"Entartet, enteignet, entdeckt - Die Spur der Bilder" (Anlässlich des Todes von Corneliu

"Entartet, enteignet, entdeckt - Die Spur der Bilder"

(Anlässlich des Todes von Cornelius Gurlitt wiederholt das
WDR Fernsehen die TV-Dokumentation)

ID: 1055691
(ots) - Sendetermine: Freitag, 9. Mai 2014, 00.00 - 00.45
Uhr, (WH: Samstag, 10. Mai 2014, 12.45 - 13.30 Uhr)

Ein Film von Anke Rebbert und Carsten Günter

Nun hat er seine Bilder doch nicht mehr wieder sehen können:
Cornelius Gurlitt, dessen beschlagnahmter Kunstschatz seit November
2013 international für Aufregung sorgte, ist tot. Die von seinem
Vater übernommene Bildersammlung hatte sich als schweres Erbe
erwiesen.

Die Kunst war kein Nebenschauplatz des Zweiten Weltkriegs -
Hitlers Krieg war auch ein Krieg um wertvolle Bilder. Das hat der
Fall Gurlitt ins Bewusstsein geholt. Seitdem in der Münchener Wohnung
und im Salzburger Haus von Cornelius Gurlitt insgesamt über 1.300
Gemälde und Grafiken unklarer Herkunft entdeckt wurden, ist das Thema
Raubkunst ebenso wie das Schicksal der "entarteten" Kunst wieder
aktuell. Denn Cornelius Gurlitt ist der Sohn von Hitlers bevorzugtem
Kunsthändler Hildebrand Gurlitt. Welche Geschichten stecken hinter
den aufgetauchten Bildern? Welchen Weg haben sie im einzelnen
genommen, bis sie bei Gurlitt auftauchten? Welche von ihnen wurden
jüdischen Besitzern zu Spottpreisen abgepresst? Welche als "entartet"
von den Nationalsozialisten aus deutschen Museen entfernt und
enteignet? Wie lief das ab?

Kunsthandel im Nationalsozialismus

Welche Rolle spielte dabei der Kunsthandel zwischen 1933 und 1945?
Und wie funktionierte die "große Vertuschung" in den Jahrzehnte
danach, bei der niemand im deutschen und internationalen Kunsthandel
so genau wissen wollte, woher die Werke letztlich kamen? "Das mache
ich der Branche schon zum Vorwurf, dass sie die Augen verschlossen
hat", sagt der deutsch-amerikanische Provenienzforscher Willi Korte.
Die Dokumentation "Entartet, enteignet, entdeckt" verfolgt
exemplarisch und minutiös die Spur dreier Bilder auf Gurlitts Liste


zurück in die Vergangenheit: der "Dompteuse" von Otto Dix, die
ursprünglich Teil der umfangreichen Sammlung des kunstverrückten
Ismar Littmann in Breslau war; eines Aquarells von Wilhelm Lachnit,
das nach Dresden zum Anwalt Fritz Salo Glaser führt; und eines Werks
von Henri Matisse, das in Frankreich aus einer Privatsammlung geraubt
wurde.

Auf der Spur dreier Bilder von Gurlitts Liste

Ein Team aus Wissenschaftlern arbeitet daran, die Herkunft all der
in München und Salzburg entdeckten Werke zu klären - auch, um zu
entscheiden, wem sie wirklich gehören und wer sie zurückerhalten
sollte. ,,Wir sind mal wieder die Nation, die der Welt erklären muss,
warum bei uns die Täter geschützt werden und die Opfer um ihre Rechte
bitten: Nämlich um die Rückgabe ihrer Bilder," resümiert der
Kunstexperte Stefan Koldehoff, der mit seinem Buch über das Geschäft
mit der NS-Raubkunst auch den Fall Gurlitt ins Visier nimmt. Der
internationale Druck ist hoch und überzeugte schließlich auch
Cornelius Gurlitt, die Bilder seiner Sammlung zurückzugeben, die
Raubkunst sind. Eine freiwillige Verpflichtungserklärung, die jetzt
zum Erbe des Cornelius Gurlitt gehören wird.

Enthüllung von Mechanismen

Die Dokumentation erzählt einen "Kunstkrimi" über ein Kapitel
deutscher Geschichte, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Sie
enthüllt Mechanismen von Geschäftssinn und Gleichgültigkeit, die
teilweise bis heute wirksam sind, und findet Antworten, warum im
Bereich der Kunst die deutsche Geschichte zwischen 1933 und 1945 zu
wenig aufgearbeitet wurde.

Redaktion: Gudrun Wolter (WDR), Simone Reuter (SWR), Jens
Stubenrauch (RBB)



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