Resistent gegen Grippe
ID: 1148132
sistent gegen Grippe
Ob H1N1, H5N1 oder H7N9: Vom Grippevirus Influenza A existiert eine Vielzahl von Typen, da die beiden Hüllproteine Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA) immer wieder neu kombiniert werden. Theoretisch sind über 100 verschiedene Paarungen möglich. Aber auch die Hüllproteine selbst verändern sich immer wieder. Diese Wandelbarkeit des Virus ist einer der Gründe, warum die Grippe-Schutzimpfung jedes Jahr wiederholt werden muss.
Das Hämagglutinin dient dem Virus dabei als Schlüssel, um in die Wirtszellen zu gelangen. Diese kapert es für die Herstellung neuer Viruspartikel. Das Hüllprotein muss, um seine endgültige Form und damit auch seine Funktionalität zu erhalten, durch eine molekulare Schere gespalten werden. Diese Aufgabe übernimmt ein Enzym des infizierten Wirtes. In Zellkultur-Arbeiten konnten bereits verschiedene solcher Proteasen genannte Enzyme identifiziert werden, die genau dies tun.
Wie wichtig diese Enzyme für den Infektionsverlauf sind, zeigen jetzt Wissenschaftler des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung: Mäuse mit einer Mutation im Gen für die Protease Tmprss2 erkranken nicht an Grippeviren, die ein Hämagglutinin vom Typ H1 besitzen. Sie sind damit unter anderem resistent gegen H1N1, also den Erreger der "Schweine-Grippe" aus dem Jahr 2009 oder gegen die gefürchtete "Spanische Grippe" aus dem Jahr 1918. "Diese Mäuse erleiden keinen Gewichtsverlust und ihre Lungen werden kaum geschädigt", sagt Prof. Klaus Schughart, Leiter der Abteilung Infektionsgenetik am HZI. "Zwar vermehren sich die Viren in der Lunge, aber es werden keine aktiven Viruspartikel gebildet, die die umliegenden Zellen infizieren können." Die Infektion kommt rasch zum Erliegen.
Dass es sich bei der Protease Tmprss2 um einen "Wirtsfaktor" handelt, also ein Werkzeug aus dem Repertoire des infizierten Organismus, macht sie zu einem möglichen Angriffspunkt für neue Medikamente. Bisherige Mittel, beispielsweise das bekannte Tamiflu, greifen Bestandteile des Virus an und haben deswegen einen entscheidenden Nachteil: Wenn sich das Virus verändert, kann es resistent werden und die Therapie schlägt nicht mehr an.
Bei einem medikamentösen Eingriff in den Stoffwechsel des Kranken hingegen droht diese Gefahr nicht. Darüber hinaus sind die von Schughart und seinem Team untersuchten Mäuse völlig unauffällig. "Wir haben bei den Mäusen keinen veränderten Phänotyp beobachten können. Sie zeigen keine Beeinträchtigungen im Verhalten oder der Lebenserwartung, vermutlich weil das Fehlen von Tmprss2 im Organismus von verwandten Proteinen kompensiert wird", sagt Dr. Bastian Hatesuer, einer der an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler. Da also nicht mit starken Nebenwirkungen zu rechnen ist, wäre eine kurzzeitige Blockierung von Tmprss2 eine potentielle neue Therapiemöglichkeit.
Auch wenn ein entsprechendes Medikament noch lange nicht in Sicht ist, hat die Beobachtung der Forscher eine andere wichtige Bedeutung: "Bisher wurde nur in Zellkulturen gezeigt, dass die Virusvermehrung von der Protease abhängt", sagt Schughart. "Aber im lebenden Organismus hat das vor uns noch niemand nachweisen können."
Vermutlich gibt es, analog zu den Mäusen von Schughart, auch Menschen, die durch einen Defekt in der entsprechenden Protease resistent gegen bestimmte Grippeviren sind. Jedoch bleiben diese bisher unerkannt: "Diese Menschen werden nicht krank und gehen auch nicht zum Arzt", sagt Hatesuer. "Also wissen sie auch nichts von ihrer Resistenz."
