Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar. Hausärztliche Versorgung gefährdet
Auslaufmodell Selbstverwaltung
Peter Stuckhard
ID: 1150070
schlägt Alarm. Auch wenn man aus NRW-Sicht diesem Missverständnis
schnell erliegen könnte: Das ist keine Parteipolitik. Karl-Josef
Laumanns Mahnungen beziehen sich auf ganz Deutschland. Der drohende
Ärztemangel ist keine Chimäre, er ist längst Realität. Um die
Versorgung in der Fläche zu sichern, bedarf es großer Anstrengungen.
Die Länder müssen mehr Medizinstudienplätze schaffen. Die geplanten
60 an der Uni Bochum für Ostwestfalen sind gut für die Region, aber
nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein abgeschlossenes
Medizinstudium sichert ein sehr ordentliches Einkommen, und das sogar
schon in der Weiterbildungsphase. Nicht nur aus diesem Grund dürfen
sozial angepasste Studiengebühren kein Tabu sein. Gleichzeitig
wachsen die Zweifel daran, dass die ärztliche Selbstverwaltung in der
Lage ist, zur Problemlösung substanziell beizutragen. Gegenüber der
Planwirtschaft bei der Verteilung sogenannter Arztsitze, das sind
gewissermaßen die Arbeitserlaubnisse der Vertragsärzte, hatte die DDR
ein vergleichsweise neoliberales Wirtschaftssystem. Vergleichbar ist
auch die Ineffektivität. Das Prinzip "Gleiches Geld für gleiche
Arbeit" kann nicht dadurch eingelöst werden, dass die Kassen, genauer
die Beitragszahler, das ärztliche Einkommensniveau immer nur weiter
nach oben verschieben. Wenn die regionalen kassenärztlichen
Vereinigungen sich nicht einigen können, muss eben der Gesetzgeber
Vorgaben machen. Genau damit droht Laumann bereits. Und wenn eine
kassenärztliche Vereinigung auf Dauer - in Westfalen-Lippe ist der
Punkt fast erreicht - nicht in der Lage ist, die Versorgung zu
sichern, hat die Ärzteschaft ihre Chancen auf Selbstverwaltung
verspielt. Dann haben Vertragsärzte allerdings nur noch die Wahl,
Kassenangestellte zu werden oder ausschließlich von Privatpatienten
zu leben.
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Datum: 15.12.2014 - 20:45 Uhr
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