BfR-Studie zur Risikowahrnehmung: Deutsche Verbraucher sehen mehrheitlich die Tierhaltung als Ursache für Antibiotikaresistenzen
ID: 1163625
BfR-Studie zur Risikowahrnehmung: Deutsche Verbraucher sehen mehrheitlich die Tierhaltung als Ursache für Antibiotikaresistenzen
Handlungsbedarf besteht aus wissenschaftlicher Sicht bei Human- und Tiermedizin
In der öffentlichen Diskussion werden überwiegend die Tierhaltung und der dort beobachtete vermehrte Einsatz von Tierarzneimitteln als Ursachen für die Zunahme von Antibiotikaresistenzen angesehen. Entspricht dieses mediale Bild auch der Meinung der Bevölkerung? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer repräsentativen Untersuchung gefragt, was die Menschen in Deutschland tatsächlich über das Vorkommen krank machender Bakterienstämme und über Antibiotikaresistenzen wissen. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland glauben laut einer aktuellen repräsentativen Befragung des BfR, dass Antibiotikaresistenzen am ehesten durch die Tierhaltung verursacht werden. Antibiotikaresistenzen betreffen aber die Humanmedizin ebenso wie die Tiermedizin und die Landwirtschaft. Die Herausforderungen können nur gemeinsam gelöst werden. "Die große Mehrheit der Verbraucher hat zwar bereits von antibiotikaresistenten Bakterien gehört. Allerdings vermuten die meisten Befragten solche Keime eher nicht im eigenen Haushalt", äußerte sich Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR auf dem Forum "Herausforderung Antibiotikaresistenz - eine ganzheitliche Betrachtung und neueste Erkenntnisse zur Risikowahrnehmung" am 22. Januar 2015 anlässlich der "Internationalen Grünen Woche" in Berlin. "Krank machende Bakterien werden generell seitens der Bevölkerung weniger im eigenen Haushalt, sondern im öffentlichen Raum und in Krankenhäusern sowie in Tierställen vermutet." Hier sei also noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten, damit sich Verbraucher besser schützen können.
Das BfR hat zur Beantwortung der Frage, wie die deutschen Verbraucher das Thema Antibiotikaresistenzen einschätzen, eine repräsentative Flash-Befragung angewendet. Laut dieser Umfrage sind Antibiotikaresistenzen bei der großen Mehrheit der Verbraucher in Deutschland bekannt und stehen im Vergleich mit anderen Verbraucherthemen an vorderster Stelle. 82 % der Befragten gaben an, bereits von Antibiotikaresistenzen gehört zu haben, 64 % der Verbraucher sind über das Thema beunruhigt. Obwohl die Problematik in weiten Teilen der Bevölkerung bekannt ist, hält es nur eine Minderheit von knapp 20 % für wahrscheinlich, im eigenen Haushalt mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen. Ein Großteil der Befragten erwartet somit auch keine resistenten Bakterien im eigenen Haushalt. Deutlich wahrscheinlicher ist es aus Sicht der Befragten, in der Öffentlichkeit (z. B. öffentlicher Personenverkehr) mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen (59 %). 90 % der Befragten und damit die überwiegende Mehrheit sagen, dass sie wissen, wie man sich im eigenen Haushalt vor krankheitserregenden Bakterien schützen kann. Genannt werden hier vor allem häufiges Händewaschen (39 %), das Achten auf Hygiene (35 %), die Verwendung von Desinfektionsmitteln (34 %) und gründliches Reinigen (31 %).
Als Ursache für die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen wird von der Mehrheit der Befragten (53 %) der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung genannt. Wird die Ursache für Antibiotikaresistenzen im Antibiotikaeinsatz beim Menschen gesehen, so wird am häufigsten die fehlerhafte Verschreibung vom Arzt (43 %) angeführt, ein Drittel vermutet eine fehlerhafte Anwendung der Medikamente durch die Patienten.
Die Ergebnisse zeigen, dass es ein ausgeprägtes Bewusstsein für das Problem der Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Bevölkerung gibt. Die Ursache hierfür wird seitens der deutschsprachigen Bevölkerung hauptsächlich im Bereich der Tierhaltung gesehen, nur ein Viertel der Befragten nennt die Humanmedizin als Ursprung. Dass man mit antibiotikaresistenten Bakterien im eigenen Haushalt in Kontakt kommen könnte, glauben nur wenige Befragte.
