Gymnasien stellen sich der Aufgabe der Inklusion

Gymnasien stellen sich der Aufgabe der Inklusion

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(ots) - Meidinger fordert Länder zu größeren finanziellen
Anstrengungen auf, warnt aber vor einer Instrumentalisierung der
Inklusionsdebatte für bildungsideologische Ziele

Im Zusammenhang mit der Debatte um die Aufnahme von Kindern mit
geistigen Behinderungen auf Gymnasien hat der Vorsitzende des
Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, betont, dass
sich die Gymnasien selbstverständlich den Herausforderungen der
Inklusion stellten. An fast allen Gymnasien gebe es inzwischen einen
wachsenden Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen,
die trotz vielfach unzureichender personeller und finanzieller
Zuweisungen mit viel Engagement von Gymnasiallehrkräften intensiv
betreut und unterrichtet würden. Voraussetzung sei allerdings in
aller Regel, dass sie das Bildungsziel des Gymnasiums, das Abitur,
erreichen könnten.

"Allein aber bei dieser Riesenaufgabe der Inklusion von Kindern
mit körperlichen Behinderungen gibt es noch ein enormes Pensum an
Hausaufgaben durch die Landesregierungen zu erledigen. So verfügt
nach wie vor die große Mehrheit aller deutschen Gymnasien über keine
behindertengerechten Aufzüge, ganz abgesehen von den häufig
fehlenden, zusätzlich erforderlichen personellen Ressourcen für eine
erfolgreiche Inklusion!", betonte der DPhV-Vorsitzende. Die Anzahl
der Inklusionsschüler mit körperlichen Behinderungen könne bei
besserer Ausstattung der Gymnasien mit Sicherheit noch deutlich
gesteigert werden, so der Verbandschef. Er gab aber auch zu bedenken,
dass mit Sicherheit niemals jedes Gymnasium auf die Bedürfnisse aller
Arten von körperlicher Behinderung in gleicher Weise vorbereitet sein
könne wie eine darauf spezialisierte Schule. So erforderten die
wünschenswerten Zusatzausstattungen und Umbauten allein für
sehbehinderte Schüler pro Gymnasium Beträge im sechsstelligen


Bereich.

Inklusion nicht als Sparmodell missbrauchen!

Meidinger warnte zudem vor einem falschen vordergründigen
Verständnis von Inklusion, das den Erfolg bei der Umsetzung der
UN-Konvention an formal erreichten Quoten messe. Wörtlich sagte er:
"Manches Bundesland, das sich im innerdeutschen Vergleich mit hohen
Inklusionsquoten brüstet, hat zwar Förderzentren geschlossen, aber
wenig bis nichts dafür getan, dass die Qualität der Beschulung
behinderter Kinder in den Regelschulen erhalten oder gesteigert wird.
Im Gegenteil: Die Standards wurden vielfach abgesenkt, so dass nicht
wenige Eltern behinderter Kinder schwer enttäuscht sind. So ist es
kein Ausnahmefall, dass sich Kinder mit Behinderungen nun an
Regelschulen in Lerngruppen befinden, die dreimal so groß sind wie
ihre bisherigen. Man muss es ganz klar sagen: Quoten sind nicht
gleichbedeutend mit Qualität und die Erfahrung lehrt: Inklusion kann
auch als Sparmodell missbraucht werden!"

Plädoyer für mehr Kooperationsmodelle

Ziel der UN-Konvention zu den Rechten behinderter Menschen sei, so
Meidinger, die weitestgehende Inklusion von Menschen mit
Behinderungen in die Gesellschaft, d. h. diesen Menschen zu
ermöglichen, gleichberechtigt und selbstständig am
gesellschaftlichen, politischen und sozialen Leben teilzunehmen. Wenn
es etwa darum gehe, geistig behinderten Kindern an Schulen in
intensiver Betreuung die notwendigsten Dinge für eine selbstständige
Lebensführung beizubringen, sei das Gymnasium in der Regel nicht der
geeignete Ort und Weg, um Inklusion als Ziel zu verwirklichen. "Das
hat nichts mit einer Abschiebementalität zu tun, sondern mit
Verantwortungsbewusstsein und realistischer Einschätzung der eigenen
Möglichkeiten! Nicht wenigen, die das Gymnasium zur Aufnahme aller
Schüler zwingen wollen, egal, ob diese das Bildungsziel Abitur
erreichen könnten oder nicht, geht es letztendlich um die Abschaffung
dieser Schulart, die in ihrer Attraktivität Gesamtschulbefürwortern
schon immer ein Dorn im Auge war!", bekräftigte der Verbandschef.

Unter Bezug auf angebliche Inklusionsmusterländer verwies
Meidinger darauf, dass selbst in Finnland von den Kindern mit
sonderpädagogischem Förderbedarf eine nicht geringe Anzahl (8 Prozent
der Gesamtschülerzahl) in eigenen Klassen und eigenen Schulen (3
Prozent) beschult werden müsse.

Der Verbandsvorsitzende plädierte dafür, die Kooperationsmodelle
zwischen Gymnasien und Förderschulen mit geistig Behinderten
auszubauen. "Anstatt einer wenig zielführenden Totalinklusion geht es
dabei darum, in geeigneten Fächern wie Kunst, Musik, Sport oder
Theater gemeinsame Projekte durchzuführen, die beiden Seiten Gewinn
bringen, z. B. auch den Gymnasiasten einen Zuwachs an
Sozialkompetenz!", so Meidinger.



Kontakt:
DPhV - Deutscher Philologenverband
Eva Hertzfeldt
Pressesprecherin
Telefon: 030 - 40 81 67 89
Mobil: 0172 - 305 08 67
EMail: presse@dphv.de

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