NOZ: Gespräch mit Jürgen Falter, Parteienforscher
ID: 1144658
höchstwahrscheinlich
Politikwissenschaftler sieht gute Chancen für einen linken
Ministerpräsidenten in Thüringen - Probelauf für den Bund: "Die Linke
wird allmählich salonfähig"
Osnabrück.- Parteienforscher Jürgen Falter räumt dem
Linken-Politiker Bodo Ramelow gute Chancen ein, die Wahl zum
Ministerpräsidenten in Thüringen an diesem Freitag zu gewinnen. In
einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag) sagte
Falter: "Höchstwahrscheinlich schafft es Ramelow und wird der erste
linke Ministerpräsident in Deutschland." Für mögliche Abweichler böte
die Wahl wenig Chancen, erklärte Falter: "Es gibt Zweifler, das ist
bekannt. Allerdings wurde die Wahl im Vorfeld durch Befragungen der
Parteimitglieder und durch die Einigung auf den Koalitionsvertrag so
inszeniert, dass es für Abweichler außerordentlich schwierig wird."
Vielleicht nutzten diese den ersten Wahlgang für einen "Schuss vor
den Bug", doch im zweiten oder dritten Wahlgang werde es vermutlich
gelingen, die Reihen zu schließen, prognostiziert der
Parteienforscher.
Wie schon die schwarz-grüne Koalition in Hessen sei auch die
rot-rot-grüne in Thüringen ein Probelauf für den Bund. "Die Linke
wird allmählich salonfähig", so Falter. Die SPD habe überdies nach
der letzten Bundestagswahl gesagt, sie wolle 2017 offen sein für alle
Optionen, erläuterte der Experte. Der Linke Bodo Ramelow sei überdies
ein Politiker mit Potenzial, schätzt der Politikwissenschaftler ein.
"Er ist unbelastet von irgendwelchen Stasi-Verstrickungen, das hilft
natürlich. Sofern er sein Temperament zügelt und sich zusammenreißt,
könnte er das wirklich hinkriegen", glaubt Falter, Professor am
Institut für Politikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität
Mainz.
In Thüringen steht an diesem Freitag die Wahl des
Ministerpräsidenten an. Zusammen mit der SPD und den Grünen kommt die
Linke im neugewählten Landtag mit 46 Stimmen auf eine knappe Mehrheit
von nur einer Stimme. Die drei Parteien haben sich zuvor bereits auf
einen Koalitionsvertrag geeinigt. Würde Ramelow gewählt, wäre er der
58-Jährige der erste Ministerpräsident der Linken. Sollte Ramelow in
den ersten beiden Wahlgängen scheitern, könnte die CDU, die zusammen
mit der AfD auf 45 Stimmen kommt, den Parteilosen Klaus Dicke ins
Rennen schicken - als Alternative für eventuelle Abweichler aus dem
rot-rot-grünen Lager, hieß es im Vorfeld.
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Datum: 05.12.2014 - 05:00 Uhr
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