Börsen-Zeitung: Schwarm schwarzer Schwäne, Marktkommentar von Stefan Schaaf

Börsen-Zeitung: Schwarm schwarzer Schwäne, Marktkommentar von Stefan Schaaf

ID: 1123324
(ots) - Als Anleger muss man schon spekulativ auf
steigende Kurse bei Bundesanleihen gewettet, aggressiv auf einen
fallenden Dax oder steigende Volatilität gesetzt haben, um der
abgelaufenen Handelswoche etwas Positives abgewinnen zu können.
Sicher, Performance ist immer eine Frage der Positionierung, aber
klar ist auch: Die Finanzmärkte sind innerhalb weniger Tage wieder in
den Krisenmodus gerutscht. Scheinbar augenfällig ist dies am
kräftigen Anstieg der Volatilität abzulesen. Richtig ist,
Vola-Indizes wie Vix und VDax-New sind in die Höhe geschossen, dies
aber auch von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau, so dass sie sich
eben auch normalisierten. Andere Indikatoren sprechen eine
deutlichere Sprache: Der regelrechte Absturz der Renditen von als
sicher - und liquide - erachteten Staatsanleihen aus Deutschland und
den USA zeigt ein hohes Maß an Verunsicherung unter Investoren.

Flucht aus Aktien

Zudem gab es massive Umschichtungen aus Aktien heraus. Die
Abflüsse aus europäischen Aktienfonds erreichten dieser Tage laut
Bank of America Merrill Lynch einen Rekordwert von 5,7 Mrd. Dollar.
Das Dax-Wochentief von 8355 Punkten lag 17% unter dem Jahreshoch von
Juni. Was für ein Crash!

Was war passiert? Der jüngste Kursrutsch ging einher mit schwachen
US-Einzelhandelsdaten. Inzwischen gelten diese aber nur als der
berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Denn die Krise
deutete sich an, unter anderem durch einen Sprung der Volatilität am
Devisenmarkt und starken Kursverlusten bei den risikosensitiven
Hochzinsanleihen.

Ein Gewitter mit Ansage? Keinesfalls. Der Weg zur US-Zinswende
würde volatil werden, nicht alle Konjunkturdaten würden für steigende
Zinsen sprechen. Das war zu erwarten. Viele Marktteilnehmer hatten
allerdings eine Reihe weiterer Risiken nicht auf dem Zettel bzw.


wurden von deren unerwartetem Auftreten überrascht. In der Summe
führte dieser Schwarm an schwarzen Schwänen zum jüngsten Absturz:
Erstens: Geopolitik. Die Vielzahl an Krisen - unter anderem Ukraine,
IS-Terror, Hongkong - verunsichert.

Zweitens: Deutschland selbst gilt einer wachsenden Zahl an
Marktteilnehmern inzwischen als Problem, und das nicht nur wegen der
engen wirtschaftlichen Verflechtung mit Russland. Es überrascht viele
nicht nur, dass die bisherige europäische Konjunkturlokomotive eine
Störung im Betriebsablauf hat. Für Irritationen sorgt vor allem der
Gleichmut, mit dem die Regierenden in Berlin dies bislang zu
beobachten scheinen.

Drittens: Euro-Krise 2.0. Nüchtern betrachtet ist es so weit noch
nicht, zumal die Europäische Zentralbank, um mit den Worten ihres
Präsidenten zu sprechen, bisher alles tut, was für den Erhalt des
Euro notwendig ist. Wenn jedoch Analysten und Brokerhäuser in ihren
Marktkommentaren von der Euro-Krise 2.0 schreiben, so kann sich diese
Prophezeiung von selbst erfüllen.

Viertens. Griechenland. Ja, Griechenland, wieder einmal. Und das
gleich doppelt. Die Regierung in Athen betrieb ein Hasardeurspiel mit
den Gedanken über einen Ausstieg aus dem Rettungsprogramm.
Zehnjahres-Anleiherenditen von 9% waren die Antwort. Doch nicht
genug, das Land steht jederzeit vor Neuwahlen, die reform- und
sparfeindliche Kräfte an die Regierung bringen und das Land aus dem
Euro treiben dürften. Fünftens: Ebola. Bei jedem Einzelnen wächst die
Angst vor einer Ansteckung. Wer in Panik gerät, wird kaum
risikofreudig investieren.

