Pegida und die Medien /
"Das Schweigen macht die Bewegung stark"
ID: 1155386
Pegida-Demonstrationen in Dresden stellen auch regionale Medien auf
eine harte Probe. "Selten hat ein Thema die gesamte Redaktion so
aufgewühlt, nicht nur dienstlich, auch privat lässt es viele Kollegen
nicht mehr los", schreibt der Chef des Reporterpools der "Sächsischen
Zeitung", Heinrich Maria Löbbers, in einem Beitrag für das "medium
magazin" (01/2015). Die Proteste mit ihrem großen Zulauf sorgen für
pausenlose Diskussionen unter Kollegen, wie man mit den Demonstranten
und Lesern umgehen könne.
Löbbers beschreibt in seinem Beitrag die Erfahrungen der
"Sächsischen Zeitung" mit ihren Recherchen und Berichten über Pegida
- und eine gewisse Machtlosigkeit der Redaktion, denn die
Pegida-Organisatoren seien verschlossen und sie forderten auch
Demonstranten auf, nicht mit den Medien zu reden. "Eben dieses
Schweigen macht sie stark", schreibt Löbbers. "Wer nicht mehr redet,
meldet sich ab, nimmt anderen die Chance, zu verstehen." Dabei habe
Pegida durchaus ein wichtiges Thema besetzt, denn es gebe Probleme
mit Zuwanderung, stellt Löbbers im "medium magazin" klar, und auch
seine Zeitung berichte darüber. Ebenso wie über die Hintergründe der
Pegida. So habe die große Seite-3-Geschichte der SZ über die
kriminelle Vergangenheit des noch unter Bewährung stehenden
Wortführers Lutz Bachmann für Aufsehen gesorgt und Kritiker bestärkt.
Der Pegida-Bewegung habe sie aber nicht geschadet, sondern eher die
Vorstellung bestärkt, dass der "linksversifften", "systemtreuen"
"Mainstream-Presse" jedes Mittel recht sei, um den Protest zu
diffamieren.
"Wir müssen möglicherweise mehr als bisher Ängste und Vorbehalte
thematisieren, aber wir benennen auch deutlich die Demagogie und den
Unfug, der dort verbreitet wird", schreibt Löbbers, der auch
leitender Redakteur für Kultur, Reportage und Gesellschaft ist. "Wir
erleben gerade die anstrengende Seite der Demokratie. Lange ist über
Politikverdrossenheit lamentiert worden, jetzt wird die
Verdrossenheit politisch. Ratlosigkeit allüberall. Journalisten, die
es gewohnt sind, die Welt zu erklären, finden keine Antwort auf diese
Ohnmacht, die sich in Wut verwandelt. Stundenlang starren Kollegen
fassungslos in die Abgründe der Facebook-Kommentare, wo sich die
hässliche Seite von Pegida zeigt, während auf den Straßen friedlich
marschiert wird. Hier blanker Hass, dort echte Sorgen. Es bleibt ein
Spagat." Gerade deswegen gelte aber, so Löbbers: "Ja, die Welt ist
komplex. Wir müssen damit klarkommen. Diese Welt wenigstens etwas
begreifbarer zu machen, ist auch eine große Chance für guten
Journalismus."
Das "medium magazin 01/2015" mit dem Titelthema "Journalisten des
Jahres 2014" ist ab 29. Dezember für alle Geräte im iKiosk verfügbar:
http://bit.ly/medium-ePaper. Gedruckte Einzelhefte und Probeabos
können über vertrieb@mediummagazin.de geordert werden.
Pressekontakt:
Annette Milz, Chefredakteurin "medium magazin", Tel 069-95297944,
redaktion@mediummagazin.de
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Datum: 28.12.2014 - 10:40 Uhr
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