Der schwierige Übergang in den Ruhestand
Wer den Arbeitsprozess verlässt und in den Ruhestand eintritt, durchläuft regelmäßig verschiedene Lebensphasen, die durch unterschiedliche Emotionen geprägt sind. Doch nicht jeder Mensch erlebt diese Phasen mit denselben Gefühlen und in derselben Intensität.
Bereits Robert Atchley (Gerontologieprofessor aus Colorado) hatte in den siebziger Jahren eine Gesetzmäßigkeit für die Übergangsphase vom Beruf in den Ruhestand nachweisen können. Diese Übergangszeit beschreibt er in der „Soziologie des Ruhestandes“ und teilt sie in sieben Phasen an, die von unterschiedlicher Intensität geprägt sein können:
1. Die Fernphase – fern ab vom Ruhestand sieht man der Zukunft noch mit positiven Gefühlen entgegen. Die Zeit nach der Berufstätigkeit gleicht einer Woche mit sieben freien Tagen.
2. Die Nähezeit – kurz vor Ende der Erwerbstätigkeit setzt sich der Betroffene mehr und mehr mit den materiellen und körperlichen Veränderungen auseinander, die auf ihn zukommen.
3. Die Euphoriephase – der Ruhestand ist erreicht und es kommt ein Hochgefühl auf. Die Zeit wird für Aufgeschobenes genutzt und es kann zum Freizeitstress mit Zeitnot kommen.
4. Die Ernüchterungsphase – der Ruheständler stößt an seine physischen und finanziellen Grenzen. Auf die Vielzahl von Rollen- und Werteveränderungen ist er nicht vorbereitet.
5. Die Reorientierungsphase – ist eine Zeit der Um-/Neubewertung. Die fehlende Planung wird nachgeholt, eine neue Identität wird entwickelt und der Wertekompass neu ausgerichtet.
6. Die Stabilitätsphase – mit der Neustrukturierung von Alltagsprozessen und Abläufen werden neue Handlungsmuster entwickelt. Der Ruheständler kann mit seinen Defiziten gut umgehen.
7. Die Endphase – auf Grund körperlicher und vitaler Einschränkungen (Hilfs- und Pflegebe-dürftigkeit) fällt es dem Ruheständler schwerer, neu erlernte Kompetenzen umzusetzen.
In der Praxis werden häufig zwei Übergangsextreme beobachtet. Den einen Pol bilden Mitarbeiter, die im Laufe ihrer Berufszeit wenig aktiv am Aufbau ihrer Karriere gearbeitet haben und sich zum Ende des Berufslebens wegen mangelnder Motivation den Ruhestand als glückselige Zeit herbei sehnen. Auf der anderen Seite beobachtet man vielfach in leitenden Positionen stehende Angestellte, die ihre Karriere gern noch fortsetzen würden und zum Berufsausstieg nicht loslassen wollen oder können.
Der erste Ruhestandstyp befindet sich zum Austritt aus der Berufstätigkeit oft im Zustand der „inneren Kündigung“ und damit in einer emotional negativen Beziehung hinsichtlich seines Berufs. Für ihn beginnt kurz vor oder nach der Entberuflichung die Zeit der grenzenlosen Freiheit und der Träume von einer Zeit des permanenten Urlaubs und der Unabhängigkeit. Er holt alles nach, was er auf Grund der Berufszwänge bisher nicht erledigen konnte und verfällt in den blinden Aktionismus, nun alles auf einmal machen zu können bzw. zu müssen. Doch nach einer Zeit der Euphorie gehen ihm die Vorhaben aus oder es bleibt nur Tristesse, weil es keine nachhaltigen Lebensplanungen gibt. Vorgaben für eigenverantwortliches Handeln fehlen, die Struktur des Tages ist völlig zerschlagen und es gibt keine wirklichen Ziele mehr, die zu erreichen sinnvoll wären. Es beginnt eine Zeit der Desorientierung, die er oftmals nicht ohne fremde Hilfe verlassen kann. Entweder bekommt er den entscheidenden Impuls aus seinem Umfeld und motiviert sich neu oder er fällt in ein tiefes Loch. Ohne psychologische Hilfe kann nun eine Phase anbrechen, in der er in eine Depression mehr oder weniger ausgeprägten Ausmaßes fällt. Gelingt es ihm, Visionen zu entwickeln und sich selbst neu zu definieren, steht einem erfüllten und sinnvoll verbrachten Ruhestand aber nichts entgegen.
Der zweite Ruhestandstyp ist meist mit seinem Unternehmen verheiratet. Er identifiziert sich seit mehreren Jahrzehnten mit seinem Beruf und der damit verbundenen sozialen Stellung. Bis zum letzten Moment (und manchmal auch darüber hinaus) engagiert er sich für seinen Beruf, ohne auch nur einen wesentliche Gedanken an den immer näher kommenden Ruhestand zu verschwenden. Plötzlich ist er da – und alle Werte, Rollen und die eigene Identität gehen von einem Tag auf den anderen verloren. Doch er kann (noch) nicht loslassen. Ohne das gewohnte Umfeld, seine Stellung und Machtinsignien fällt er in ein tiefes Loch, das ihn am Lebenssinn zweifeln lässt. Manchmal aus eigener Kraft, oftmals jedoch mit psychologischer Hilfe, gelingt ihm der Schritt hin zu einer persönlichen Neuorientierung. Das kann gleichzeitig auch der Beginn einer durchgängigen Neustrukturierung sein. Auf Grund seiner Intelligenz und seiner Erfahrungen als Führungskraft kann er sich nach einer „Anschubmotivierung“ in der Welt der neuen Werte und Rollen zurecht finden und jetzt seine individuellen Pläne entwickeln und umsetzen. Es beginnt eine Zeit des Hochgefühls und der Lebenszweck wird neu definiert. Abhängig vom Persönlichkeitstyp kann es allerdings auch zu einer depressiven Entwicklung kommen, die einer ärztlichen Betreuung bedarf.
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... das ist Wolfgang Schiele, Coach für Menschen vor und im Veränderungsprozess zwischen Beruf und Ruhestand.
Experte für (Vor)Ruhestandstraining, Workshops, Seminare und Vorträge zum Thema Ruhestandseintritt mit den Schwerpunkten "Späte Freiheit", Gesundheitsmodell im Alter(n), Lebenslanges Lernen, existenzielles Coaching.
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Datum: 05.07.2015 - 15:03 Uhr
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Persönlichkeit und Beruf
Art der Fachartikel: Erfolgsprojekt
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Freigabedatum: 05.07.2015
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