Deutsche AIDS-Hilfe zu Infektionszahlen: HIV wird oft zu spät erkannt
ID: 1129967
den letzten Jahren weitgehend konstant geblieben. Im Jahr 2013 haben
sich wie im Vorjahr rund 3.200 Menschen mit HIV infiziert.
Schätzungsweise 80.000 leben mit HIV. Diese Zahlen hat das
Robert-Koch-Institut heute in seinem Epidemiologischen Bulletin Nr.
44 veröffentlicht (http://www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html).
Aus den Schätzungen geht auch hervor, dass viele Menschen erst
nach Jahren von ihrer Infektion erfahren. Dies kann gravierende
Folgen für ihre Gesundheit haben, denn der optimale Zeitpunkt für den
Therapiebeginn ist dann bereits oft vorbei. Dass Menschen nichts von
ihrer Infektion wissen, nimmt zudem Einfluss auf das
Infektionsgeschehen. Abhilfe können mehr und frühere HIV-Tests
schaffen.
Dazu sagt Manuel Izdebski vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe
(DAH):
"Die konstante Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist ein
Erfolg der Prävention. Vergleichbare Länder melden mehr
HIV-Übertragungen und einen Anstieg. Doch es könnte bei uns noch
deutlich weniger Infektionen geben: Ein Rückgang ist machbar!"
Infektionsrisiko bei kondomlosem Sex gestiegen
Ein wesentlicher Faktor: 14.000 Menschen wissen nichts von ihrer
HIV-Infektion. Sie werden dementsprechend nicht mit HIV-Medikamenten
behandelt, die auch die Übertragung von HIV verhindern würden. Diese
Zahl steigt seit längerer Zeit. Das Risiko, beim Sex ohne Kondom auf
einen Partner mit hoher Viruslast zu treffen und sich zu infizieren,
ist darum in den letzten Jahren gestiegen. Dies gilt vor allem für
die besonders stark betroffenen Gruppen wie schwule Männer und
Menschen, die intravenös Drogen konsumieren.
HIV-Test ist ein Schlüsselfaktor
Der Grund für diese Entwicklung: Die Testraten in den am stärksten
betroffenen Gruppen sind zu niedrig. Von den 14.000 Menschen, die
nichts von ihrer Infektion wissen, ist rund die Hälfte schon länger
als drei Jahre infiziert. Bei 7,2 Prozent besteht die Infektion sogar
schon zehn Jahre oder länger. Für die Betroffenen führt dies zu einem
hohen Risiko schwerer Gesundheitsschäden, die heute vermeidbar sind.
"Eine vordringliche Aufgabe der Prävention besteht heute darin,
Menschen zum Test zu motivieren, wenn sie ein Risiko hatten", sagt
Manuel Izdebski.
Für höhere Testraten braucht es noch mehr anonyme und
vertrauenswürdige Testangebote in den Lebenswelten der am stärksten
betroffenen Gruppen, zum Beispiel in Aidshilfen, schwulen Zentren und
Einrichtungen der Drogenhilfe sowie an geeigneten Orten für
Migranten. Diese Angebote stellen zugleich eine optimale Beratung
sicher.
Drogenkonsumenten benötigen neben Testangeboten einen besseren
Zugang zur Behandlung, denn viele erhalten auch dann keine Therapie,
wenn sie wissen, dass sie HIV-positiv sind. Oft sind Vorbehalte im
Medizinsystem der Grund. Hier gilt es dringend gegenzusteuern.
Prävention vor Ort legt Grundlagen
Warum werden erforderliche HIV-Tests nicht durchgeführt?
Einerseits schätzen Menschen das Risiko beim Sex oder Drogenkonsum
falsch ein oder verdrängen das Thema HIV. Andererseits denken auch
viele Ärzte sogar bei HIV-typischen Symptomen nicht daran, einen
HIV-Test anzubieten.
Schwulen Männern und anderen Menschen mit einem erhöhten
HIV-Risiko empfiehlt die Deutsche AIDS-Hilfe, sich einmal im Jahr auf
HIV testen zu lassen. So ist der Therapiebeginn zum optimalen
Zeitpunkt möglich. Für Ärzte sind noch mehr Fortbildungsprogramme
erforderlich, die sie auch dazu befähigen, mit ihren Patienten über
Sexualität zu sprechen (http://www.aidshilfe.de/aerztefortbildung).
Eine Schlüsselrolle hat die Prävention vor Ort, die in den
Lebenswelten der am stärksten betroffenen Gruppen ansetzt und das
persönliche Gespräch ermöglicht. Solche Angebote sind jedoch
vielerorts drastisch unterfinanziert.
"Wer an der Prävention vor Ort spart, wird Infektionen ernten",
sagt DAH-Vorstand Manuel Izdebski.
Pressekontakt:
Deutsche AIDS-Hilfe
Holger Wicht
Pressesprecher
Wilhelmstraße 138
10963 Berlin
Tel. 030 69 00 87 16
holger.wicht@dah.aidshilfe.de
www.aidshilfe.de
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Datum: 03.11.2014 - 14:45 Uhr
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