Originalpublikation:
Bastian Hatesuer, Stephanie Bertram, Nora Mehnert, Mahmoud M. Bahgat, Peter S. Nelson, Stefan Pöhlman, Klaus Schughart
TMPRSS2 is essential for influenza H1N1 virus pathogenesis in mice
PLOS Pathogens, 2013, DOI: 10.1371/journal.ppat.1003774
Die Wissenschaftler der Abteilung "Infektionsgenetik" am HZI untersuchen, welchen Einfluss die Gene des Wirts auf die Abwehr einer Infektion mit dem Influenza A-Virus haben.
Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. www.helmholtz-hzi.de
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH (HZI)
Inhoffenstraße 7
38124 Braunschweig
Telefon: +49 (0)531 6181-0
Telefax: +49 (0)531 6181-2655
URL: http://www.helmholtz-hzi.de/
Ob H1N1, H5N1 oder H7N9: Vom Grippevirus Influenza A existiert eine Vielzahl von Typen, da die beiden Hüllproteine Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA) immer wieder neu kombiniert werden. Theoretisch sind über 100 verschiedene Paarungen möglich. Aber auch die Hüllproteine selbst verändern sich immer wieder. Diese Wandelbarkeit des Virus ist einer der Gründe, warum die Grippe-Schutzimpfung jedes Jahr wiederholt werden muss.
Das Hämagglutinin dient dem Virus dabei als Schlüssel, um in die Wirtszellen zu gelangen. Diese kapert es für die Herstellung neuer Viruspartikel. Das Hüllprotein muss, um seine endgültige Form und damit auch seine Funktionalität zu erhalten, durch eine molekulare Schere gespalten werden. Diese Aufgabe übernimmt ein Enzym des infizierten Wirtes. In Zellkultur-Arbeiten konnten bereits verschiedene solcher Proteasen genannte Enzyme identifiziert werden, die genau dies tun.
Wie wichtig diese Enzyme für den Infektionsverlauf sind, zeigen jetzt Wissenschaftler des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung: Mäuse mit einer Mutation im Gen für die Protease Tmprss2 erkranken nicht an Grippeviren, die ein Hämagglutinin vom Typ H1 besitzen. Sie sind damit unter anderem resistent gegen H1N1, also den Erreger der "Schweine-Grippe" aus dem Jahr 2009 oder gegen die gefürchtete "Spanische Grippe" aus dem Jahr 1918. "Diese Mäuse erleiden keinen Gewichtsverlust und ihre Lungen werden kaum geschädigt", sagt Prof. Klaus Schughart, Leiter der Abteilung Infektionsgenetik am HZI. "Zwar vermehren sich die Viren in der Lunge, aber es werden keine aktiven Viruspartikel gebildet, die die umliegenden Zellen infizieren können." Die Infektion kommt rasch zum Erliegen.
Dass es sich bei der Protease Tmprss2 um einen "Wirtsfaktor" handelt, also ein Werkzeug aus dem Repertoire des infizierten Organismus, macht sie zu einem möglichen Angriffspunkt für neue Medikamente. Bisherige Mittel, beispielsweise das bekannte Tamiflu, greifen Bestandteile des Virus an und haben deswegen einen entscheidenden Nachteil: Wenn sich das Virus verändert, kann es resistent werden und die Therapie schlägt nicht mehr an.
Bei einem medikamentösen Eingriff in den Stoffwechsel des Kranken hingegen droht diese Gefahr nicht. Darüber hinaus sind die von Schughart und seinem Team untersuchten Mäuse völlig unauffällig. "Wir haben bei den Mäusen keinen veränderten Phänotyp beobachten können. Sie zeigen keine Beeinträchtigungen im Verhalten oder der Lebenserwartung, vermutlich weil das Fehlen von Tmprss2 im Organismus von verwandten Proteinen kompensiert wird", sagt Dr. Bastian Hatesuer, einer der an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler. Da also nicht mit starken Nebenwirkungen zu rechnen ist, wäre eine kurzzeitige Blockierung von Tmprss2 eine potentielle neue Therapiemöglichkeit.
Auch wenn ein entsprechendes Medikament noch lange nicht in Sicht ist, hat die Beobachtung der Forscher eine andere wichtige Bedeutung: "Bisher wurde nur in Zellkulturen gezeigt, dass die Virusvermehrung von der Protease abhängt", sagt Schughart. "Aber im lebenden Organismus hat das vor uns noch niemand nachweisen können."
