Newsroom.de: Kommentar von Bülend Ürük zur Einigung in der Zeitungsbranche
ID: 1050759
Deutschland gilt. Es ist auch gut, dass die Online-Redakteure in den
Zeitungsredaktionen zukünftig unter das Tarifwerk fallen - auch wenn
für sie der Manteltarifvertrag erst ab Mitte 2016 gilt. Und auch nur
dann, wenn sie nicht in einer ausgegliederten Tochterfirma, sondern
direkt bei der Tageszeitung angestellt sind.
Aber das, was die Zeitungsverleger wortstark mit dem Euphemismus
"Tarifwerk Zukunft" bezeichnen, ist ein Raubbau am
Tageszeitungsjournalismus, wie wir ihn heute kennen.
Eine Wertschätzung für die gute Arbeit der Journalisten bei den
Tageszeitungen sieht anders aus.
Was die Verleger aber schaffen - sie machen den Job des
Tageszeitung-Redakteurs finanziell unattraktiv.
Eine Branche, die um ihre Zukunft ringt, wird mit einem
Spar-Streich-Konzert zukünftig einfach nicht mehr die Besten
anziehen. Potentieller Journalistennachwuchs wird in die Flucht
gejagt. Mit solchen, nicht mehr wettbewerbsfähigen Gehältern setzen
die Verleger die Zukunft ihrer Zeitungen aufs Spiel.
Jetzt aber auch davon zu sprechen, dass es eine lineare Erhöhung
der Gehälter um insgesamt 4,0 Prozent gibt, verdeckt die Tatsache,
dass sich die Tageszeitungsjournalisten seit August 2013 mit einer
Nullrunde zufrieden geben müssen. Von einem Ausgleich redet da
niemand. Da streuen auch die Gewerkschaften ihren Mitgliedern Sand
ins Auge.
Wer es durchrechnet, kommt schnell darauf, dass die Einigung für
die Tageszeitungsredakteure sogar einem Reallohnverlust gleichkommt.
Die Einigung ist einzig mit Blick auf die lange Laufzeit des
Manteltarifs erträglich, der den Flächentarif vor einer
Regionalisierung bewahrt.
Die Tageszeitungsjournalisten müssen sich zudem deutlich machen,
dass es nicht ausreicht, lediglich ihre Gewerkschaften vorzuschicken.
Wer nicht vor Ort, im Betrieb, seinen Redaktionsleiter, seinen
Chefredakteur überzeugt, dass Journalismus mehr Wert ist, dass sein
Vorsprechen bei der Geschäftsführung dem ganzen Haus dient, verliert
an Schlagkraft.
Die Verleger müssen sich die Frage stellen, ob sie wirklich
glauben, dass mit diesem Abschluss Tageszeitungs-Redakteure noch
weiterhin bereit sind, mehr zu leisten als vereinbart. Sie verlieren
sich in dem Irrglauben, dass Zeitung und Internet kostengünstig und
schnell auch von Hilfskräften gefüllt werden können.
Auch für die Gewerkschaften bedeutet die Einigung eine Zäsur. Sie
müssen sich neu erfinden, der Startschuss ist mit dem Tarifabschluss
gefallen.
Bülend Ürük
Pressekontakt:
Bülend Ürük
Chefredakteur
Tel. 0049 176 93827088
Twitter: www.twitter.com/buelend
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Datum: 25.04.2014 - 01:04 Uhr
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