Diese ersten Ergebnisse, die jetzt im aktuellen "BfR-Verbrauchermonitor Spezial" veröffentlicht sind, werden im Frühjahr 2015 durch weitere Ergebnisse aus einer umfassenden Untersuchung über die Wahrnehmung und Einstellung von Verbrauchern und weiterer relevanter Gruppen wie Veterinär- und Humanmediziner ergänzt. Um die wichtige Frage zu klären, inwieweit die Risikowahrnehmung der Öffentlichkeit medial geprägt und beeinflusst ist, wird diese Untersuchung von einer Medienanalyse flankiert, die sich der medialen Darstellung der Thematik Antibiotikaresistenzen im Zeitraum 2008 - 2013 widmet.
Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Thielallee 88-92
14195 Berlin
Deutschland
Telefon: +49-(0)30-8412-4300
Telefax: +49-(0)30-8412-4970
Mail: pressestelle@bfr.bund.de
URL: http://www.bfr.bund.de/
PresseKontakt / Agentur:
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Thielallee 88-92
14195 Berlin
Deutschland
Telefon: +49-(0)30-8412-4300
Telefax: +49-(0)30-8412-4970
Mail: pressestelle(at)bfr.bund.de
URL: http://www.bfr.bund.de/
Datum: 22.01.2015 - 17:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1163625
Anzahl Zeichen: 5596
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 370 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"BfR-Studie zur Risikowahrnehmung: Deutsche Verbraucher sehen mehrheitlich die Tierhaltung als Ursache für Antibiotikaresistenzen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
BfR startet Forschungsprojekt zur Gruppierung von Nanomaterialien in Gefährdungskategorien Am 14. und 15. Januar 2016 haben sich am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) internationale Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Behörden und Industrie zur gemeinsamen Auftaktveranstaltung f
Wild und Wein - aber sicher ...
BfR gibt Verbrauchertipps auf der Internationalen Grünen Woche 2016 Was ist eigentlich Wein, welche Kategorien und Qualitätsklassen gibt es und welche Verfälschungen? Worauf sollte beim Verzehr von Rohwurst aus Wildfleisch geachtet werden? Antworten auf diese und weitere Fragen erhalten Besu
Übertragbare Colistin-Resistenz in Keimen von Nutztieren in Deutschland ...
BfR weist auf die Übertragbarkeit eines Resistenzgens in der Human- und Veterinärmedizin hin Erste Untersuchungsergebnisse aus dem Resistenzmonitoring am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zeigen, dass das erstmalig in China nachgewiesene übertragbare Gen mcr-1, das eine Resistenz geg
Weitere Mitteilungen von Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Deutschland versteht sein Handwerk ...
20.01.2015 Das klassische Handwerk wurde weitgehend durch automatisierte Produktionsprozesse verdrängt. In Deutschland existieren nur noch wenige traditionelle Manufakturen. Inzwischen erleben diese eine Renaissance. Sie stehen mehr und mehr für besondere Qualität und Wertigkeit. Eine dieser Ma
Anupama Massage München ...
Anupama Massage bietet außergewöhnliche Wellnesserlebnisse. Entspannende Massagen wie z.B. die Hawaiianische Lomi Lomi Nui oder die Ayurvedische Ölmassage schaffen den perfekten Ausgleich zum hektischen Alltag. Finden Sie wieder zu sich, tanken Sie neue Kräfte, entgiften Sie Ihren Körper. A
Medikationsplan im E-Health-Gesetz - für TK-Versicherte schon heute Realität ...
Der Referentenentwurf des E-Health-Gesetzes sieht vor, dass Patienten Anspruch auf einen Medikationsplan erhalten sollen. Dieser soll Patienten und Ärzten eine Übersicht der verordneten Medikamente bieten. Voraussetzung: Sie bekommen mindestens fünf Arzneimittel verordnet. Für Versicherte de
Münchener Verein - mit Biss ins neue Jahr / Nachfrageboom in der Zahnzusatzversicherung und rund 12% Pflege-Marktanteil lassen den Versicherer 2015 kraftvoll starten (FOTO) ...
Im abgelaufenen Geschäftsjahr begegnete die Versicherungsgruppe den schwierigen Marktbedingungen und den Herausforderungen wie dem Niedrigzinsumfeld, dem Lebensversicherungsreformgesetz und der Pflegereform mit Wachstum in den strategischen Geschäftsfeldern private Pflege- und Krankenzusat




