?Sie fürchtete, berühmt zu werden? ? MDC-Symposium zum 100. Geburtstag von Prof. Marguerite Vogt

?Sie fürchtete, berühmt zu werden? ? MDC-Symposium zum 100. Geburtstag von Prof. Marguerite Vogt

ID: 1148602

Sie fürchtete, berühmt zu werden" - MDC-Symposium zum 100. Geburtstag von Prof. Marguerite Vogt


Prof. Klein, der Marguerite Vogt bei seinem Besuch am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Kalifornien (USA) 1961 kennengelernt hatte, erläuterte in Berlin-Buch, was ihre Qualitäten ausmachten: "Sie verfügte über großes technisches Können, sehr große Beobachtungsgabe, absolute Hingabe an ihre Arbeit und eine totales Desinteresse an Anerkennung, Erfolg, Aufstieg oder anderen Arten von Bestätigung." Sie habe jedoch großen Einfluss auf die Entwicklung vieler junger Wissenschaftler gehabt, unter ihnen einige spätere Nobelpreisträger. "Marguerite Vogt war einzigartig und sie war ein Vorbild", betonte Prof. Klein.

Neben dem aus Ungarn stammenden Prof. Klein, der den Holocaust überlebte und nach Schweden flüchten konnte, war es den Organisatoren gelungen, auch den aus Deutschland gebürtigen Stammzellforscher Prof. Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institut für biomedizinische Forschung und Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA, für das Symposium als Redner zu gewinnen. Aus Berlin kam die Wissenschaftshistorikerin Dr. Annette Vogt (nicht verwandt) vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, nach Berlin-Buch. Den Vorsitz hatte der Immunologe Prof. Klaus Rajewsky (MDC), der ebenso wie Prof. Jaenisch Schering-Preisträger ist.

Dr. Vogt sprach über die frühen Jahre von Marguerite Vogt in Berlin. Sie wies darauf hin, dass es für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich gewesen sei, dass sowohl Marguerite Vogt, als auch ihre ältere Schwester Marthe, beide Medizin und ein naturwissenschaftliches Fach studierten. Prof. Jaenisch arbeitete vier Jahre im Nachbarlabor von Marguerite Vogt am Salk Institute. Er wies auf ihre bedeutenden Arbeiten in der Virologie und Tumorvirologie hin und sagte "ich habe viel von ihr gelernt". In seinem Vortrag beleuchtete er darüber hinaus Fragen zur Nutzbarmachung von Stammzellen für die Behandlung von Krankheiten.

Marguerite Vogt war die jüngste Tochter von Oskar und Cécile Vogt-Mugnier, die Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts das Kaiser-Wilhelm-Institut-für Hirnforschung in Berlin-Buch aufgebaut hatten. Marguerite Vogt wurde am 19. Februar 1913 in Berlin geboren. Sie studierte Medizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Nach Abschluss ihres Studiums begann sie 1936 bei dem russischen Genetikers Nikolaj V. Timoféeff-Ressovsky am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin-Buch ihre Doktorarbeit, die sie ein Jahr später verteidigte. Danach arbeitete sie als Postdoktorandin bei dem Genetiker Boris Ephrussi in Paris. Von 1939 bis 1950 forschte sie an dem neuen Institut ihres Vaters in Neustadt (Schwarzwald), nachdem die Nazis ihn in Berlin-Buch als Institutsdirektor abgesetzt hatten.

Durch Vermittlung des amerikanischen Genetikers Hermann J. Muller und von Max Delbrück erhielt Marguerite Vogt im Juni 1950 am Caltech bei Delbrück eine neue Postdoktorandenstelle. Muller kannte die Vogts, da er von Ende 1932 bis Ende 1933 als Gastwissenschaftler mit Timoféeff-Ressovsky in Berlin-Buch gearbeitet hatte. Delbrück hatte, bevor er mit einem Rockefeller-Stipendium in die USA ging, in Berlin mit Timoféeff-Ressovsky und Karl-Günter Zimmer die frühe Entwicklung der Molekulargenetik mit auf den Weg gebracht. Auf Vorschlag Delbrücks begann Marguerite Vogt im Sommer 1952 am Caltech ihre langjährige und außerordentlich erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem aus Italien stammenden Molekularbiologen Renato Dulbecco (1914 bis 2012), die sie von 1963 bis 1972 am Salk Institute in La Jolla fortsetzte.

