Börsen-Zeitung: Die bekannte Unbekannte, Kommentar zur US-Notenbank von Sebastian Schmid

Börsen-Zeitung: Die bekannte Unbekannte, Kommentar zur US-Notenbank von Sebastian Schmid

ID: 1001757
(ots) - Wenn alles nach Plan gelaufen ist, wurde Janet
Yellen in der Nacht von Montag auf den heutigen Dienstag vom Senat
als Nachfolgerin von Fed-Chairman Ben Bernanke bestätigt. Als
langjährige Vize-Chefin der US-Notenbank, die den Kurs des lockeren
Geldes stets mitgetragen hat, gilt Yellen eher als Taube denn als
Falke unter den Notenbankern. Insofern hatten sich viele an der Wall
Street bei der Bekanntgabe ihrer Nominierung im Herbst bereits auf
eine Fortsetzung des Fed-Anleihekaufprogramms eingestellt, das die
Märkte über ein Jahr mit monatlich 85 Mrd. Dollar an Liquidität
versorgt hatte.

Mit der letzten Zinssitzung des abgelaufenen Jahres ist Yellen
indes plötzlich von der Bekannten zur bekannten Unbekannten mutiert.
Weitgehend überraschend verkündete der Offenmarktausschuss eine
Reduzierung des Anleihekaufprogramms um 10 Mrd. Dollar monatlich. Die
Entscheidung wurde zwar noch unter dem Vorsitz Bernankes gefällt,
dürfte aber keinesfalls konträr zu den Überzeugungen der designierten
Chefin gefällt worden sein. Ein solcher Affront gegen die unter
Kollegen hoch angesehene 67-Jährige ist nicht vorstellbar.

Allerdings kann es sogar gut sein, dass Yellen selbst größtes
Interesse daran hatte, mit der Drosselung von "Quantitative Easing 3"
früher als zuletzt erwartet zu beginnen. Die Mehrheit der
Marktteilnehmer glaubt Yellen als Taube zu kennen und hat deshalb
bereits das Anleihekaufprogramm und die Niedrigzinsen weiter in die
Zukunft fortgeschrieben. Mit der Drosselung signalisiert Yellen
diesen nun, dass eine derartige Erwartung fehlgeleitet sein könnte.

Einerseits erhöht dies zwar die Unsicherheit, was Yellens nächste
Schritte sein werden - denn zu einem Falken macht sie ein
mitgetragener Drosselungsschritt noch längst nicht. Andererseits ist
gerade diese Unsicherheit nötig, wenn die Fed-Chefin handlungsfähig


ins Amt starten will. Schließlich muss sie die Geldpolitik an die
Entwicklung anpassen können, ohne die Marktteilnehmer bei einer
Straffung gleich auf dem falschen Fuß zu erwischen.

Eine Fortsetzung der Anleihekäufe in unvermindertem Umfang hätte
zudem die Bedeutung ihrer ersten Fed-Sitzung weiter erhöht. Wäre dort
eine Drosselung beschlossen worden, wäre es als Abkehr von Bernankes
Kurs gewertet worden. Eine Fortsetzung hätte indes nur bestätigt,
dass Yellen die erwartete Taube ist. Eine eigene Reputation als
Notenbankchefin aufzubauen, braucht Zeit. Als bekannte Unbekannte
dürfte sie davon nun wesentlich mehr haben.



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Datum: 06.01.2014 - 20:55 Uhr
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