Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Eidgenossen begrenzen die Zuwanderung
Schweizer Sonderlinge
THOMAS SEIM
ID: 1016860
Ulrich Hoeneß vermutlich noch eher. Für Klaus Zumwinkel hätte es
womöglich ebenso Asyl gegeben wie für den Berliner
Kulturstaatssekretär André Schmitz. Für den wohlhabenden Staatsbürger
gleich welcher Nation hatten die Schweizer Eidgenossen seit je Platz.
Es lockte der geldwerte Vorteil, der sich für sie aus der Offenheit
fürs Fremde ergeben könnte. Doch auf ihren Sonderstatus als
weitgehend bündnisfreies Land, das auf sich bezogen ist und bleibt
und mit jedem und allem fremdelt, das oder der nicht aus eigenen
Kantonen stammt, haben die Schweizer stets größten Wert gelegt. Man
ist ein wenig erschüttert über den unerschütterlichen Glauben der
Eidgenossen, dass sie sich vor der globalen Welt und internationalen
Finanzarchitektur verschließen können. Einst waren es 25 Schweizer,
die sich der Welt durch die Gründung des "Internationalen Roten
Kreuzes" öffneten, mehr noch: die Beispiel gaben für eine sinnvolle
Solidarität der Menschen. Das ist vorbei. Die Schweizer Sonderlinge
haben ihre Vorbild-Rolle verloren. Nicht erst mit der Beihilfe zur
Steuerhinterziehung, die sie jahrelang leisteten und für die sie
nicht nur mit Ansehensverlust bezahlen müssen. Auch die
Hilfsbereitschaft der Rotkreuzbewegung scheint den Eidgenossen fremd
zu werden. Schade, denn es ist ein sehr schönes, attraktives
Alpenland mit wunderbaren, international aufgeschlossenen Menschen.
Dass diese Menschen keine Mehrheit gegen das fremdenfeindliche
Treiben ihrer Landsleute fanden, ist bitter. Leicht allerdings wird
für die Schweiz nun nichts. Die Freizügigkeit, die sie anderen,
insbesondere EU-Bürgern nimmt, wird sie für ihre eigenen Bürger in
anderen Ländern kaum retten können. Noch sind keine neuen
Verhandlungen über Reise- und Niederlassungsfreiheiten geführt. Für
ein Land, das seinen Wohlstand auf den Austausch mit der Welt
gründet, wäre ohne Fremdenfeindlichkeit sicher mehr drin gewesen.
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Datum: 09.02.2014 - 20:55 Uhr
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