeigte man nicht nur
die längst berühmt gewordenen Bilder des prominenten Beschuldigten im
Hof des Mannheimer Amtsgerichts. Man ließ sogar Psychologen
analysieren, ob das Lächeln Jörg Kachelmanns darauf echt oder nur
ge ...
Westdeutsche Zeitung: Nutzung des Internets =
von Lothar Leuschen Alles online, alles im Internet, alles
schneller und am besten noch, ohne die eigenen vier Wände verlassen
zu müssen. Das World-Wide-Web, die weltumspannende Datenautobahn,
gibt zumindest in den entwickelten Gesellschaften längst den
Lebensrhythmus vor. So zumindest hört es sich an, wenn die
Microsofts, Googles und Apples der Erde ihre großen, meist
inszenierten Auftritte haben. Noch moderner, noch einfacher,
bisweilen allerdings auch noch teurer soll sein, was & ...
Westdeutsche Zeitung: Karl-Josef Laumamm führt nun die CDU-Landtagsfraktion =
Von Frank Uferkamp Der Favorit hat sich durchgesetzt, aber nur
denkbar knapp: Karl-Josef Laumann hat zwar die Kampfkandidatur gegen
Armin Laschet um das Amt des CDU-Fraktionschefs gewonnen. Ein klarer
Vertrauensbeweis ist das nicht, zu knapp ist das Ergebnis. Von einem
Zeichen der Geschlossenheit zu reden, wie es Jürgen Rüttgers tat, ist
sehr vermessen. Und doch ist das Ergebnis höchst ehrlich und nicht
ehrenrührig. Zwei Monate nach der Niederlage bei der NRW-Landtagswahl
gibt es bei der N ...
Westdeutsche Zeitung: Koalition in NRW =
von Martin Vogler Schnell ging's. Nach nur zwei
Verhandlungswochen steht das Konzept, mit dem die rot-grüne
Minderheitsregierung NRW regieren will. Heute werden letzte Details
präsentiert. Auch wenn ihm beide Parteien am Wochenende noch
zustimmen müssen, steht fest: Das bevölkerungsreichste Bundesland
Deutschlands steht vor drastischen politischen Veränderungen. An
denen ist allerdings beim gründlichen Betrachten vor allem neu, dass
zwei Frauen in der Koalition den Ton angeben ...
Westdeutsche Zeitung: Deutschland, einig Fußball-Land =
Von Wolfgang Radau War das ein Wochenende! Ganz Deutschland sprach
über nur ein einziges Thema: Fußball. Millionen feierten im Freien -
fröhlich und friedlich. Drei Farben beherrschten das Bild - Schwarz,
Rot, Gold. Und das auch im übertragenen Sinne: Schwarz-Gelb war für
zwei herrliche Sommertage ebenso wenig ein Thema wie Rot-Grün.
Niemand wollte etwas von den quälenden politischen Streitereien der
vergangenen Wochen wissen - das war alles weit, weit weg. So weit,
wie Bu ...
Westdeutsche Zeitung: Höhere Krankenkassenbeiträge =
von Martin Vogler Zwölf Euro Mehrbelastung im Monat für einen
Gutverdiener. Weitere zwölf Euro muss der Arbeitgeber drauflegen. Das
schmerzt beide. Und kaum einer der 50 Millionen gesetzlich
Versicherten und deren Firmen werden verstehen, warum es zu diesem
Schritt kommen soll. Klar: Das Gesundheitssystem schreibt rote
Zahlen. Klar auch: Wenn niemand gegensteuert, ist es bald gar nicht
mehr finanzierbar. Doch deshalb fantasielos die Beiträge zu erhöhen,
zeugt von einer unglaublichen ...
