Die überforderte Generation. Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft

Die überforderte Generation. Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft

ID: 1160020

e überforderte Generation. Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft


Die Forscher zeigen mit ihrer Studie, dass sich die Lebensläufe in diesem Zeitraum drastisch verändert haben. Die überforderte Generation muss in der Rushhour des Lebens - in der kurzen Zeitspanne etwa zwischen dem 28. und dem 35. Lebensjahr - die beiden zentralen Lebensanforderungen von beruflicher Integration und Familiengründung zeitgleich bewältigen, wohingegen diese Lebensentscheidungen von der skeptischen Generation - also der der Eltern - noch als kontinuierliches Nacheinander erlebt wurden.

Die heute sehr viel längere Ausbildungsphase sowie der überwiegend unsichere Einstieg in eine flexibilisierte Arbeitswelt haben zu einer deutlichen Verzögerung der ökonomischen Selbstständigkeit geführt. Ein angemessenes und sicheres Einkommen, das als Grundlage für die Familienbildung angesehen wird, steht häufig noch gar nicht zur Verfügung, da der ökonomische Strukturwandel zu einer starken Einkommensbenachteiligung der jungen Generation geführt hat. Selbst für junge Akademiker garantiert Bildung nicht mehr unbedingt eine angemessene Existenzsicherung, insbesondere in strukturschwachen Großstädten wie Berlin. Somit muss die Familiengründung oft in kürzester Zeitspanne bewältigt werden, obwohl die Zeit für den Aufbau von Beziehungen aufgrund der erhöhten Anforderungen und Mobilitätserwartungen der Berufswelt viel knapper geworden ist und sie heute vor dem 30. Lebensjahr nicht mehr unbedingt auf eine gemeinsame Zukunft führen.

Diejenigen, die sich trotz des Widerspruchs zwischen den beruflichen Anforderungen und der Entwicklung von Familienbeziehungen für Kinder entscheiden, sind heute ungleich höheren Anforderungen ausgesetzt als noch die skeptische Generation. Denn die skeptische Generation hatte mit dem Modell der klaren innerfamiliären Arbeitsteilung - mit dem Vater als ökonomischem Versorger und der Mutter als Hausfrau - ein eindeutiges Orientierungsmuster für die Organisation von Fürsorge. Dieses Orientierungsmuster stellt für die überforderte Generation kein Vorbild mehr dar, allerdings hat der gesellschaftliche Wandel auch kein neues Muster für die Organisation von Fürsorge hervorgebracht, sodass die Zeit für Fürsorge in jeder Partnerschaft individuell ausgehandelt werden muss. Die Anforderungen und Ansprüche der Eltern an die Sozialisation der Kinder sind demgegenüber im Kontext der höheren Bildungsanforderungen deutlich gestiegen. Paare schaffen sich den familiären Raum für Fürsorge in der Regel dadurch, dass eine Person - meistens die Mütter - ihre Präsenz am Arbeitsmarkt einschränkt. Dieses Muster zeigt sich nicht nur in den USA und in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen europäischen Ländern, also relativ unabhängig von den familienpolitischen Rahmenbedingungen.

Die Forscher zeigen für Deutschland, dass dies eng mit der schlechteren Bezahlung von Berufen zusammenhängt, in denen überwiegend Frauen arbeiten. Die Entscheidung für eine Einschränkung der Arbeitsmarktpräsenz hat allerdings langfristige Benachteiligungen im Beruf zur Folge, weil beruflicher Erfolg nach wie vor eine kontinuierliche Vollzeiterwerbstätigkeit voraussetzt.

Die Analysen wurden anhand des Mikrozensus durchgeführt, der größten repräsentativen Datengrundlage der amtlichen Statistik in Deutschland zur Bevölkerungsstruktur und zur wirtschaftlichen und sozialen Lage. Im Vergleich zur USA haben die Forscher untersucht, inwiefern der strukturelle Wandel in zwei Ländern mit sehr unterschiedlichen politischen Systemen und Kulturen dennoch ähnliche gesellschaftliche Veränderungen hervorgebracht hat. Dabei wurde die Lebenssituation von zwei Generationen gegenübergestellt, der skeptischen Generation der zwischen 1930 und 1940 Geborenen, die ihr junges Erwachsenenalter Anfang der 1970er Jahre erlebt haben, und der überforderten Generation der zwischen 1970 und 1980 Geborenen, die ihr junges Erwachsenenalter im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends erreicht haben.
Originalveröffentlichung

