Mehrwegflaschen sind am umweltfreundlichsten

Mehrwegflaschen sind am umweltfreundlichsten

ID: 1032031
(ots) - Einweglobby scheitert mit dem Versuch,
Mehrwegflaschen durch Auftragsstudie schlechtrechnen zu lassen -
"Mehrweg-Allianz" fordert von Umweltministerin Hendricks Maßnahmen
zum Mehrwegschutz

Der einwegorientierte Teil von Handel und Industrie diskreditiert
noch immer das weltweit größte Mehrwegsystem im Getränkebereich. Das
zeigt die vom Handelsverband Deutschland e. V. (HDE) und der
Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e. V. (BVE) in
Auftrag gegebene Studie zu Umlaufzahlen und Transportentfernungen von
Mehrwegflaschen. Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH), die Stiftung
Initiative Mehrweg (SIM) und Verbände der mehrwegorientierten
Getränkewirtschaft kritisieren die Untersuchung der
Unternehmensberatung Deloitte als fehlerhaft und tendenziös.

Für die Glaubwürdigkeit einer Studie sind die Methodik und die
zugrunde gelegten Annahmen entscheidend. Beide sind aus Sicht der
"Mehrweg-Allianz" jedoch höchst zweifelhaft. Die Kommunikation der
Ergebnisse der "Deloitte-Studie" suggeriert der Öffentlichkeit und
Verbrauchern niedrige Umlaufzahlen und besonders weite
Transportentfernungen von Mehrwegflaschen. "Erkennbares Ziel ist es,
die ökologischen Vorteile des Mehrwegsystems zu diskreditieren.
Hierzu wurden unrealistische Extremannahmen über den
Flaschenaustausch in Handel und bei den Abfüllern getroffen, um als
gewünschtes Ergebnis möglichst niedrige Wiederbefüllungszahlen zu
erhalten. Da zudem nicht transparent ist, welche Betriebe untersucht
wurden, kann diese Studie zusammenfassend als nicht aussagekräftig
und tendenziös bewertet werden", erklärt der
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Zur Vielzahl methodischer Fehler gehört auch die angewandte
Methodik zur Ermittlung der Umlaufzahlen. So werden beispielsweise
leere Fächer in zurücklaufenden Mehrwegkisten als verloren gegangene


Flaschen gewertet, deren Produktleben damit beendet ist. Die
Möglichkeit, dass der Verbraucher eine Mehrwegflasche erst später
abgibt oder die Flasche zu einem in der Studie nicht betrachteten
Abfüller zurückläuft, berücksichtigt die Untersuchung nicht. Dies
führt zu einer ungerechtfertigten Senkung der Umlaufzahl. In der
"Deloitte-Studie" werden außerdem wiederholt und an exponierten
Stellen unrealistisch niedrige Extremwerte für Umlaufzahlen
kommuniziert, wobei angenommen wird, dass Fremdflaschen untereinander
nicht getauscht werden. Die Folge: Erneut sinken die so ermittelten
Umlaufzahlen von Mehrwegflaschen in ungerechtfertigter Weise.
Recherchen der "Mehrweg-Allianz" sowie die Ergebnisse der
PricewaterhouseCoopers-Studie zu Getränkeverpackungssystemen aus dem
Jahr 2011 widerlegen diese Annahme jedoch.

Die "Deloitte-Studie" widerspricht außerdem ihrem eigenen
zentralen Ergebnis, wenn sie annimmt, dass ein Flaschentausch nicht
stattfindet. "Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass
Mehrwegflaschen zwischen Abfüllern oder über externe Dienstleister
getauscht werden. Die Ergebnisse weichen damit diametral von den
Extremwertannahmen zu Umlaufzahlen ab. Dass von den Auftraggebern und
-nehmern in der Öffentlichkeit trotzdem unrealistisch niedrige
Umlaufzahlen kommuniziert werden, ist fachlich nicht gerechtfertigt
und benachteiligt gezielt das Mehrwegsystem", kritisiert der
geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen
Getränkefachgroßhandels e. V. (GFGH) Günther Guder.

