Deutsche Bildungsmisere: Pädagogin teilt aus / Guerilla-Tipps für Schüler statt aufgesetztem PISA-Jammer
ID: 1015921
Bildungssystem steckt in der Krise. Das Abitur nach acht Jahren
Gymnasium verschärft diese Lage noch, sagt die Aachener
Oberstudienrätin Doro May. In ihrem neuen Buch "Gibt es ein Leben vor
dem Abi?" verrät die erfahrene Lehrerin auch illegale Guerilla-Tricks
von Schülern für Schüler. Pfuschen als Ausweg aus dem G8-Dilemma? Mit
dieser Frage sollen sich die Kultusministerien und Schulbehörden
beschäftigen, fordert die langjährige Lehrerin. Auch sei eine
kritische Prüfung der Lehrpläne auf die Ansprüche der beruflichen
Zukunft in der heutigen Welt nötig. Neben ihrer Bestandsaufnahme gibt
Doro May aber auch legale Tipps, die als Chance gegen die
Leistungsfalle G8 genutzt werden können. Der Leistungsdruck durch zu
viele Unterrichtsfächer und lange Schultage bringt Schüler nicht
selten zum Kollaps: "Das Gymnasium spiegelt mit einer oft mehr als
40-Stundenwoche unsere Leistungsgesellschaft wider - für Schüler,
wohlgemerkt. Und denen erschließt sich meist nicht der Sinn dessen,
was sie da stupide abspeichern sollen. Das gestopfte Wissen bleibt
nur bis zur nächsten Klausur haften, Hausaufgaben sind nicht zu
schaffen: Zu müde, Lustlosigkeit, Burn Out. Früher war das eine
Managerkrankheit", sagt die Lehrerin.
Auch die Lehrerkollegen sprühen spätestens ab der 8. Stunde nicht
mehr vor Enthusiasmus. "Vor allem die jungen Lehrer/innen, denen noch
Erfahrung und Routine fehlen, sind oft am Ende ihrer Kräfte. Das
verschärft die Lage zusätzlich", so May. Das gerne kolportierte Bild
des faulen Schülers sei an der Realität vorbei - zumindest am
Gymnasium: "Zahlreiche Kinder stehen heute unter dem Druck, auf jeden
Fall das Abitur haben zu müssen. Hohe NC-Beschränkungen machen das
Wunschstudium zur Herausforderung. Dazu kommt, dass man im Grunde am
Gymnasium immer noch stillschweigend vom funktionierenden Schüler
ausgeht. Dabei müssen die Kinder und Jugendlichen oft viel
wegstecken, weil eben nicht jede Patchwork-Familie lustig ist und sie
es auch nicht unbedingt toll finden, dass Mutter Nummer 2 mit den
neuen Halbgeschwistern zu Vater Nummer 3 zieht - und zwar weit weg."
"Das Schulwesen mit seinem Zuviel bedarf einer dringenden
Überholung und Anpassung an die Kinder und heutigen Herausforderungen
im Leben und an den Universitäten. Weniger Unterrichtsfächer zur
gleichen Zeit und damit ein höheres Niveau sollte die Devise sein.
Dazu Unterricht mit motivierten Lehrern, die in kleineren Klassen und
mit weniger Pflichtstunden ihre Schüler und Schülerinnen kennenlernen
können, wäre schon mal ein Anfang", sagt Doro May. Neben ihrer
reduzierten Stelle an einem Aachener Gymnasium hat die Autorin in
ihrer anderen Berufshälfte in den vergangenen Jahren zehn Bücher
veröffentlicht. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Schulsystem
liegt ihr besonders am Herzen, um die Erfahrungen der letzten Jahre
weiterzugeben. Nach 15 Erfolgsjahren beendete Doro May auch die
Tätigkeit als Initiatorin und Regisseurin des renommierten
Schul-Kabaretts "Zeitgeist" - denn "wann sollen die Jugendlichen so
etwas noch schaffen?", fragt die Lehrerin.
Weitere Informationen:
www.doromay.de
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Datum: 06.02.2014 - 14:15 Uhr
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