Schwäbische Zeitung: Vor Wolf liegt ein langer Weg

Schwäbische Zeitung: Vor Wolf liegt ein langer Weg

ID: 1145117
(ots) - Nun soll es also Guido Wolf für die CDU in
Baden-Württemberg richten. Während die Parteimitglieder in
Oberschwaben Wolf immer als ihren klaren Favoriten für die
Spitzenkandidatur sahen, reiben sich das Unions-Establishment in
Berlin wie die überregionale Presse verwundert die Augen. Für sie war
der Landesvorsitzende Thomas Strobl vor allem wegen seiner
hervorragenden bundespolitischen Kontakte der geborene Herausforderer
von Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Jahr 2016.

Politik kann ungerecht sein. Strobl hat in den vergangenen Jahren
eine völlig verunsicherte CDU übernommen und sie wieder aufgerichtet.
Dennoch ist der Merkel-Vize mit dem Mitgliederentscheid ein hohes
persönliches Risiko eingegangen. Nach der Niederlage dürften seine
Tage als Landesvorsitzender gezählt sein. Wolf muss und wird dieses
Amt anstreben. Die voraussichtliche Wiederwahl von Strobl in den
CDU-Bundesvorstand am kommenden Dienstag ist deshalb nur ein
Trostpflaster.

Es sieht so aus, als ob in Baden-Württemberg die meisten
CDU-Mitglieder einen personellen Neuanfang wollten. Mit Wolf ist ein
Mann gewählt worden, der nicht Teil der Flügelkämpfe zwischen Günther
Oettinger und Annette Schavan war, der auch in der kurzen
Mappus-Phase nicht vorne stand. Ausschlaggebend könnte auch gewesen
sein, dass die Landtagsabgeordneten hinter ihm standen und trotz
manchem Neutralitätsbekenntnis für Wolf getrommelt haben.

Dass vor Wolf dennoch ein langer Weg liegt, erschließt sich aus
der Wahlbeteiligung. Sie lag mit gut 50 Prozent deutlich niedriger
als beim Duell Oettinger/Schavan vor zehn Jahren. Wolf muss jetzt
zeigen, dass er die Partei vollständig hinter sich bekommen und
begeistern kann, um dem grünen Ministerpräsidenten gefährlich werden
zu können. Grün-Rot liegt mit der CDU gleichauf und Kretschmann


genießt bis weit in die Union hinein große Sympathie. Mit einem
platten Anti-Kretschmann-Wahlkampf wird es nicht gehen. Da muss
Programmatik her. Die Schulpolitik wäre ein geeignetes Feld.



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Schwäbische Zeitung
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Datum: 05.12.2014 - 19:44 Uhr
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