NRZ: Nur eine freundliche Geste - ein Kommentar von JULIA EMMRICH
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Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gemeint war damit aber meistens
nur der erste Teil der Geschichte: Wie kriegt man Kinder und Job
unter einen Hut? Der zweite Teil blieb lange unterbelichtet: Wie
kriegt man Job und Pflege unter einen Hut? Das kollektive Weggucken
bei diesem Thema lag auch daran, dass die meisten pflegebedürftigen
Menschen von Frauen gepflegt wurden, die entweder bereits im
Rentenalter oder eben nicht berufstätig waren. Doch es gibt auch die
anderen: Jeder zweite Berufstätige in Nordrhein-Westfalen kümmert
sich neben dem Job um Kindererziehung oder Altenpflege. Und es gibt
nicht wenige, die beides tun. Berufstätige Angehörige, die
Familienmitglieder pflegen, haben die volle Unterstützung verdient:
flexible Arbeitszeitmodelle, solidarische Kollegen, faire
Arbeitgeber. Und sie hätten im Grunde das Gleiche verdient, was junge
Eltern mit dem Elterngeld bekommen: mindestens ein Jahr Lohnersatz.
Doch dafür fehlt das Geld. Das, was die Koalition jetzt stattdessen
plant, ist eine freundliche Geste: Die zehntägige, bezahlte Auszeit
ist hilfreich - doch wer kann sich schon leisten, über Monate oder
sogar Jahre hinweg die Arbeitszeit und damit den Lohn zu reduzieren?
Das Pflegeland Deutschland steht noch ganz am Anfang.
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Datum: 14.10.2014 - 19:41 Uhr
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