Neue OZ: Kommentar zu Russland / Menschenrechte / Olympia / Sotschi
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Sich festnehmen zu lassen gehört zum Kanon von Protest-Aktivisten.
Es schafft hohe Aufmerksamkeit, legitimiert zumindest scheinbar das
eigene Ansinnen und entlarvt zugleich den Staat als repressiv und
herzlos. In einschlägigen Leitfäden wird daher sogar empfohlen, so
lange zu provozieren, bis der Gang aufs Revier folgt, was in Russland
freilich mit größeren Risiken verbunden ist als im westlichen Europa.
Ob die Festnahmen in Sotschi nun Kalkül waren oder nicht, der
beschriebene Effekt trat ein, inklusive Werbeeffekt für das neue
Video. Seit die Pussy-Riot-Vertreterinnen nach ihrer Kirchen-Aktion
unlängst begnadigt worden waren, war es stiller um sie und ihren
Protest gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin geworden. Nun
führte die kurzzeitige Festnahme im Olympia-Ort am Schwarzen Meer
dazu, sich wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit zu finden. Nachdem
eine entsprechende Resonanz an den Tagen zuvor noch nicht erfolgte,
beförderten diesmal Anrufe bei der Presse und Twitter-Infos die
Verbreitung der Nachricht.
Dass in Russland manches im Argen liegt, ist bekannt und
unbestritten. Dass die Olympischen Spiele aber nicht nur dem Kreml
eine Bühne zur Propaganda bieten, sondern auch seinen Gegnern großes
internationales Echo verheißen, liegt ebenso auf der Hand. Zufällig
haben die Pussy-Punker ihr neues Video dort jedenfalls nicht gedreht.
Und die Polizei war so dumm und nahm sie fest.
Burkhard Ewert
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Datum: 18.02.2014 - 22:00 Uhr
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