Auswirkungen der "Syndikus-Urteile" des BSG
Langfristige Auswirkungen der BSG-Urteile für Anwaltschaft größer als für Unternehmen
RA Dr. Matthias Kilian(firmenpresse) - Köln, den 11.6.2014 - Die "Syndikus"-Urteile des Bundessozialgerichts werden mittelfristig zu einer rückläufigen Zahl von Unternehmens- und Verbandsjuristen mit Anwaltszulassung ("Syndikusanwälte") führen. Die Perspektiven von Unternehmen und Verbänden, Volljuristen im Wettbewerb mit Anwaltskanzleien als Arbeitnehmer zu gewinnen, sind hingegen nicht nachhaltig verschlechtert. Hierauf weist das Soldan Institut hin, das zwischen 2004 und 2010 zur Anwaltschaft zugelassene Unternehmens- und Verbandsjuristen befragt hat.
Das BSG hat am 3.4.2014 in mehreren Grundsatzurteilen entschieden, dass Syndikusanwälte nicht länger von der Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung befreit werden können, um eine Alters- oder Berufsunfähigkeitsrente in einem anwaltlichen Versorgungswerk aufzubauen. Für Unternehmensjuristen ist nach einer Studie des Soldan Instituts die Mitgliedschaft im Versorgungswerk bislang das mit Abstand bedeutendste Motiv, eine Zulassung als Rechtsanwalt anzustreben (Wert 1,5 auf einer Skala von 1 = "sehr wichtig" bis 5 = "gar nicht wichtig"). Deutlich weniger Syndikusanwälte erklären ihren Anwaltstitel mit dem Ziel, ihren unternehmensinternen Status zu verbessern (2,3), als Rechtsanwalt Zusatzeinkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit generieren zu können (2,8) oder einem entsprechenden Wunsch des Arbeitgebers nachzukommen (3,0). Mit dem Fortfall der Möglichkeit einer Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht entfällt damit für Unternehmens- und Verbandsjuristen das zentrale Motiv, die bei einer Zulassung zur Anwaltschaft jährlich anfallenden Kosten aufzuwenden.
"Für Unternehmen und Verbände bedeutet dies aber nicht, dass viele potenzielle Bewerber künftig eine anwaltliche Tätigkeit in einer Kanzlei vorziehen werden", erläutert Dr. Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts. "76 Prozent der jungen Syndikusanwälte haben uns mitgeteilt, dass sie ihre Stelle auch angenommen hätten, wenn ihnen eine gleichzeitige Zulassung zur Anwaltschaft nicht möglich gewesen wäre." Die Kölner Berufsforscher gehen daher davon aus, dass sich Rechtsanwaltskammern und Versorgungswerke auf einen Mitgliederschwund einstellen müssen, während Unternehmen und Verbände ihren Bedarf an In-House-Juristen weiterhin werden decken können - wenngleich aus einem kleineren Bewerberpool. "Problematisch wird es aber sein, berufserfahrene Rechtsanwälte zu gewinnen", so Kilian. Der Grund: Mit einem Arbeitgeberwechsel verlieren diese eine bereits erlangte Befreiung von der Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung.
Hinweis: Den Entscheidungen des Bundessozialgerichts vom 3. April 2014 zur Möglichkeit der Befreiung von Syndikusanwälten von der Pflichtmitgliedschaft abhängig Beschäftigter in der gesetzlichen Rentenversicherung nach § 6 SGB VI lagen drei Musterverfahren zu Grunde (Aktenzeichen B 5 RE 13/14 R, B 5 RE 9/14 R und B 5 RE 3/14 R). Mit den Urteilen bestätigte das BSG die Verwaltungspraxis der Deutschen Rentenversicherung Bund, die Befreiungen von Syndikusanwälten in den letzten Jahren immer seltener erteilt hatte. Für Syndikusanwälte ist die Befreiung wirtschaftlich bedeutsam, weil die Versorgungswerke aufgrund des Prinzips der Kapitaldeckung deutlich höhere Altersrenten zahlen als die gesetzliche Rentenversicherung. Zugleich bieten sie auch eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit.