Bertram, Hans/Deuflhard, Carolin (2015): Die überforderte Generation. Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft. Opladen/Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich.
Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans Bertram
Fellow am IGK Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive
Humboldt-Universität zu Berlin
hbertram@sowi.hu-berlin.de

Carolin Deuflhard, M.A.
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrbereich Mikrosoziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
carolin.deuflhard.1@hu-berlin.de


Pressekontakt

Stabsstelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel: 030 2093 2345
pr@hu-berlin.de



(pressrelations) - Generation. Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft


Die Forscher zeigen mit ihrer Studie, dass sich die Lebensläufe in diesem Zeitraum drastisch verändert haben. Die überforderte Generation muss in der Rushhour des Lebens - in der kurzen Zeitspanne etwa zwischen dem 28. und dem 35. Lebensjahr - die beiden zentralen Lebensanforderungen von beruflicher Integration und Familiengründung zeitgleich bewältigen, wohingegen diese Lebensentscheidungen von der skeptischen Generation - also der der Eltern - noch als kontinuierliches Nacheinander erlebt wurden.

Die heute sehr viel längere Ausbildungsphase sowie der überwiegend unsichere Einstieg in eine flexibilisierte Arbeitswelt haben zu einer deutlichen Verzögerung der ökonomischen Selbstständigkeit geführt. Ein angemessenes und sicheres Einkommen, das als Grundlage für die Familienbildung angesehen wird, steht häufig noch gar nicht zur Verfügung, da der ökonomische Strukturwandel zu einer starken Einkommensbenachteiligung der jungen Generation geführt hat. Selbst für junge Akademiker garantiert Bildung nicht mehr unbedingt eine angemessene Existenzsicherung, insbesondere in strukturschwachen Großstädten wie Berlin. Somit muss die Familiengründung oft in kürzester Zeitspanne bewältigt werden, obwohl die Zeit für den Aufbau von Beziehungen aufgrund der erhöhten Anforderungen und Mobilitätserwartungen der Berufswelt viel knapper geworden ist und sie heute vor dem 30. Lebensjahr nicht mehr unbedingt auf eine gemeinsame Zukunft führen.

Diejenigen, die sich trotz des Widerspruchs zwischen den beruflichen Anforderungen und der Entwicklung von Familienbeziehungen für Kinder entscheiden, sind heute ungleich höheren Anforderungen ausgesetzt als noch die skeptische Generation. Denn die skeptische Generation hatte mit dem Modell der klaren innerfamiliären Arbeitsteilung - mit dem Vater als ökonomischem Versorger und der Mutter als Hausfrau - ein eindeutiges Orientierungsmuster für die Organisation von Fürsorge. Dieses Orientierungsmuster stellt für die überforderte Generation kein Vorbild mehr dar, allerdings hat der gesellschaftliche Wandel auch kein neues Muster für die Organisation von Fürsorge hervorgebracht, sodass die Zeit für Fürsorge in jeder Partnerschaft individuell ausgehandelt werden muss. Die Anforderungen und Ansprüche der Eltern an die Sozialisation der Kinder sind demgegenüber im Kontext der höheren Bildungsanforderungen deutlich gestiegen. Paare schaffen sich den familiären Raum für Fürsorge in der Regel dadurch, dass eine Person - meistens die Mütter - ihre Präsenz am Arbeitsmarkt einschränkt. Dieses Muster zeigt sich nicht nur in den USA und in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen europäischen Ländern, also relativ unabhängig von den familienpolitischen Rahmenbedingungen.



Die Forscher zeigen für Deutschland, dass dies eng mit der schlechteren Bezahlung von Berufen zusammenhängt, in denen überwiegend Frauen arbeiten. Die Entscheidung für eine Einschränkung der Arbeitsmarktpräsenz hat allerdings langfristige Benachteiligungen im Beruf zur Folge, weil beruflicher Erfolg nach wie vor eine kontinuierliche Vollzeiterwerbstätigkeit voraussetzt.