Westdeutsche Zeitung: Schwarz-Gelb verpasst die Chance auf einen Neustart =
von Anja Clemens-Smicek In diesen Tagen reden alle von Mannschaftsspiel
und Teamgeist. Nicht nur bei der Fußball-WM in Südafrika, sondern
auch in der schwarz-gelben Koalition in Berlin. Doch im Gegensatz zur
deutschen Elf zeigt sich die Bundesregierung angeschlagen. Die
Hoffnung der Kanzlerin, mit der Präsidentenwahl Einigkeit zu
demonstrieren und der eigenen Gefolgschaft sowie den Bürgern ein
Aufbruchsignal zu geben, hat sich zerschlagen. Angela Merkels Macht
ist ein Stück weiter gebr&ou ...
Westdeutsche Zeitung: Bundespräsident =
von Martin Vogler Auch Gustav Heinemann und Roman Herzog
brauchten drei Wahlgänge. Und gaben respektable Präsidenten ab.
Insofern könnte das, was gestern in der Bundesversammlung geschah,
ein normaler demokratischer Vorgang sein. Ist es aber nicht. Denn
durch das unpassende Spektakel im Vorfeld und den daraus
resultierenden drei Wahlgängen ist das höchste Amt im Staat
beschädigt und Christian Wulffs künftiges Wirken belastet. Mindestens
vier Punkte sind gründlich schi ...
Westdeutsche Zeitung: Blatter reagiert auf skandalöse Schiedsrichter-Entscheidungen =
Von Christoph Fischer Der weltweite Druck muss massiv gewesen sein.
Sonst hätte der allmächtige Präsident des Weltfußballverbandes,
Joseph S. Blatter, nicht reagiert. Der beratungsresistente und
selbstverliebte Schweizer, der vor Monaten noch die harte
konservative Linie gegen jedes technische Hilfsmittel für
Schiedsrichter propagiert hat, lenkt nach den skandalösen
Fehlentscheidungen von Südafrika ein und verspricht Reformen. Das ist
für einen wie Blatter bemerkenswert. ...
Westdeutsche Zeitung: Datensammler machen die Menschen durchsichtig
Das Ende der Privatsphere
Von Lothar Leuschen = George Orwell hat Recht gehabt. Seine düstere
Fiktion 1984 wird Stück für Stück Wahrheit. Zwar schreibt noch kein
Großer Bruder vor, was die Menschen zu tun, zu denken oder zu fühlen
haben. Aber es dauert nicht mehr lange, dann weiß er jederzeit, was
die Menschen tun, denken oder fühlen. Mag sein, dass es bis zur
Orwellschen Prophezeiung noch ein gutes Stück ist. Doch viele
Anzeichen sprechen dafür, dass der Weg dorthin jeden Tag kür ...
Westdeutsche Zeitung: Das Urteil zur Sterbehilfe sollte ein neuer Denkanstoß sein - Mit einer Patientenverfügung vorsorgen
Von Peter Kurz = Ein Anwalt rät der Tochter einer 71-jährigen
Wachkomapatientin, den Schlauch zu deren Magensonde zu durchtrennen.
Die Tochter und der Anwalt werden freigesprochen. Sind jetzt alle
Dämme gebrochen? Kann nun niemand mehr darauf zählen, in hilflosem
Zustand jede erdenkliche ärztliche Hilfe zu bekommen? Ist seit
gestern gar die aktive Sterbehilfe erlaubt? Die Antwort auf alle drei
Fragen lautet nein. Und: Das Urteil des Bundesgerichtshofes ist
richtig. Denn in dem jetz ...
Westdeutsche Zeitung: In 15 Jahren nähert sich Deutschland der Vollbeschäftigung =
Von Martin Vogler Bereits in 15 Jahren sollen in Deutschland laut
einer seriösen Prognose nur noch 1,5 Millionen arbeitslos sein. In
Zeiten, in denen fast überall Angst vor Jobverlust grassiert, ist das
eine grandiose Nachricht. Vollbeschäftigung ist das zwar keine, doch
man wäre mit einer Arbeitslosenquote von deutlich unter vier Prozent
nahe dran. Denn eine echte Vollbeschäftigung gibt es, unter anderem
wegen Auszeiten beim Wechsel des Arbeitsplatzes, sowieso nirgends.
Eine Quote v ...
