Der Anfang vom Ende der Plastiktüte

Der Anfang vom Ende der Plastiktüte

ID: 1048453
(ots) - Europäisches Parlament beschließt Reduzierung des
Plastiktütenverbrauchs in Europa - Deutsche Umwelthilfe fordert
Plastiktütenabgabe in Höhe von 22 Cent für Deutschland

Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) begrüßt den gemeinsamen
Willen der EU-Kommission und des EU-Parlaments, den Verbrauch von
Einweg-Plastiktüten europaweit zu verringern. Mit dem gestern durch
das Parlament angenommenen Richtlinienentwurf fordert die EU ihre
Mitgliedsstaaten unmissverständlich dazu auf, mit Maßnahmen gegen den
verschwenderischen Umgang mit Ressourcen für kurzlebige Plastiktüten
zu beginnen.

"Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks sollte das starke
politische Signal aus Straßburg ernst nehmen und den massenhaften
Verbrauch von jährlich über 6,1 Milliarden Plastiktüten in
Deutschland stoppen. Eine bundesweite Plastiktütenabgabe in Höhe von
22 Cent ist deshalb zwingend erforderlich", sagt der
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. In Irland reduzierte die
Einführung der Abgabe den Plastiktütenverbrauch von 328 auf heute nur
noch 16 Stück pro Kopf.

Das Europäische Parlament hatte gestern beschlossen, den
Plastiktütenverbrauch in den EU-Mitgliedstaaten innerhalb von drei
Jahren um 50 Prozent zu verringern. Nach fünf Jahren soll der
Verbrauch um 80 Prozent gesunken sein. Die DUH kritisiert, dass diese
Reduktionsziele für Deutschland unbedeutend sind und den Konsum der
Einwegtüten nicht verändern werden. Sie beziehen sich auf den
europäischen Durchschnitt von 198 verbrauchten Plastiktüten pro Kopf
und Jahr. In Deutschland jedoch verbraucht jeder Bürger 71
Plastiktüten jährlich. Eine Verringerung um 50 Prozent hätte
folglich, gemessen am europäischen Durchschnitt, keine Relevanz. Die
DUH fordert deshalb die Bundesregierung auf, nicht europäischen
Mindestzielen ohne Bedeutung für Deutschland zu folgen, sondern die


Verringerung des Plastiktütenkonsums selbst in die Hand nehmen.

Thomas Fischer, Leiter für Kreislaufwirtschaft bei der DUH
kritisiert einen weiteren Schwachpunkt des EU-Parlamentsbeschlusses:
"Die geplanten Maßnahmen beziehen sich nur auf besonders dünnwandige
Plastiktüten mit einer Wandstärke unter 50 Mikrometern. Wenn
Hersteller diese Regelung umgehen wollen, müssen sie ihre Tüten nur
ein wenig dicker machen, um Abgaben oder Verboten zu entgehen." Auch
die vom EU-Parlament beschlossene Bezahlpflicht für dünne
Plastiktüten ist nach Auffassung der DUH nicht ausreichend, da sie
sich auf den Lebensmitteleinzelhandel beschränkt. "Ein Großteil der
in Deutschland verbrauchten Plastiktüten wird kostenlos im
Einzelhandel, zum Beispiel in Kaufhäusern oder Textilgeschäften,
herausgegeben. Daran würde sich durch die eingeschränkte
Bezahlpflicht nichts ändern", so Fischer weiter.

Für falsch hält die DUH den Entschluss, dass biologisch abbaubare
Plastiktüten in Zukunft nur halb so viel kosten sollen wie nicht
abbaubare Plastiktüten sowie die Tatsache, dass besonders dünne
Obstbeutel innerhalb von fünf Jahren nur noch aus kompostierbarem
Kunststoff oder Papier bestehen dürfen. "Die Bevorteilung biologisch
abbaubarer Plastiktüten ist ein Skandal. Große Chemieunternehmen
haben erfolgreich Lobbyarbeit geleistet, um sich die Taschen mit Geld
zu füllen. Biologisch abbaubare Tüten helfen der Umwelt nicht. Im
Gegenteil: Sie bereiten Kompostierungsanlagen große Probleme und
werden regelmäßig nicht biologisch abgebaut, sondern vorher
aussortiert und verbrannt", so Jürgen Resch. Er betont, dass diese
Tüten sich in der Natur und in Gewässern ähnlich langsam wie normale
Kunststofftüten zersetzen. Folglich bedeutet der Austausch
herkömmlicher durch biologisch abbaubare Plastiktüten lediglich, ein
Wegwerfprodukt durch ein anderes zu ersetzen. Resch fordert deshalb,
die Ausnahmeregelungen und die Bevorteilung von biologisch abbaubaren
Plastiktüten zu streichen.

Ausführliche Informationen und Hintergründe zum Thema Plastiktüten
finden Sie auf der DUH-Kampagnenwebseite www.kommtnichtindietuete.de.



Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
Mobil: 0171 3649170, E-Mail: resch@duh.de

Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft
Tel.: 030 2400867-43, Mobil: 0151 18256692, E-Mail: fischer@duh.de

Daniel Hufeisen, Pressesprecher
Tel.: 030 2400867-22, Mobil: 0151 55017009, E-Mail: hufeisen@duh.de

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Datum: 17.04.2014 - 10:01 Uhr
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