NRZ: Schützenhilfe für die Arbeitgeber - ein Kommentar von JAN JESSEN
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Bahnkunden umdisponieren, erneut wird sich auf den Schienen so gut
wie nichts bewegen, diesmal ein ganzes Wochenende lang. Die Lokführer
und ihr radikaler Gewerkschaftsboss Claus Weselsky führen keine
lasche Tarifauseindersetzung, sondern einen knallharten Arbeitskampf.
Aber: Welche Wirkung sollte ein Streik entfalten, der niemandem weh
tut? Der Kuschelkurs der letzten Jahre zwischen Gewerkschaften und
Arbeitgebern war selten zum Vorteil der Arbeitnehmer, Stichwort:
Lohnzurückhaltung in guten wie in schlechten Jahren. Leider geht es
der GDL in diesem Arbeitskampf aber nicht nur um Arbeitszeiten (die
Lokführer schieben viele Überstunden vor sich her) und Löhne, sondern
auch um das Abwerben von Mitgliedern der Konkurrenzgewerkschaft EVG.
Machtspielchen auf dem Rücken der Bahnkunden kommen nicht gut an; sie
diskreditieren das Streikrecht, das wichtigste
Arbeitnehmer-Grundrecht. Die Große Koalition feilt bereits an einer
Einschränkung dieses Grundrechts, und die von der GDL genervte
Öffentlichkeit wird wenig Protest einlegen. Das wäre das schlimmst
mögliche Ergebnis dieses Arbeitskampfes. Die Arbeitgeber freuen sich
über so viel Schützenhilfe, genauso die großen und trägen
Gewerkschaften mit ihrem immer kleiner werdenden Organisationsgrad.
Und die Bahn? Sie provoziert die Lokführer durch
Verhandlungsverweigerung und hofft, dass die GDL sich aufs
Abstellgleis verfährt. Für die Bahnkunden heißt das: Es werden wohl
noch weitere nervige Streiktage kommen. 2007/2008 haben sich Bahn und
GDL ein ganzes Jahr gestritten.
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Datum: 17.10.2014 - 19:12 Uhr
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