Vermutlich gibt es, analog zu den Mäusen von Schughart, auch Menschen, die durch einen Defekt in der entsprechenden Protease resistent gegen bestimmte Grippeviren sind. Jedoch bleiben diese bisher unerkannt: "Diese Menschen werden nicht krank und gehen auch nicht zum Arzt", sagt Hatesuer. "Also wissen sie auch nichts von ihrer Resistenz."
Originalpublikation:
Bastian Hatesuer, Stephanie Bertram, Nora Mehnert, Mahmoud M. Bahgat, Peter S. Nelson, Stefan Pöhlman, Klaus Schughart
TMPRSS2 is essential for influenza H1N1 virus pathogenesis in mice
PLOS Pathogens, 2013, DOI: 10.1371/journal.ppat.1003774
Die Wissenschaftler der Abteilung "Infektionsgenetik" am HZI untersuchen, welchen Einfluss die Gene des Wirts auf die Abwehr einer Infektion mit dem Influenza A-Virus haben.
Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. www.helmholtz-hzi.de
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH (HZI)
Inhoffenstraße 7
38124 Braunschweig
Telefon: +49 (0)531 6181-0
Telefax: +49 (0)531 6181-2655
URL: http://www.helmholtz-hzi.de/
PresseKontakt / Agentur:
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH (HZI)
Inhoffenstraße 7
38124 Braunschweig
Telefon: +49 (0)531 6181-0
Telefax: +49 (0)531 6181-2655
URL: http://www.helmholtz-hzi.de/
Datum: 12.12.2014 - 12:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1148132
Anzahl Zeichen: 9849
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 357 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Resistent gegen Grippe"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
is für Medizin geht an Emmanuelle Charpentier Prof. Emmanuelle Charpentier vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig ist eine der beiden Empfänger des Louis-Jeantet-Preis für Medizin im Jahr 2015. Charpentier erhält den mit 700.000 Schweizer Franken dotierten Preis
Jamming in tumours ...
s Just like healthy cells, tumour cells need nutrients and oxygen in order to survive. For this reason, a tumour of a certain size has to ensure that it is connected to the blood circulation. In doing this, it is supported by cells of the innate immune system, the neutrophil granulocytes or brie
Störfunk im Tumor ...
Wie ein Immunmolekül Krebszellen verhungern lässt Das Eiweißmolekül Interferon-beta (IFN-ß) hat in seinem Namen die gleichen lateinischen Wurzeln wie das englische Wort "interfere", zu Deutsch "einmischen". Genau das tut der Signalstoff, der bei Infektionen und Krebserk
Weitere Mitteilungen von Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI)
sektoraler Heilpraktiker für Physiotherapie Schulung ...
Im Jahr 2015 bietet die Europäische Akademie für Gesundheitsförderung im Rahmen der EAG-Seminare an folgenden Terminen die "Schulung zum sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie" an: 30.01. bis 08.02.15 in Meschede 20.03. bis 29.03.15 in Meschede 17.04. bis 26.04.15 in Berlin 08
DAK-Gesundheit: Stabiler Beitrag und starke Leistung ...
Die DAK-Gesundheit geht mit einem stabilen Beitrag und starken Leistungen ins neue Jahr. Der Verwaltungsrat hat für 2015 einen unveränderten Beitragssatz von 15,5 Prozent beschlossen, was genau im Trend der gesetzlichen Krankenversicherungen liegt. Außerdem besiegelte der Verwaltungsrat die Fusi
Bundesärztekammer - Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern Mitteilung des Vorstandes "Ärzte leisten Hilfe beim Sterben, aber nicht zum Sterben" ...
Die Berufsordnungen der Ärztekammern formulieren einheitlich und bundesweit, dass es die Aufgabe von Ärzten ist, das Leben zu erhalten, die Gesundheit zu schützen und wiederherzustellen, Leiden zu lindern und Sterbenden Beistand zu leisten (§ 1(2) MBO). Vor diesem Hintergrund und mit Blick au
"Keine Reform ohne die Profession der Pflegenden" / Der Präsident des Deutschen Pflegerates Andreas Westerfellhaus spricht auf der Berliner Pflegekonferenz ...
Dieser Satz zum Auftakt der 1. Berliner Pflegekonferenz sollte keine Drohung des Präsidenten des Deutschen Pflegerates (DPR) Andreas Westerfellhaus sein - vielmehr eine Anerkennung "an eine Profession, ohne die in Zusammenarbeit mit den vielen Ehrenamtlichen gute Pflege gar nicht möglich




