Fußballfangewalt: Deutsche Bahn droht mit dem Aus für Fanzüge /"Report Mainz", heute, 16. Dezember 2014, um 21.45 Uhr im Ersten
ID: 1150730
Fußball-Liga. Die Vereine müssten sich in absehbarer Zeit verbindlich
für sogenannte "Fanzüge" entscheiden und diese auch bezahlen. Dieses
erklärte der Leiter DB-Konzernsicherheit der Deutschen Bahn,
Professor Gerd Neubeck, gegenüber dem ARD-Magazin "Report Mainz":
"Wenn niemand bereit ist, dafür auch kostenmäßig einzustehen", so
Neubeck an die Adresse der Vereine, "können wir das von uns aus nicht
dauerhaft finanzieren und dann wird es auch keine entsprechenden Züge
mehr geben können."
Damit reagiert die Bahn auf die zunehmende Gewalt und Zerstörungen
durch Fußballfans in Bahnhöfen und Zügen. Schon 2012 hatten Bahn und
DFL auf einem Fußballfangipfel vereinbart, vermehrt Fanzüge
einzusetzen. Solche Züge werden auf Kosten der Vereine gechartert,
die dann auch für Sicherheit und Schäden aufkommen. Nur 60 solcher
Züge werden pro Jahr nach Informationen des ARD-Magazins gebucht. 3
Millionen Fans transportiert die Bahn insgesamt. Die Vereine stünden
hier in der Verantwortung, sagte Neubeck weiter: "Letztlich sind wir
nicht in der Lage, Fußballspiele damit zu subventionieren, dass wir
die Fans dorthin zu transportieren haben und dann hinterher auf einer
Reihe von Kosten sitzen bleiben."
Hintergrund ist nach Informationen des ARD-Politikmagazins, dass
die Bahn in den kommenden Jahren ihren Wagenpark erneuert. Um die
zusätzlichen Fanzüge anbieten zu können, müsste die Bahn mehr ältere
Züge in Reserve behalten. "Wir können natürlich nur Züge vorhalten,
wenn wir wissen, dass sie benutzt werden", sagte Neubeck. "Wir können
nicht auf Verdacht, nur weil da die Bundesliga spielt, eine Zahl X an
Fahrzeugen bereitstellen, die dann vielleicht nicht abgerufen
werden."
Nach Angaben der Bundespolizei verlagert sich die Gewalt von den
gut gesicherten Stadien immer mehr in den Bahnreiseverkehr. Fast 3000
Straftaten gibt es jährlich durch Fußballfans im Bahnverkehr.
Darunter Raub, Körperverletzungen und Verstöße gegen das
Sprengstoffgesetz. Dazu kommen Sachschäden und Verschmutzungen in
Millionenhöhe.
Die Täter seien häufig nicht zu ermitteln, kritisiert der
Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt im
Interview mit "Report Mainz". Die 2500 Beamten an jedem Wochenende
seinen vollauf damit beschäftigt, die Fans unter Kontrolle zu halten.
"Ganze Züge werden komplett demoliert. Die Scheiben werden
zerschlagen, Notbremsen werden gezogen und es werden die Sitze
aufgeschlitzt", so Wendt, "das alles bleibt eigentlich sanktionslos.
Weil die Polizei auch nicht die Möglichkeit hat, über das hinaus, was
sie jetzt schon macht, dann noch einzelne Sanktionen treffen zu
können, das ist fast nicht möglich."
Für die Reisenden sei die Situation eine "Katastrophe", so Wendt
weiter. "Die Verantwortung nicht nur für den Transport, auch für die
Haftung, muss bei den Vereinen liegen". Um die Sicherheit im
Bahnverkehr zu gewährleisten braucht die Bundespolizei immer mehr
Beamte. Mit den wenigen Fanzügen habe man gute Erfahrungen gemacht,
so der Sprecher der Bundespolizei Koblenz Reza Ahmadi: "Die Leute
benehmen sich in der Regel anders und die Züge sehen lange nicht so
schlimm aus wie die öffentlichen Züge."
Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, forderte
den Verkauf von Eintrittskarten an die Benutzung der Fanzüge zu
koppeln. Dieses Kombi-Ticket-Modell wird in Holland seit Jahren mit
Erfolg praktiziert. Bestimmte Fangruppen erhalten dort ihr Ticket für
ein Auswärtsspiel nur, wenn sie einen Fanzug benutzen, der vom Verein
gechartert werden muss. Für Sicherheit und Schäden haftet dann der
Verein.
Auf Anfrage von "Report Mainz" erklärt die niederländische
Bahnpolizei, dass die Probleme dadurch spürbar zurückgegangen seien.
Ein Modell, was auch die Deutsche Bahn offenbar als denkbare Lösung
sieht: "Wir sind mit holländischen Kollegen im Austausch und
beobachten das auch sehr interessiert", sagte Bahnsicherheitschef
Neubeck. "Diese Kopplungen von Zug und Eintrittskarte ist eigentlich
ein vernünftiger Weg."
Die DFL war gegenüber "Report Mainz" zu keiner Stellungnahme
bereit. Fast zwei Wochen lang hatte das ARD-Magazin um ein Interview
oder eine schriftliche Stellungnahme gebeten. Vergeblich. Die
Vertretung der Profivereine hatte daraufhin nur erklärt, dass man
aufgrund der vielen "Weihnachtstermine" nicht antworten könne.
Weitere Informationen unter www.reportmainz.de. Zitate gegen
Quellenangabe "Report Mainz" frei. Pressekontakt: "Report Mainz",
Tel. 06131/929-33351.
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Datum: 16.12.2014 - 15:04 Uhr
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