Die Datenerhebung des Soldan Instituts erfolgte im Rahmen einer Studie mit 3.500 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten der Zulassungsjahrgänge 2004 bis 2010.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Über das Soldan Institut
Das Soldan Institut wurde 2002 als unabhängige Forschungseinrichtung gegründet. Ziel des von einem gemeinnützigen Verein getragenen Instituts ist die Erforschung der Strukturentwicklung der Anwaltschaft und der sich hieraus ergebenden Bedingungen für eine erfolgreiche und zukunftsorientierte Tätigkeit von Anwaltskanzleien. Das Institut betreibt eigene empirische Anwaltsforschung, deren Ergebnisse Rechtsanwälten, Institutionen der deutschen Anwaltschaft, politischen Entscheidungsträgern, Wissenschaftlern und einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Der gemeinnützige Trägerverein des Instituts wird von der Hans Soldan Stiftung, dem Deutschen Anwaltverein und der Bundesrechtsanwaltskammer unterstützt.
GBS-Die PublicityExperten
Alfried Große
Am Ruhrstein 37c
45133 Essen
ag(at)publicity-experte.de
0201-8419594
http://www.publicity-experte.de
Datum: 11.06.2014 - 11:25 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1070778
Anzahl Zeichen: 3705
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Dr. Matthias Kilian
Stadt:
Köln
Telefon: 0221 5481 1123
Kategorie:
Finanzwesen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 320 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Auswirkungen der "Syndikus-Urteile" des BSG"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Soldan Institut für Anwaltmanagement e.V. (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Essen, den 04. November 2014***** Als beeindruckendes Beispiel dafür, dass es mit Talent, Engagement und Professionalität auf einer exzellenten fachlichen Basis gelingen kann, bereits unmittelbar zu Beginn der Anwaltskarriere eine eigene Kanzlei erfolgreich zu etablieren, würdigte Prof. Dr. Matth
Anwälte sehen Finanzwirtschaft und Beratungsstellen als größte Wettbewerber ...
Köln/Stuttgart, den 27.6.2014 - Banken, Sparkassen und Finanzberater sowie gemeinnützige Beratungsstellen machen den Rechtsanwälten nach deren Wahrnehmung seit Inkrafttreten des Rechtsdienstleistungsgesetzes im Jahr 2008 besonders intensiven Wettbewerb. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung,
Rechtsanwälte mehrheitlich für automatische Anpassung ihrer Gebühren ...
73 Prozent der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte plädieren für eine regelmäßige Anpassung ihrer Gebühren durch Ankoppelung an einen geeigneten Kostenindex. Der Wunsch nach einer Dynamisierung des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes, die zu häufigeren, dafür aber geringeren Erhöhungen der An
Weitere Mitteilungen von Soldan Institut für Anwaltmanagement e.V.
Pfandkreditgewerbe warnt: Immer mehr gefälschte Goldbarren, Goldmünzen, Schmuck und Uhren im Umlauf ...
(NL/5088956694) Düsseldorf Das deutsche Pfandkreditgewerbe hat auf eine ständig wachsende Flut von Fälschungen im Bereich von Luxusuhren, Goldschmuck, aber auch bei Goldbarren und Goldmünzen hingewiesen. Weder Prägestempel in Goldschmuck noch Zertifikate für die angebliche Echtheit von einges
MCM Investor Management AG: Die Fallen des Immobilieneigentums ...
Magdeburg, 11.06.2014. Immer mehr Deutsche entscheiden sich für den Immobilienkauf, was nicht zuletzt aus der anhaltenden Niedrigzinsphase resultiert. Vor allem Immobilien in den Großstädten erscheinen angesichts stetig steigender Immobilienpreise sehr attraktiv. Interessenten lassen sich allerdi
Trainerausbildung: Viessmann bildet unterstützt von Voss+Partner Mitarbeiter zu TÜV-zertifizierten Trainern aus ...
Die Gebäudetechnik wird immer komplexer und vernetzter. Damit einher geht ein erhöhter fachlicher Qualifizierungsbedarf unter anderem für die Marktpartner (Kunden) beispielsweise der Heiztechnikhersteller, die die Gebäude planen beziehungsweise die Anlagen einbauen und warten. Sie müssen zudem
Bundesverfassungsgericht: neue Regelung zur Erbschaftssteuer ...
Die Erbschaftssteuer ist auch in der deutschen Wirtschaft präsent. Denn: Verstirbt ein Geschäftsinhaber oder Partner, kommen verschiedene Regelungen zum tragen. Zurzeit herrscht große Verunsicherung. Der Bundesgerichtshof führt Verhandlungen zur Erbschaftssteuer mit eventuell weitreichenden Folg




