"European Private Equity Outlook 2015": Zurückhaltung am Private Equity-Markt steigt - Optimismus der Branche lässt nach
ID: 1175054
- Neue Roland Berger-Studie: Nur 62 Prozent der Befragten erwarten
2015 mehr M&A-Transaktionen mit Beteiligung von Private
Equity-Gesellschaften - 20 Prozent weniger als 2014
- Großbritannien bleibt der größte M&A-Markt (2,1%)
- Fokus der Übernahmen liegt beim Mittelstand: In 86 Prozent der
Fälle beträgt der Transaktionsvolumen maximal 250 Millionen Euro
- Hohe Liquidität führt zu sinkenden Renditen
- Drei Viertel der PE-Experten halten eine Erneuerung ihres
aktuellen Geschäftsmodells für notwendig
Die europäische Private Equity-Branche blickt verhalten ins neue
Jahr: Rechneten 2014 noch 82 Prozent der Marktteilnehmer mit einer
steigenden Anzahl von Transaktionen, so sind es aktuell nur noch 62
Prozent. 18 Prozent glauben sogar, dass der Markt rückläufig sein
wird, so das Ergebnis der neuen Studie "European Private Equity
Outlook 2015" von Roland Berger Strategy Consultants.
"Der europäische Private Equity-Markt wächst noch, doch die
Euphorie des vergangenen Jahres hat sich etwas gelegt", sagt Roland
Berger-Partner Gerd Sievers. "Der Erfolg der Branche hängt vor allem
von attraktiven Übernahmekandidaten ab. Doch auch die Volatilität der
Märkte wirkt sich oft negativ auf die internationalen Übernahmen
aus."
Gedämpfte Stimmung auf dem europäischen PE-Markt
Die ersten Anzeichen einer Abkühlung gab es bereits 2014: Rund ein
Drittel der Befragten schlossen weniger Transaktionen ab als
erwartet. Hauptgründe waren fehlende attraktive Übernahmekandidaten
(28%) sowie mit jeweils 22 Prozent das verschlechterte geopolitische
Umfeld und überhöhte Preisvorstellungen der Verkäufer.
Dieser Trend setzt sich auch 2015 fort: Die europäischen
M&A-Märkte werden langsamer wachsen. So wird Großbritannien, der
wichtigste Markt für Firmenübernahmen, voraussichtlich nur noch um 2
Prozentpunkte zunehmen, die Iberische Halbinsel und Italien jeweils
um 1,8 Prozent. Der deutsche Akquisitionsmarkt wird um 1,7 Prozent
wachsen. Schlusslichter sind Frankreich, Österreich und die Schweiz:
Hier rechnen die PE-Experten mit einer Zunahme der Transaktionen um
gerade mal 0,5 Prozent. Einziger Markt, der seit drei Jahren erstmals
wieder leicht wächst, ist Griechenland (0,6%).
Mit Blick auf die relevantesten Branchen bleiben die Bereiche
Pharma und Healthcare (49%), Konsumgüter und Handel (48%) sowie
Technologie und Medien (46%) Spitzenreiter. Weniger Akquisitionen
gibt es hingegen in der Automobilindustrie (10%) und in der
Chemiebranche (13%). Sehr schwach zeigt sich auch der Energiesektor
(22%). "Der große Umbruch der Branche, der durch die Veränderungen in
der Energiepolitik erwartet wurde, ist bislang ausgeblieben", erklärt
Sievers.
Mittelstand weiterhin im Fokus
Zurückhaltend zeigt sich die PE-Branche auch beim
Transaktionsvolumen. So gehen 86 Prozent der Studienteilnehmer davon
aus, dass die meisten Abschlüsse in einer Größenordnung von bis zu
250 Millionen Euro stattfinden werden. 61 Prozent glauben sogar, dass
die meisten Transaktionen im laufenden Jahr nur einen Wert unter 100
Millionen Euro erreichen werden.
"Die starke Fokussierung auf kleinere Transaktionen liegt vor
allem an der besseren Verfügbarkeit mittelständischer Unternehmen auf
dem Markt", erläutert Roland Berger-Partner Sascha Haghani. "Hinzu
kommt sicherlich die Volatilität der Märkte: In unsicheren Zeiten, in
denen große geopolitische und konjunkturelle Unsicherheiten
herrschen, sind Investoren eher vorsichtig."
So spielen bei der Entwicklung der M&A-Aktivitäten im Jahr 2015
für die Befragten vor allem diese Faktoren eine sehr wichtige Rolle:
Die Verfügbarkeit von geeigneten Übernahmezielen (43%), die
gesamtwirtschaftliche Lage (33%) und die Entwicklung der Kaufpreise
(23%). Der Eurokrise messen Investoren hingegen nur eine geringe
Rolle bei (13%).
Hohe Liquidität im Markt führt zu sinkenden Renditen
Im laufenden Jahr wollen PE-Gesellschaften weiterhin in neue
Firmen investieren (34%) und die bestehenden Portfoliounternehmen
strategisch und operativ weiterentwickeln (31%). Nur ein Viertel der
Befragten plant aktuell, Firmenbeteiligungen zu veräußern. Im
Vergleich zum Vorjahr ist außerdem das Thema Fundraising wichtiger
geworden (17%). Die Hälfte der Studienteilnehmer befürchtet aber
auch, dass der Wettbewerb um frisches Kapital größer wird. "Es gibt
derzeit zwar sehr viel Liquidität im Markt, aber wegen der oft zu
hohen Preisvorstellungen sinken die Renditen auf ein Niveau, das für
PE-Investoren unattraktiv ist", erklärt Sievers.
Doch noch dringender für die Branche ist die Notwendigkeit, das
Private Equity-Geschäftsmodell in seiner aktuellen Form zu erneuern.
So sind drei Viertel der europäischen Umfrageteilnehmer zum ersten
Mal der Meinung, dass ihr Geschäftsmodell nicht mehr zeitgemäß ist.
"Das Konzept reiner Finanzbeteiligungen funktioniert heute nicht
mehr", warnt Sievers. "Um erfolgreich zu agieren, müssen Investoren
ihre Portfoliounternehmen aktiv managen. Es geht hier nicht nur um
operative Maßnahmen wie Effizienzprogramme und Auslagerungen, sondern
vor allem um strategische Entwicklungen, wie etwa die Erschließung
neuer Märkte. Denn nur so können sich Portfoliounternehmen
weiterentwickeln und ihren Marktwert steigern."
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Datum: 19.02.2015 - 10:00 Uhr
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