Westdeutsche Zeitung: Sicherungsverwahrung und Fußfessel =
von Peter Kurz Ein gefährlicher Sexualstraftäter kommt in
Freiheit. Die an seiner Wade befestigte elektronische Fußfessel soll
Alarm auslösen, wenn er sich einer Schule oder einem Spielplatz
nähert. Dieser Gesetzesplan klingt nach gefährlichem Spiel mit der
Sicherheit möglicher Opfer. Denn Fußfessel heißt auch: "auf freiem
Fuß". Keine Fußfessel und auch kein GPS-Ortungssystem kann
registrieren, wenn sich der Überwachte in der N&au ...
Westdeutsche Zeitung: Hoffnung auf ein Ende der Krise =
von Martin Vogler Die Stimmung in der Wirtschaft hellt sich
überraschend auf, und das Haushaltsdefizit wird deutlich niedriger
als befürchtet. Zwar sollten wir das hemmungslose Jubeln weiterhin
den hoffentlich erfolgreichen Fußballern überlassen, doch wir dürfen
angesichts der beiden aktuellen Nachrichten durchaus optimistisch
sein. Die Krise könnte klarer und schneller vorbei sein, als wir es
je dachten. Natürlich lässt sich an beiden Botschaften herummäkeln.
...
Westdeutsche Zeitung: Der Führerscheinentzug für Diebe schafft neues Unrecht =
von Lothar Leuschen Das ist keine gute Idee. Recht muss für alle
gleich sein. Und Recht soll Recht schaffen, nicht Unrecht. Genau das
aber geschieht, wenn Führerscheinentzug genutzt wird, um Kriminelle
zu bestrafen. Die Fahrerlaubnis muss auf Zeit eingezogen werden, wenn
ein Fahrer zu schnell, rücksichtslos oder betrunken fährt und
schweren Schaden anrichtet. Sonst nicht. Aus diesem Grund ist es auch
richtig, dass sich Nordrhein-Westfalen unter der amtierenden
schwarz-gelben Regierung weige ...
Westdeutsche Zeitung: NRW: Rückzug von Rüttgers =
Von Frank Uferkamp Jürgen Rüttgers will nicht mehr: Er stellt sich
nicht mehr im Landtag zur Wahl des Ministerpräsidenten, er will nicht
Oppositionsführer sein, er will nicht mehr im Rampenlicht stehen. Das
ist sehr viel Verweigerung für einen Mann, der noch am vergangenen
Mittwoch Chef einer schwarz-gelben Minderheitsregierung sein und sich
für seine Projekte Mehrheiten im Parlament suchen wollte. Schon am
Wahlabend hatte sein Abtauchen für Verwunderung gesorgt, nun ist es
wi ...
Westdeutsche Zeitung: Ohne Linkspartei funktioniert die Minderheitsregierung nicht
Achillesferse statt Ypsilanti-Falle
Von Martin Vogler = Hannelore Kraft ist unerwartet schnell
eingeknickt. Wobei ihr die Version, eine Interview-Äußerung von
FDP-Chef Andreas Pinkwart habe sie zum Handeln getrieben, kaum jemand
abnimmt. Ihre Motive sind anders: Sie will an die Macht - was ja in
der Politik nicht ehrenrührig ist. Zudem hielt sie dem wachsenden
Druck nicht mehr stand. Die Grünen lockten. Und ständig mehr
SPD-Parteifreunde drängten sie, eine Minderheitsregierung zu wagen.
Vor allem Berliner Sozialde ...
Westdeutsche Zeitung: Mixa tut seiner Kirche nicht gut
Von Lothar Leuschen = Die katholische Kirche in Deutschland kommt
nicht zur Ruhe. Missbrauchsfälle, alte und uralte, bewiesene und
unbewiesene, tatsächliche und erfundene, haben schweren Schaden
angerichtet. Die Kirche und alle Gläubigen leiden. Und just als
seriöse Krisenmanager die Oberhand zu gewinnen schienen, kehrt einer
in die Öffentlichkeit zurück, den die Kirche schon überstanden zu
haben glaubte: Walter Mixa will seine Arbeit in der Kirche
fortsetzen. Darüber wi ...
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