Professor Langwieder: Wir müssen echte Unfälle untersuchen
ID: 1162803
Internationale Konferenz zur Kindersicherheit im Auto bei TÜV SÜD
"Autos werden für Erwachsene gebaut und nicht für Kinder" - was lange Jahre von Experten für Kindersicherheit beklagt wurde, ändert sich nun. Eine positive Entwicklung, die der Begründer der Münchner Kindersicherheitskonferenz "Protection of Children in Cars" und renommierte Unfallforscher Prof. Dr. Klaus Langwieder ganz besonders begrüßte. Allein schon die Teilnahme etlicher Vertreter von Automobilherstellern an der Konferenz zeige dies. Ihre Bemühungen, die Rückhaltesysteme von Rücksitzen für alle Altersgruppen geeignet zu machen, zeigte dabei beispielhaft ein Entwickler von Daimler auf.
Von den Anstrengungen der OEM zum Angebot an Kindersitzen: Hier beklagten die Experten, dass Kindersitze häufig nicht dem Stand von Technik und Forschung entsprächen. So seien immer noch so genannte Sitzerhöhungen ohne wirksame Gurtführung und Rückenlehne auf dem Markt. Begrüßt wurden dagegen neue Sitze, die beispielsweise über eine automatische Anzeige der richtigen Gurtspannung verfügen. Sie helfen, eines der größten und langwierigsten Probleme bei der Kindersicherheit zu vermindern, die falsche Anwendung, von den Experten "Misuse" genannt. Noch im Entwicklungsstadium ist dagegen ein in den Kindersitz integrierter Airbag, den der Hersteller Dorel vorstellte.
Bei der Frage, wie ein Kindersitz im Auto optimal befestigt werden kann, gibt es unterschiedliche Ansätze, wie Vorträge von europäischen und amerikanischen Experten zeigten. Während in der alten Welt das wirksame Isofix-System bevorzugt wird, setzen die Amerikaner auf eine einfachere Lösung namens Latch. Beim Lower Anchors and Tether for Children wird der Kindersitz nicht wie bei Isofix mit starren Rastarmen mit den Haltebügeln des Fahrzeugs verbunden, sondern mit Hilfe von gespannten Gurtbändern. Wegen der weichen Gurtbänder wird dieses System auch als "Soft"-Isofix bezeichnet.
Die fahrzeugseitigen Latch-Verbindungen müssen in den USA seit 2002 in Neuwagen vorhanden sein, während Isofix nicht verpflichtend ist.
Apropos verpflichtend: Als Zulassungsvorschrift und damit Kauforientierung für Kindersitze gilt neben der ECE R44 auch die neue ECE R129. Wesentlicher Unterschied ist, dass nicht mehr das Gewicht, sondern die Körpergröße des Kindes für die Auswahl des Kindersitzes ausschlaggebend ist. Beide Regelungen gelten zunächst parallel. In seinem Schlusswort setzte sich Dr. Klaus Langwieder dafür ein, die Harmonisierung von Vorschriften und Prüfverfahren fortzusetzen.
Mehr Harmonie auch für Dummys. Bei allen Verbesserungen der zurückliegenden Jahrzehnte scheinen nämlich ideale Dummys und Crashverfahren noch nicht gefunden. Vergleichende Crashtests aus Nordamerika mit dem in den USA gebräuchlichen Kinder-Dummy Hybrid III und seinem europäischen "Kollegen" Q10 belegen die Unterschiede. Hier gebe es noch Analysebedarf, betonten die Fachleute.
Die von etlichen Experten nach dem Gründer auch "Langwieder-Konferenz" genannte Veranstaltung von TÜV SÜD befasste sich jedoch nicht nur mit technischen und medizinischen Fragen. Einen Schwerpunkt bildeten soziokulturelle Aspekte. So berichtete eine australische Expertin über eine Untersuchung in Malaysia, nach der kein einziges gesichertes Kind in einem Auto gesichtet wurde. Entsprechend groß ist die Anzahl der bei Unfällen getöteten Kinder eine der höchsten der Welt. Den Gegensatz dazu zeigte ein Vortrag eines Experten aus Finnland, wo 2013 kein Kind unter sechs Jahren im Auto zu Tode kam. Forscher aus Frankreich wiederum untersuchten, auf welchen Fahrten und unter welchen Umständen Kinder bei Unfällen zu Schaden kamen.
Solche Auswertungen sind Langwieder wichtig und er regte ihre Fortsetzung an: "Wir brauchen weitere Unfallforschung und Untersuchung echter Unfälle", sagte er zum Abschluss der Konferenz. Wichtig sei auch die Einbeziehung der neuen, aufstrebenden Märkte in die Bemühungen.