Illiquider Sekundärmarkt

Sechstens: Liquidität: Sicher, die Notenbanken stellen genug
Liquidität zur Verfügung. Im Anleihe-Sekundärmarkt sieht es jedoch
anders aus. Der Absturz der Treasury-Renditen ging offenbar auch auf
eine geringe Liquidität am Sekundärmarkt zurück. Investmentbanken
haben wegen strengerer Regulierung ihre Handelsbestände gesenkt. Wenn
dies schon bei sinkenden Renditen zum Problem wird, dann lässt dies
für einen Renditeanstieg im Fall einer US-Zinswende Schlimmes
erwarten.



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Daniela Weingärtner zum Streit um hohe Banker-Boni Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Ikeas Umtauschversprechen
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 17.10.2014 - 20:50 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1123324
Anzahl Zeichen: 4544

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Frankfurt



Kategorie:

Wirtschaft (allg.)



Diese Pressemitteilung wurde bisher 403 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Börsen-Zeitung: Schwarm schwarzer Schwäne, Marktkommentar von Stefan Schaaf"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Börsen-Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Börsen-Zeitung: Farbenpracht am Bondmarkt, Marktkommentar von Kai Johannsen ...
Die internationale Anleihefamilie ist vor wenigen Tagen um ein neues Mitglied erweitert worden. Nach den Green Bonds gibt es nun einen weiteren Bond mit Farbanstrich: Blue Bonds. Die Pionierrolle übernahm die Inselrepublik Seychellen, die einen zehnjährigen Bond zu einer Rendite von 6,5 Pro

Börsen-Zeitung: Die Hoffnung stirbt zuletzt, Kommentar zum Brexit von Andreas Hippin ...
Die britische Regierung hat derzeit ein großes Interesse daran, einen Deal mit der EU in greifbare Nähe rücken zu lassen. Spindoktoren haben Urlaubssperre. Positive Äußerungen aus London erhöhen den Druck auf die Gegenseite, Zugeständnisse zu machen, so das Kalkül. Zudem will Premiermin

Börsen-Zeitung: Trick or Treat?, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann ...
Passend zum Halloween-Fest laufen aus China gruselige Konjunkturdaten ein. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor, der die Stimmungslage bei den großen Zugpferden im Verarbeitenden Gewerbe abbildet, fällt wesentlich stärker als erwartet auf 50,2 Punkte und damit auf den


Weitere Mitteilungen von Börsen-Zeitung


Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Daniela Weingärtner zum Streit um hohe Banker-Boni ...
Die Bilder von 2008 sind uns allen noch frisch im Gedächtnis. Wie geprügelte Hunde verließen die schicken Damen und Herren im blauen Tuch ihre glasverspiegelten Arbeitsplätze in den Chefetagen der Londoner City, weil der Finanzmarkt und damit auch ihre Welt zusammengebrochen war. Sechs Jahre

WAZ: Der Preis für die Mega-Fusion - Kommentar von Ulf Meinke über O2 und E-Plus ...
Es war absehbar, dass die Übernahme von E-Plus durch die Telefónica-Tochterfirma O2 Arbeitsplätze kosten würde. Zur Logik einer Fusion gehört schließlich, aus zwei Organisationen eine Einheit zu formen. Gerade die Potenziale für Kosteneinsparungen machen für Konzernstrategen den Reiz e

Schwäbische Zeitung: GDL-Chef hat sich disqualifiziert ...
Gut 0,02 Prozent der Bevölkerung legen zur Durchsetzung ihrer Einzelinteressen die Deutsche Bahn lahm. Millionen Menschen sind von dem neuesten Ausstand der Lokführer betroffen. 50 Stunden sollen nach dem Willen der kleinen Gewerkschaft GDL keine Züge mehr durch die Republik fahren. Und das an

Neue Gründerkonferenz in NRW: Die StartupCon verknüpft die Gründerszene ...
Leverkusen den 25. September 2014: Im Rahmen der bundesweiten Gründerwoche 2014 findet am 20. November die erste StartupCon im Forum Leverkusen statt. Ziel der StartupCon ist die Förderung der Startup-Kultur in Deutschland. Das Credo der Veranstaltung lautet Wissenstransfer und Vermittlung von


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z