Bundeswehr leistet wegen fehlender Hubschrauber keine flächendeckende Seenotrettung
ID: 1153562
Bundeswehr leistet wegen fehlender Hubschrauber keine flächendeckende Seenotrettung
Die massiven Ausrüstungsprobleme bei der Bundeswehr haben auch Folgen für die zivile Seenotrettung. Nach Recherchen des Radioprogramms NDR Info und von Tagesschau.de steht der Bundeswehr bei Notfällen in Nord- und Ostsee momentan nur ein einsatzbereiter Rettungshubschrauber vom Typ "Sea King" zur Verfügung - am Standort des Marinefliegerkommandos im niedersächsischen Nordholz. An den so genannten "Search and Rescue"-Außenstellen (SAR) Helgoland und Warnemünde sind keine Hubschrauber vorhanden. Und das, obwohl diese "ständig besetzt sind" - wie die Marine auf ihrer Internetseite schreibt. Ein Sprecher der Marine teilte auf Anfrage mit, sollte sich die "Materiallage entspannen, kann auch durch die Nutzung dieser Außenstellen der SAR-Dienst intensiviert werden".
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag, Hans-Peter Bartels, bezeichnete diese Situation als "extrem ärgerlich". Er kritisierte, "das Management der Aufgabe Seenotrettung an den Küsten ist momentan nicht perfekt". So liege Nordholz zwar sehr nah an der Nordsee, aber sehr weit von der polnischen Grenze. "Und bis dahin geht der Abdeckungsbereich", erklärte Bartels. Die Seenotrettung habe die Bundeswehr vom Bundesverkehrsministerium übernommen. "Das muss man dann auch leisten können", betonte der SPD-Politiker. Das Verkehrsministerium wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.
Noch deutlichere Kritik kommt von Bundeswehr-Experten. Nach Meinung des Bundesvorsitzenden der "Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr", Oberstleutnant a. D. Reinhard Schlepphorst, ist die Bundeswehr nicht zu einer effektiven Seenotrettung in der Lage. "Bei der derzeitigen Materiallage ist das derzeit nicht möglich", sagte Schlepphorst NDR Info und Tagesschau.de. Hinzu komme, dass die Bundeswehr nicht genug Hubschrauber habe, um ihren Piloten und Besatzungsmitgliedern die Erfahrung mitzugeben, die sie eigentlich bräuchten, um einen sicheren Flugbetrieb durchzuführen. Dass momentan kein einsatzbereiter "Sea King"-Hubschauber auf Helgoland stationiert sei, könne im Notfall bei einem Einsatz in der Region Verzögerungen von bis zu 25 Minuten bedeuten.
Auch in der Wirtschaft ist das Thema angekommen. "Uns sind die Ausrüstungsprobleme im Bereich SAR-Hubschrauber bekannt", so Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder, zu NDR Info und Tagesschau.de. Da private Anbieter im Bedarfsfall einspringen würden, bestehe derzeit keine Gefahr, dass Seeleuten im Notfall nicht geholfen werden könne. "Für die Seeleute an Bord ist entscheidend, dass im Notfall rechtzeitig professionelle Hilfe zur Stelle ist. Dies zu gewährleisten ist Aufgabe der staatlichen Daseinsfürsorge", betonte Nagel allerdings.
Deutschland ist aufgrund eines bereits 1956 abgeschlossenen internationalen Abkommens verpflichtet, in Nord- und Ostsee bei Notfällen eine "flächendeckende Rettungskette" aufzubauen. Verantwortlich dafür sind einer Verwaltungsvereinbarung zufolge die Bundesministerien für Verkehr und Verteidigung.
Nach Angaben der Marine und der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, mit der die Bundeswehr bei der Erfüllung dieser Aufgabe seit Jahrzehnten kooperiert, wird bei Einsätzen mittlerweile vor allem auf zivile Rettungsflieger und auf Hubschrauber zurückgegriffen, deren Finanzierung die Industrie sicherstellt - für Notfälle in Offshore-Windparks etwa. Verzögerungen bei Notfällen aufgrund der defekten Bundeswehr-Hubschrauber habe es "seitens der Marine" noch nie gegeben, so ein Marine-Sprecher weiter. Unklar ist, ob vor allem bei einem nächtlichen Großschaden genügend Rettungshubschrauber verfügbar wären, denn nach offiziellen Angaben haben nur 15 Prozent der zivilen Rettungsflieger eine Zulassung für Nachtflüge.