TÜV SÜD ist ein international führender Dienstleistungskonzern mit den Segmenten INDUSTRY, MOBILITY und CERTIFICATION. Als Prozesspartner mit umfassenden Branchenkenntnissen begleiten die Sachverständigen und Berater die gesamte Wertschöpfungskette ihrer Kunden. Sie fokussieren ihre Dienstleistungen auf die Kernkompetenzen Beraten, Testen, Zertifizieren und Ausbilden. Fast 20.000 Mitarbeiter sorgen an über 800 Standorten in Europa, Amerika, Asien und Afrika für die Optimierung von Technik, Systemen und Know-how. Weitere Informationen unter www.tuev-sued.de.
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
TÜV SÜD ist ein international führender Dienstleistungskonzern mit den Segmenten INDUSTRY, MOBILITY und CERTIFICATION. Als Prozesspartner mit umfassenden Branchenkenntnissen begleiten die Sachverständigen und Berater die gesamte Wertschöpfungskette ihrer Kunden. Sie fokussieren ihre Dienstleistungen auf die Kernkompetenzen Beraten, Testen, Zertifizieren und Ausbilden. Fast 20.000 Mitarbeiter sorgen an über 800 Standorten in Europa, Amerika, Asien und Afrika für die Optimierung von Technik, Systemen und Know-how. Weitere Informationen unter www.tuev-sued.de.
Datum: 21.01.2015 - 10:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1162803
Anzahl Zeichen: 5059
Kontakt-Informationen:
Stadt:
München
Kategorie:
Auto & Verkehr
Diese Pressemitteilung wurde bisher 383 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Professor Langwieder: Wir müssen echte Unfälle untersuchen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
TÜV SÜD AG (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Aufzugsbranche steht vor einem Umbruch. Die EN 81-20 und EN 81-50 werden durch die ISO 8100-1 und ISO 8100-2 abgelöst, die umfangreicher sind und detailliertere Anforderungen enthalten. Auch gültige Zertifikate nach den alten Normen müssen angepasst und neu ausgestellt werden. TÜV SÜD unter
TÜV SÜD gibt Tipps für bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr ...
Wenn es morgens später hell und abends früher dunkel wird, steigt die Unfallgefahr auf den Straßen. Radfahrer, Fußgänger und auch Haustiere sind in der Dämmerung und Dunkelheit häufig zu spät zu erkennen. Mit der richtigen Beleuchtung und reflektierender Ausstattung lässt sich dieses Risiko
TÜV SÜD gibt Tipps für bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr ...
Wenn es morgens später hell und abends früher dunkel wird, steigt die Unfallgefahr auf den Straßen. Radfahrer, Fußgänger und auch Haustiere sind in der Dämmerung und Dunkelheit häufig zu spät zu erkennen. Mit der richtigen Beleuchtung und reflektierender Ausstattung lässt sich dieses Risiko
Weitere Mitteilungen von TÜV SÜD AG
MPU als Weg ? neues Buch zeigt die ideale Vorbereitung für die MPU-Prüfung ...
Wenn der Führerschein dauerhaft in Gefahr ist, ist es wichtig, sich gründilch auf die "Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung" vorzubereiten. "MPU als Weg" bietet die ideale Vorbereitung für die MPU-Prüfung. Gerhard Schmey begleitet den Leser in seinem Buch von Beginn seine
So kommen Autofahrer sicher durch den Winter / ADAC: Leichtsinn wird mit Punkten und Bußgeld bestraft ...
Verkehrssituationen im Winter können durch Eis und Schnee auf den Straßen gefährlich werden. Wer das auf die leichte Schulter nimmt, begibt sich auch rechtlich auf Glatteis und riskiert Bußgelder und Punkte in Flensburg. Der ADAC hat Tipps zusammengestellt, wie Autofahrer sicher und ohne Geld
Rückfahrvideosysteme schützen vor kostspieligen Schäden ...
Rückfahrvideosysteme geben Kraftfahrern in unübersichtlichen Situationen Sicherheit und können Unfälle vermeiden. Bei winkler erhalten Nutzfahrzeughalter neben einfachen Rückfahrvideosystemen mit einem 150 Grad Sichtfeld auch Systeme mit dem 360 Grad "birdview", der dem Fahrer einen
winkler auf der Tier&Technik ...
Der Nutzfahrzeugteile-Spezialist winkler stellt vom 19. bis 22. Februar sein Produkt- und Leistungsspektrum auf der internationalen Fachmesse Tier&Technik in St. Gallen vor. Am Stand 1.0.31 in Halle 1 erwarten Landwirte, Lohnunternehmer und Werkstattkunden fundierte Beratung und ein umfangreich