Die Analysen wurden anhand des Mikrozensus durchgeführt, der größten repräsentativen Datengrundlage der amtlichen Statistik in Deutschland zur Bevölkerungsstruktur und zur wirtschaftlichen und sozialen Lage. Im Vergleich zur USA haben die Forscher untersucht, inwiefern der strukturelle Wandel in zwei Ländern mit sehr unterschiedlichen politischen Systemen und Kulturen dennoch ähnliche gesellschaftliche Veränderungen hervorgebracht hat. Dabei wurde die Lebenssituation von zwei Generationen gegenübergestellt, der skeptischen Generation der zwischen 1930 und 1940 Geborenen, die ihr junges Erwachsenenalter Anfang der 1970er Jahre erlebt haben, und der überforderten Generation der zwischen 1970 und 1980 Geborenen, die ihr junges Erwachsenenalter im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends erreicht haben.
Originalveröffentlichung

Bertram, Hans/Deuflhard, Carolin (2015): Die überforderte Generation. Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft. Opladen/Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich.
Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans Bertram
Fellow am IGK Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive
Humboldt-Universität zu Berlin
hbertram@sowi.hu-berlin.de

Carolin Deuflhard, M.A.
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrbereich Mikrosoziologie
Humboldt-Universität zu Berlin
carolin.deuflhard.1@hu-berlin.de


Pressekontakt

Stabsstelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel: 030 2093 2345
pr@hu-berlin.de
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
PresseKontakt / Agentur:

Stabsstelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Humboldt-Universität zu Berlin
Tel: 030 2093 2345
pr(at)hu-berlin.de



drucken  als PDF  Umfrage zu Wohnen, Arbeiten, Mobilität - Metropolregion München wird neu vermessen Kunstwärk.de macht einzigartige Kunst bezahlbar
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 14.01.2015 - 14:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1160020
Anzahl Zeichen: 10209

pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen


Diese Pressemitteilung wurde bisher 475 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Die überforderte Generation. Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Humboldt-Universität zu Berlin (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Kannibalismus ohne Erfolg ...
e Erfolg "Der bestandssteigernde Einfluss von Fischbesatz ist bis heute nur unzureichend erforscht", erklärt Fischereiwissenschaftler Daniel Hühn. "Dennoch ist das Einbringen von künstlicher Brut unter Gewässerverantwortlichen übliche Praxis, um zurückgehende Populationen zu

Warum es Deutschland wirtschaftlich so gut geht ...
and wirtschaftlich so gut geht Der erstaunliche Wandel Deutschlands vom ?kranken Mann Europas? zu einer dynamischen und wettbewerbsstarken Volkswirtschaft wird oft auf eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik zurückgeführt, vor allem auf die nach 2002 durchgeführten Hartz-Reformen. Einer neuen Stu

Wissenschaftler beleuchten ?dunkle Materie? in der Biologie ...
eleuchten "dunkle Materie" in der Biologie Die klassische Funktion eines Gens ist die Kodierung von Informationen für die Synthese von Proteinen, die für die Funktion von Zellen essentiell sind. Das Genom des Menschen und anderer Wirbeltiere enthält aber auch solche Gene, die lange


Weitere Mitteilungen von Humboldt-Universität zu Berlin


Umfrage zu Wohnen, Arbeiten, Mobilität - Metropolregion München wird neu vermessen ...
, Arbeiten, Mobilität - Metropolregion München wird neu vermessen Das wollen Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) herausfinden und den Ballungsraum rund um München neu vermessen: In einer Studie untersuchen sie die Entwicklung von Bevölkerung, Arbeitsplätzen und Verkeh

e-teaching.org-Online-Event: Mobile Geräte im Seminar- Ablenkung oder Lernchance? ...
line-Event: Mobile Geräte im Seminar- Ablenkung oder Lernchance? An vielen Schulen sind Smartphones verboten, zumindest während des Unterrichts: Das Ablenkungspotenzial wird als zu hoch eingeschätzt. Doch wie sieht es an Hochschulen aus? Auch Studierende bringen heute diverse mobile Geräte mi

Tiefseetiere gesucht - Manganknollen gefunden ...
cht - Manganknollen gefunden Die Entdeckung begann mit einer Schrecksekunde. Während der aktuellen Expedition des Forschungsschiffs SONNE im tropischen Atlantik lassen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Bord regelmäßig einen sogenannten Epibenthosschlitten auf den mehrere tausend

Bundesgerichtshof setzt Grenzwert der nicht geringen Menge für einige synthetische Cannabinoide fest ...
Das Landgericht Landshut hat den Angeklagten u.a. wegen mehrerer Betäubungsmitteldelikte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Nach den Feststellungen des Landgerichts vertrieb der Angeklagte über einen Internethandel im I


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z