Soft Skills für die Scientists
Was Wissen schafft, kann keiner sagen. So oder so ähnlich klingen nicht selten (Vor)-Urteile über das, was in und um die sprichwörtlichen Elfenbeintürme herum passiert. Diese Tempel der Wissenschaft scheinen hermetisch abgeriegelt, nicht unbedingt, was verständlichen Wissenstransfer, sehr wohl aber was zwischenmenschliche Kommunikation angeht. Da, so sind sich einige sicher, handelt es sich beim Thema Wissenschaftler und Soft Skills wie eben Konfliktfähigkeit, Kommunikationsbereitschaft oder auch Teamfähigkeit, um eine semipermeable, also um eine halbdurchlässige Membran, die sich um die Hallen der Weisheit schlingt. Wissen kommt durch, alles andere an Kommunikation bleibt stecken
Da mag sich der oder die eine oder andere an Franz Kafka und seine Erzählung Ein Bericht für eine Akademie erinnert fühlen, wo der Affe Rotpeter gezwungenermaßen zum Mensch wird, um in seiner Gefangenschaft unbehelligt zu bleiben. Nur eines lernt er nie: Wie und warum man Schnaps trinkt. Anders gesagt, vermuten viele, dass gerade Wissenschaftler sich beim Thema Schlüsselkompetenzen so vorkommen, als müssten sie sich ihrerseits zum Affen machen, um gerade im Bereich Leadership punkten und landen zu können. Für Nicht-Wissenschaftler aber sind Soft Skills doch so selbstverständlich wie Schnaps trinken - vor allem in den Führungsetagen. Das zumindest denken viele.
Das Defizit an Konfliktfähigkeit, Kommunikationsbereitschaft oder auch Teamfähigkeit alleine aber den Wissenschaftlern in die Schuhe zu schieben oder gar zu behaupten, dass sie diese Schlüsselkompetenzen doch gar nicht bräuchten (sondern eher Führungskräfte in "normalen" Unternehmen), scheint mir etwas "affig". Denn - um nochmals auf Kafka und seinen Affen Rotpeter zu kommen - keiner erklärte dem Primaten, dass Schnaps trinken nicht ein unbedingter Bestandteil der Menschwerdung ist. Hätte ihn jemand geschult, hätte sich der Affe die Tortur des Schnapstrinkens erspart und wäre womöglich viel lieber ein Mensch geworden.
Soft Skills, harte Männer und wirre Wissenschaftler
Würden Wissenschaftler also tatsächlich so große Probleme damit haben, miteinander zu kommunizieren, sich zuzuhören und auch Kritik zuzulassen, dann wäre es auf der diesjährigen BIO Deutschland, dem CEO-/CFO-Meeting des Branchenverbandes der Biotechnologie, wohl ziemlich still zugegangen. Tatsächlich aber meldete sich die Life-Science-Branche zu Wort, auch um den Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD im Augenschein besserer Rahmenbedingungen für forschende Unternehmen bzw. auch einen stärkeren Impuls für die industrielle Biotechnologie betrachten zu können.
Ebenso standen Reizthemen wie grüne Gentechnik oder auch die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE) auf dem Programm. Alles in allem, so sollte man meinen, muss eine Schlüsselindustrie wie die Biotechnologie, Schlüsselkompetenzen wie Konfliktfähigkeit, Kommunikationsbereitschaft oder auch Teamfähigkeit fördern. In jedem Fall schaffen deren Geschäftsführer und Finanzchefs es, sich seit 15 Jahren regelmäßig zu treffen und sich auszutauschen.
Bei der Frage (oder Forderung) von mehr Soft Skills für Wissenschaftler geht es also wohl eher nicht um jene, die zu viel forschen und dabei das Zwischenmenschliche vergessen. Aber gerade im Einklang mit den Themen, die auf der BIO Deutschland aufkamen und auch in anderen wegweisenden Wissenschaftsdisziplinen (Industrie 4.0, Heimautomation, App-Entwicklung) wichtig sind, muss es darum gehen, Wissenschaftler aller Bereiche nachhaltig mit Soft Skills "auszustatten." Betrachtet man nämlich die zahlreichen Startups, die sich fast täglich bilden und hinter denen nicht selten geniale Wissenschaftler und Tüftler stehen, scheint es klar, wie wichtig es ist, dass sie sich mitteilen können - ihren Angestellten, Stakeholdern, Investoren und der interessierten Öffentlichkeit.
KONTOR GRUPPE by René Kiem : Führungskräftecoaching für alle
Gerade, wenn bei einer unserer zahlreichen Schulungen, Seminare und Workshops die Frage danach aufkommt, wer Soft Skills überhaupt braucht, ist unsere Antwort nicht selten: Keiner! Schließlich können wir doch eigentlich alle reden, auch mal ein- und zurückstecken und schmollen auch nicht bei jeder Gelegenheit. Wie gesagt, eigentlich. Doch geht es nicht darum, dass diese Schlüsselkompetenzen nicht vorhanden sind, sondern dass es gilt, sie noch feiner auszuarbeiten, nachhaltiger zu stärken und situativ einsetzbar und abrufbar zu machen.
Dass dies "auch" bei Wissenschaftlern funktionieren kann (und dass es auch auf bestimmten Ebenen immer noch Optimierungspotenzial gibt), zeigt das Beispiel der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Als promovierte Physikerin kommuniziert, verhandelt und streitet sie an vielen "Fronten" - und das meistens erfolgreich. Natürlich kann sie nicht als Paradebeispiel dafür genommen werden, dass Wissenschaftler unbedingt Soft Skills brauchen. Doch so abstrakt muss es ja auch nicht sein. Sondern konkret, wie in unseren Seminaren zum Thema Führungskompetenz durch Leadership- und Managementkompetenz.
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Datum: 04.03.2014 - 16:09 Uhr
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