Rückfragen bitte an: Arne Meyer, NDR Info-Reporterpool, Tel. 040/4156 - 2284
NDR - Norddeutscher Rundfunk
Rothenbaumchaussee 132 - 134
20149 Hamburg
Deutschland
Telefon: +49 (40) 4156-0
Telefax: 00 49 (040) 44 76 02
Mail: info@ndr.de
URL: http://www.ndr.de
PresseKontakt / Agentur:
NDR - Norddeutscher Rundfunk
Rothenbaumchaussee 132 - 134
20149 Hamburg
Deutschland
Telefon: +49 (40) 4156-0
Telefax: 00 49 (040) 44 76 02
Mail: info(at)ndr.de
URL: http://www.ndr.de
Datum: 19.12.2014 - 16:04 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1153562
Anzahl Zeichen: 4596
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 228 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Bundeswehr leistet wegen fehlender Hubschrauber keine flächendeckende Seenotrettung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
NDR - Norddeutscher Rundfunk (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Sendetermin: Sonntag, 10. Januar, 10.00 Uhr, NDR 2 Unzufrieden mit der Zufriedenheit - Frauen mit Mitte 40 wollen es nochmal wissen. Aber was eigentlich? Fragte sich Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy. Sie hat Wut-, Mut- und Blut-Tests gemacht, Meditation probiert, trainierte das Überleben
Tagesschau gewinnt 2015 erneut hinzu - 20-Uhr-Ausgabe erreicht 9,11 Millionen Zuschauer täglich ...
Die Tagesschau bleibt mit großem Vorsprung Deutschlands Fernseh-Nachrichtensendung Nummer eins. Die 20-Uhr-Ausgabe des Marktführers hat im Jahresschnitt 2015 das gute Vorjahresergebnis weiter verbessert und täglich 210.000 Zuschauer hinzugewonnen. 9,11 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer war
Zum 300. Todestag des Sonnenkönigs: ein Abend im Zeichen des französischen Barock bei NDR Das Alte Werk ...
Konzert: Dienstag, 3. November, 20.00 Uhr, Hamburg, Laeiszhalle Sendung: Freitag, 4. Dezember, 20.00 Uhr, NDR Kultur Der französische Cembalist Christophe Rousset und sein 1991 gegründetes Ensemble Les Talens Lyriques widmen ihr Konzert in der Reihe NDR Das Alte Werk den "Musiciens de la
Weitere Mitteilungen von NDR - Norddeutscher Rundfunk
Menschenrechtsbeauftragter zum Welttag gegen die Todesstrafe ...
Zum Internationalen Tag gegen die Todesstrafe erklärte der Beauftragte der Bunderegierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Christoph Strässer, heute (10.10.): Am internationalen Tag gegen die Todesstrafe danke ich allen, die sich gegen diese grausame und unmenschliche Strafe
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Oktober 2014 ...
- Die deutsche Konjunktur durchlief im Sommer eine Schwächephase. - Die Stimmungsindikatoren haben sich auf breiter Front eingetrübt. Die geopolitischen Konflikte haben Unternehmen zunehmend verunsichert. Hinzu kommt die schleppende Erholung im Euroraum mit negativen Effekten auf die Nachfrage
Die Zahlungsbereitschaft ist da: 10 Euro im Monat für erneuerbare Energien ...
Welchen Preis sind Verbraucher bereit, für den Einsatz erneuerbarer Energien zu zahlen? Einen hohen, wie eine Analyse des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) ergeben hat. In einer Meta-Analyse haben die Forscherinnen Swantje Sundt und Katrin Rehdanz Studien ausgewertet, die seit 1996 in
Applaus für 'Wiesbaden Engagiert!' - Deutsches Projekt gewinnt Europäischen Unternehmensförderpreis 2014 ...
Die Initiative "Wiesbaden Engagiert" hat in der Kategorie "Verantwortungsvolles und integrationsfreundliches Unternehmertum" den Europäischen Unternehmensförderpreis 2014 gewonnen. Die feierliche Preisverleihung fand im Rahmen des SME Assembly am 2. Oktober 2014 in Neapel sta




