Aachener Nachrichten: Bequem? Von wegen!/Gauck fordert ein Ende der deutschen Zurückhaltung/Von Marco Rose
ID: 1013334
Gemütlich, ja faul wärmt er sich die Füße am heimischen Herd, während
Amerikaner, Franzosen und Briten in aller Welt für unsere Sicherheit
sorgen. Dieses Bild kennt man zur Genüge. Immer wieder wird die
pazifistische Grundhaltung weiter Bevölkerungskreise als bloße
Bequemlichkeit diffamiert - von jenen, die sich ein stärkeres
Engagement der Bundesrepublik in den globalen Krisenherden wünschen.
Neu ist, dass ein Bundespräsident mit so deutlichen Worten für die
Mobilisierung Deutschlands trommelt: Die deutsche Zurückhaltung müsse
ein Ende haben, sagte Joachim Gauck gestern zum Auftakt der Münchener
Sicherheitskonferenz. Er forderte einen "Mentalitätswechsel" und
sprach wörtlich von "Weltabgewandtheit und Bequemlichkeit".
Worauf sich das Land in den kommenden Jahren einstellen müsse,
hatte zuvor bereits Bundesverteidigungsministerin Ursula von der
Leyen skizziert: deutlich mehr Bundeswehreinsätze im Ausland, auch
und gerade auf dem afrikanischen Kontinent.
In einem Punkt haben beide Recht: Deutschland kann sicher nicht
auf Dauer eine Insel der Glückseligen bleiben, wenn außerhalb Europas
Armut und Chaos herrschen. Und ja, Deutschland und Europa brauchen
endlich eine abgestimmte Afrika-Strategie. Wenn nicht aus humanitären
Gründen, dann zumindest aus reinem Eigennutz: Damit sich nicht noch
gigantischere Flüchtlingsströme anschicken, die "Festung Europa" zu
stürmen.
Aber diese Strategie kann keine militärische sein. Sie muss vor
allem darauf ausgerichtet sein, den wirtschaftlich am Boden liegenden
Staaten Afrikas wieder auf die Beine zu helfen - mit Know-how, Geld
und vielerlei Kooperationen. Dies ist die einzige Lösung, die dem
noch immer von Kolonialismus und Ausbeutung gezeichneten Kontinent
tatsächlich auf Dauer nützt.
Doch um ehrliche Hilfe geht es den westlichen Industriemächten in
der Regel gar nicht. Frankreich etwa verfolgt in Afrika massive
wirtschaftliche Eigeninteressen. Die französische Stromversorgung
hängt stark von Uranimporten aus den zentralafrikanischen
Krisengebieten ab. Auch die in Afrika geförderten "Seltenen Erden"
sind für die westliche Industrieproduktion von größtem Interesse. Ein
Schelm, wer Böses dabei denkt! Der Zusammenhang zwischen Öl und dem
US-Engagement im Nahen Osten bedarf ohnehin keiner weiteren Worte.
Eines haben alle Kriege und Interventionen der vergangenen Jahre
gemein: Sie haben die Welt kein Stück sicherer gemacht. Im Gegenteil.
Die US-amerikanische Kriegspolitik treibt immer mehr junge Menschen
in Afrika, Asien und dem Nahen Osten in die Arme von Terroristen. Sie
hat eine ganze Generation radikalisiert. Was fällt dem
Bundespräsidenten zu dem Thema ein? Er geißelt die angebliche
deutsche Bequemlichkeit, will den Neokolonialisten künftig ein "guter
Partner sein". Es wäre wohl zu viel verlangt gewesen, das
Staatsoberhaupt hätte den Blick stattdessen einmal auf die
fragwürdigen deutschen Waffenexporte gerichtet. Dass auf aller Welt
Menschen durch Technik "made in Germany" sterben, ist schließlich
nicht unser Problem? Von wegen, Herr Präsident! Hier ist es die
Politik, die es sich ziemlich bequem macht
Pressekontakt:
Aachener Nachrichten
Redaktion Aachener Nachrichten
Telefon: 0241 5101-388
an-blattmacher@zeitungsverlag-aachen.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 31.01.2014 - 16:53 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1013334
Anzahl Zeichen: 3727
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Aachen
Kategorie:
Außenhandel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 363 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Aachener Nachrichten: Bequem? Von wegen!/Gauck fordert ein Ende der deutschen Zurückhaltung/Von Marco Rose"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Aachener Nachrichten (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Es ist schon fast 20 Jahre her, dass ein geschätzter Kollege einer großen deutschen Wochenzeitung den Begriff "Demokratur, putinesisch" geprägt hat. Damals steckte der Namensgeber, Russlands Präsident Wladimir Putin, mitten in seiner ersten Amtszeit. Inzwischen sind daraus - nach einer
Kommentar zum Brexit: Frieden, Sicherheit und Wohlstand Von Christian Rein ...
Es gibt Bilder, die brennen sich tief ein in das kollektive Gedächtnis, weil sie eine viel größere Bedeutung haben als das Ereignis selbst, das sie zeigen. Etwa als sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand 1984 auf einem deutschen Soldatenfriedhof in
Aachener Nachrichten: Kommentar zu 30 Jahre Mauerfall: Nicht mehr geteilt, aber zerrissen Von Christian Rein ...
Ungläubiges Staunen, ungezügelte Euphorie, tiefe Rührung - der Mauerfall am 9. November 1989 hat die Menschen in Deutschland mit einer emotionalen Wucht getroffen wie kaum ein zweites Ereignis in der Geschichte des Landes. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, sangen und feierten gemei
Weitere Mitteilungen von Aachener Nachrichten
Plenartagung des Europäischen Parlaments / 3. bis 6. Februar 2014 - Die Schwerpunkte ...
Abwicklungsmechanismus für Pleite-Banken, Fluggastrechte, Urheberrechte von Online-Musik, EU-Klimaschutzpolitik bis 2030, Saison-Arbeit, Ägypten, Syrien, Ukraine, Präsident Napolitano in Straßburg, u.v.m. Das Europäische Parlament wird in der kommenden Woche vermutlich über seine Positio
ZDF-Politbarometer Januar II 2014 / Bestwerte bei wirtschaftlicher Lage / Deutsch-amerikanisches Verhältnis stark abgekühlt (FOTO) ...
Sowohl die Beurteilung der allgemeinen als auch der persönlichen wirtschaftlichen Situation ist Anfang 2014 auf Rekordniveau. Bereits im Vorjahr im Aufwärtstrend, fällt der Anteil der Befragten, die von einer guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland sprechen, nach einem Allzeithoch zu Ja
LVZ: Differenzenüber Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan und in Afrika innerhalb der Koalition und der Bundesregierung ...
Nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung" (Freitag-Ausgabe) gibt es innerhalb der Bundesregierung Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft der Bundeswehrarbeit in Afghanistan. Dabei geht es um einen Ausbau der zivilen Hilfen für Afghanistan als auch um Forderungen nach einer
LVZ: Mißfelder: "Ukraine-Konflikt lässt sich nicht gegen sondern nur mit Russland lösen" / Ukraine als zentrales Thema auf der Münchner Sicherheitskonferenz ...
Die friedliche Konfliktlösung in der Ukraine unter Einbeziehung Russlands muss, nach Meinung des außenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Philipp Mißfelder, im Mittelpunkt der heute in München beginnenden 50. Sicherheitskonferenz stehen. Gegenüber der "Leipziger Volkszeitung"