Vogt und Dulbecco: Wegbereiter der molekularen Virusforschung
Ein Höhepunkt dieser Kooperation war der erstmals entwickelte und 1954 von Marguerite Vogt und Renato Dulbecco publizierte Plaque-Test für das Kinderlähmungsvirus (Polio) in der Gewebekultur. Plaques sind tote Zellen in einer sonst gesunden Zellkolonie. Damit konnten sie die Zahl der Viruspartikel bestimmen, ihren Wachstumszyklus aufklären und Virusstämme und ihre Mutanten isolieren. Mit diesen Arbeiten begründeten die beiden Forscher die molekulare Virusforschung. Sie führten auch zur Entwicklung des ersten Impfstoffes gegen das Poliovirus von Jonas Salk. Besondere Verdienste hatten sie auch in der Erforschung krebserzeugender Viren. Sie konnten nachweisen, dass Tumorviren Gene enthalten, die gesunde Zellen in Krebszellen umwandeln.

1973 erhielt Marguerite Vogt am Salk Institut eine Forschungsprofessur (später Professur für Molekular- und Zellbiologie). Noch im hohen Alter arbeitete sie täglich im Labor. Für einen Teuil ihrer gemeinsamen Arbeiten erhielt Dulbecco 1975 den Nobelpreis. Sie selbst erhielt nie einen Preis, doch genoss sie in der Wissenschaft sehr hohes Ansehen. Sie war bereits über 85 Jahre alt, als sie ihre letzte Entdeckung bekannt gab. Sie starb am 6. Juli 2007 im Alter von 94 Jahren in La Jolla.

Das Symposium für Marguerite Vogt geht auf die Initiative des Krebsforschers Prof. Volker Wunderlich (MDC) zurück, der auch einen Beitrag zu Marguerite Vogt verfasst hat (s. untenstehenden link). Es wurde von der Schering Stiftung, dem Freundeskreis des MDC sowie der BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch unterstützt.


Kontakt:

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/

Weitere Informationen zu Marguerite Vogt in einem Beitrag von Prof. Volker Wunderlich siehe link



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Prof. Klein, der Marguerite Vogt bei seinem Besuch am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Kalifornien (USA) 1961 kennengelernt hatte, erläuterte in Berlin-Buch, was ihre Qualitäten ausmachten: "Sie verfügte über großes technisches Können, sehr große Beobachtungsgabe, absolute Hingabe an ihre Arbeit und eine totales Desinteresse an Anerkennung, Erfolg, Aufstieg oder anderen Arten von Bestätigung." Sie habe jedoch großen Einfluss auf die Entwicklung vieler junger Wissenschaftler gehabt, unter ihnen einige spätere Nobelpreisträger. "Marguerite Vogt war einzigartig und sie war ein Vorbild", betonte Prof. Klein.

Neben dem aus Ungarn stammenden Prof. Klein, der den Holocaust überlebte und nach Schweden flüchten konnte, war es den Organisatoren gelungen, auch den aus Deutschland gebürtigen Stammzellforscher Prof. Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institut für biomedizinische Forschung und Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cambridge, USA, für das Symposium als Redner zu gewinnen. Aus Berlin kam die Wissenschaftshistorikerin Dr. Annette Vogt (nicht verwandt) vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, nach Berlin-Buch. Den Vorsitz hatte der Immunologe Prof. Klaus Rajewsky (MDC), der ebenso wie Prof. Jaenisch Schering-Preisträger ist.

Dr. Vogt sprach über die frühen Jahre von Marguerite Vogt in Berlin. Sie wies darauf hin, dass es für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich gewesen sei, dass sowohl Marguerite Vogt, als auch ihre ältere Schwester Marthe, beide Medizin und ein naturwissenschaftliches Fach studierten. Prof. Jaenisch arbeitete vier Jahre im Nachbarlabor von Marguerite Vogt am Salk Institute. Er wies auf ihre bedeutenden Arbeiten in der Virologie und Tumorvirologie hin und sagte "ich habe viel von ihr gelernt". In seinem Vortrag beleuchtete er darüber hinaus Fragen zur Nutzbarmachung von Stammzellen für die Behandlung von Krankheiten.