Der Versuch der Einwegindustrie, Mehrweg in gute Pool- und
schlechte Individualflaschen aufzuteilen, scheitert. Die in der
"Deloitte-Studie" untersuchten Individualflaschen aus Glas liegen in
der Regel bei 20 oder mehr Umläufen. Bereits nach zehn Umläufen
werden 90 Prozent der eingesetzten Ressourcen eingespart, bei 20
Umläufen sind es 95 Prozent. "Für die Ökobilanz von Mehrwegflaschen
sind die ersten zehn Umläufe die wichtigsten, alle weiteren
Wiederbefüllungen haben kaum noch einen Einfluss. Die Debatte um
Individual-Mehrwegflaschen, insbesondere im Biersegment, wird von der
Einwegindustrie künstlich aufgeblasen, um Mehrweg zu diskreditieren",
erklärt der Geschäftsführer des Verbandes Private Brauereien
Deutschland, Roland Demleitner. Die Studie der Unternehmensberatung
Deloitte kam selbst zu dem Ergebnis, dass Individualflaschen im
Bierbereich lediglich einen Marktanteil von 15 Prozent und
Mehrweg-Poolflaschen von 85 Prozent haben.

Die Untersuchung diskreditiert Mehrweg auch bei der Ermittlung von
Transportentfernungen, indem sie für Mehrwegflaschen pauschal den
doppelten Weg zwischen Abfüller und Verbraucher annimmt. Zusätzlich
wird eine weitere Strecke für den Leergutaustausch berechnet. "Es ist
absurd, dass die Studie einerseits nicht von einem Flaschentausch
ausgeht, um die Umlaufzahlen klein zu rechnen, andererseits aber die
verlängerten Wege des Flaschentausches Eingang in die Berechnung
finden. Dabei ist es gängige Praxis, das Pool-Leergut auf kurzem Weg
zum nächstgelegenen Abfüller zurück zu transportieren. Dieser Aspekt
blieb völlig unberücksichtigt", kritisiert der frühere Staatssekretär
und Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg (SIM) Clemens
Stroetmann. Dies betreffe besonders die Nutzung einheitlicher
Flaschen- und Kastenpools, wie sie beispielsweise die Genossenschaft
Deutscher Brunnen einsetzt. Zudem gebe es inzwischen auch
einheitliche Kastensysteme zur Rückführung von Multipackflaschen, die
den Rücktransport stark verkürzen.

Grundsätzlich kritisieren die DUH und die Vertreter der
mehrwegorientierten Getränkeindustrie den Mangel an Hintergrunddaten
in der Untersuchung. Die Ergebnisse der Studie seien ohne eine
grundlegende Betrachtung der im Einzelnen erhobenen Daten und der
teilnehmenden Unternehmen für Außenstehende nicht verifizierbar und
damit wenig glaubwürdig. Paradoxerweise bestätigt die
"Deloitte-Studie" trotz aller tendenziösen Annahmen und methodischer
Fehler die ökologischen Vorteile des deutschen Mehrwegsystems.

Die "Mehrweg-Allianz" forderte Bundesumweltministerin Hendricks
auf, das deutsche Mehrwegsystem zu stärken und dafür zu Sorge zu
tragen dass die in der Verpackungsverordnung festgelegten Quoten für
ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen eingehalten werden. Die
Umsetzung einer Kennzeichnungsregelung für eine klare
Unterscheidbarkeit von Mehrweg und Einweg könnte hierzu einen
wesentlichen Beitrag leisten. Eine ausführliche gemeinsame
Stellungnahme zur Studie "Umlaufzahlen und Transportentfernungen in
der Getränkeindustrie" der Unternehmensberatung Deloitte finden sie
unter http://l.duh.de/p130314#download



Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe e.V.
Mobil: 0171 3649170, E-Mail: resch@duh.de

Clemens Stroetmann, Staatssekretär a.D., Geschäftsführer Stiftung
Initiative Mehrweg
Tel.: 033205 24037, E-Mail: info@stiftung-mehrweg.de

Günther Guder, Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes des
Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V.
Tel.: 0211 683938 E-Mail: guder@bv-gfgh.de

Roland Demleitner, Geschäftsführer des Verbandes Private Brauereien
Deutschland e.V.
Tel.: 06431 52048, E-Mail: info@private-brauereien-deutschland.de

Daniel Hufeisen, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit DUH
Tel.: 030 2400867-22, E-Mail: hufeisen@duh.de

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Datum: 13.03.2014 - 10:30 Uhr
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