"Report Mainz", heute, 4.2.2014, um 21.45 Uhr im Ersten
ID: 1014584
Kahlschlag im Buchenwald / Bundesländer machen Wälder zu Geld
Mainz. Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" wird
Deutschland sein Ziel verfehlen, mindestens fünf Prozent der Wälder
bis 2020 zu unberührten Urwäldern umzuwandeln. Die Bundesregierung
hatte sich 2007 im Rahmen des UN-Übereinkommens über die biologische
Vielfalt international verpflichtet, mehr für den Waldschutz zu tun.
In öffentlichen Wäldern sollen es sogar zehn Prozent sein. "Report
Mainz" beruft sich auf eine bislang weitgehend unbekannte Studie des
Bundesamtes für Naturschutz. Danach wird Deutschland nicht einmal die
Hälfte des angestrebten Wertes erreichen. Bislang sind es nur 1,9
Prozent.
Prof. Dr. Manfred Niekisch, Mitglied des Sachverständigenrats für
Umweltfragen der Bundesregierung, sieht als Verantwortliche die
Bundesländer. Statt die alten Waldbestände zu schützen, würden sie zu
Geld gemacht: "Wir stellen in einigen Bundesländern eine erhebliche
Zunahme der Intensivnutzung der kommerziellen Nutzung fest und das
ist für die Artenvielfalt ein sehr großes Problem, denn 14
Vogelarten, 205 Pflanzenarten und 1284 Pilzarten sind in den
deutschen Wäldern gefährdet."
Nach Informationen von "Report Mainz" werden uralte Buchen unter
anderem nach China exportiert. Dabei gelten insbesondere alte Buchen
ökologisch als besonders wertvoll. "Report Mainz" ist in Bayern den
Hinweisen von Naturschützern nachgegangen. Die Filmaufnahmen zeigen,
wie radikal Buchenwälder in Schutzgebieten abgeholzt werden und das
Holz tonnenweise nach China verladen wird. Auch die Waldexpertin von
Greenpeace, Gesche Jürgens, äußert sich über die Vorgehensweise der
Bundesländer kritisch: "Insbesondere die alten Buchen werden stark
eingeschlagen. Wir haben die Befürchtung, dass dadurch der
ökologische Wert gerade der alten Buchenwälder stark verringert wird.
Von diesen Wäldern gibt es in Deutschland nur ganz wenige, daher wäre
der Schaden besonders groß. Deutschland kann nicht von anderen
Ländern die Erhaltung des Regenwaldes verlangen, wenn es nicht bereit
ist, eigene Ökosysteme zu schützen. Das ist scheinheilig."
Daten, wie sich die Bestände der alten Bäume in den einzelnen
öffentlichen Forstbetrieben entwickelt haben, wollte Bayern nicht
herausgeben und beruft sich auf "Betriebsgeheimnisse".
Weitere Informationen unter SWR.de/report. Zitate gegen
Quellenangabe "Report Mainz" frei. Fragen bitte an "Report Mainz",
Tel. 06131/929-33351.
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Datum: 04.02.2014 - 13:35 Uhr
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