Marguerite Vogt war die jüngste Tochter von Oskar und Cécile Vogt-Mugnier, die Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts das Kaiser-Wilhelm-Institut-für Hirnforschung in Berlin-Buch aufgebaut hatten. Marguerite Vogt wurde am 19. Februar 1913 in Berlin geboren. Sie studierte Medizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Nach Abschluss ihres Studiums begann sie 1936 bei dem russischen Genetikers Nikolaj V. Timoféeff-Ressovsky am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin-Buch ihre Doktorarbeit, die sie ein Jahr später verteidigte. Danach arbeitete sie als Postdoktorandin bei dem Genetiker Boris Ephrussi in Paris. Von 1939 bis 1950 forschte sie an dem neuen Institut ihres Vaters in Neustadt (Schwarzwald), nachdem die Nazis ihn in Berlin-Buch als Institutsdirektor abgesetzt hatten.

Durch Vermittlung des amerikanischen Genetikers Hermann J. Muller und von Max Delbrück erhielt Marguerite Vogt im Juni 1950 am Caltech bei Delbrück eine neue Postdoktorandenstelle. Muller kannte die Vogts, da er von Ende 1932 bis Ende 1933 als Gastwissenschaftler mit Timoféeff-Ressovsky in Berlin-Buch gearbeitet hatte. Delbrück hatte, bevor er mit einem Rockefeller-Stipendium in die USA ging, in Berlin mit Timoféeff-Ressovsky und Karl-Günter Zimmer die frühe Entwicklung der Molekulargenetik mit auf den Weg gebracht. Auf Vorschlag Delbrücks begann Marguerite Vogt im Sommer 1952 am Caltech ihre langjährige und außerordentlich erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem aus Italien stammenden Molekularbiologen Renato Dulbecco (1914 bis 2012), die sie von 1963 bis 1972 am Salk Institute in La Jolla fortsetzte.

Vogt und Dulbecco: Wegbereiter der molekularen Virusforschung
Ein Höhepunkt dieser Kooperation war der erstmals entwickelte und 1954 von Marguerite Vogt und Renato Dulbecco publizierte Plaque-Test für das Kinderlähmungsvirus (Polio) in der Gewebekultur. Plaques sind tote Zellen in einer sonst gesunden Zellkolonie. Damit konnten sie die Zahl der Viruspartikel bestimmen, ihren Wachstumszyklus aufklären und Virusstämme und ihre Mutanten isolieren. Mit diesen Arbeiten begründeten die beiden Forscher die molekulare Virusforschung. Sie führten auch zur Entwicklung des ersten Impfstoffes gegen das Poliovirus von Jonas Salk. Besondere Verdienste hatten sie auch in der Erforschung krebserzeugender Viren. Sie konnten nachweisen, dass Tumorviren Gene enthalten, die gesunde Zellen in Krebszellen umwandeln.

1973 erhielt Marguerite Vogt am Salk Institut eine Forschungsprofessur (später Professur für Molekular- und Zellbiologie). Noch im hohen Alter arbeitete sie täglich im Labor. Für einen Teuil ihrer gemeinsamen Arbeiten erhielt Dulbecco 1975 den Nobelpreis. Sie selbst erhielt nie einen Preis, doch genoss sie in der Wissenschaft sehr hohes Ansehen. Sie war bereits über 85 Jahre alt, als sie ihre letzte Entdeckung bekannt gab. Sie starb am 6. Juli 2007 im Alter von 94 Jahren in La Jolla.

Das Symposium für Marguerite Vogt geht auf die Initiative des Krebsforschers Prof. Volker Wunderlich (MDC) zurück, der auch einen Beitrag zu Marguerite Vogt verfasst hat (s. untenstehenden link). Es wurde von der Schering Stiftung, dem Freundeskreis des MDC sowie der BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch unterstützt.


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Datum: 13.12.2014 - 04:15 Uhr
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