McKinsey-Studie: Autonomes Fahren verändert Autoindustrie und Städte
ID: 1180290
Geschäftsmodelle - Autohersteller mit neuen Differenzierungsmerkmalen
- Auswirkungen auch auf Warenlogistik, Stadtplanung und
Kfz-Versicherungen
Selbstfahrende Autos werden die Automobilindustrie in den
kommenden Jahrzehnten grundlegend verändern. Autohersteller können
rund um diese neue Technologie innovative Geschäftsmodelle aufbauen,
beispielsweise durch Unterhaltungsangebote oder individuell
zugeschnittene Wartungspakete, die das Fahrzeug in die
herstellereigenen Werkstätten lotsen. Gleichzeitig müssen sich
Unternehmen auf kürzere Entwicklungszyklen und neue Wettbewerber aus
der IT- und High-Tech-Branche einstellen. Autonomes Fahren hat zudem
das Potenzial, andere Sektoren wie die Logistik, Versicherungen und
die Stadtplanung zu verändern. Dies sind die Ergebnisse einer
aktuellen Studie von McKinsey & Company mit dem Titel "Autonomous
Driving - 10 ways in which autonomous vehicles could reshape our
lives".
"Auch wenn es noch dauern wird, bis wir selbstfahrende Autos in
großer Zahl auf der Straße sehen, sollten sich Autohersteller schon
jetzt mit den möglichen Konsequenzen auseinander setzen. Die
Unternehmen sollten den Technologiesprung durch das vernetzte Auto
als Chance begreifen", sagt Detlev Mohr, Leiter der europäischen
Automobilberatung von McKinsey. Selbstfahrende Fahrzeuge könnten
beispielsweise die Servicezentren der eigenen Marke bevorzugt
anfahren - mit gravierenden Konsequenzen für die unabhängigen
Werkstätten, die heute 80 Prozent des Marktes ausmachen. Die Zeit,
die durch selbst fahrende Autos für den Fahrer frei wird, kann
ebenfalls genutzt werden. "Jede zusätzliche Minute im Auto, in der
die Menschen ungestört mobil im Internet surfen, bietet weltweit ein
Umsatzpotenzial von fünf Milliarden Euro jährlich", erläutert Mohr.
Anderseits könnten branchenfremde Unternehmen, beispielsweise aus
der IT-und High-Tech-Industrie, die Umbruchphase gezielt nutzen, um
das bestehende Geschäftsmodell der Automobilindustrie anzugreifen.
"Autofirmen müssen daher überlegen, welche kritischen Punkte an der
Schnittstelle zwischen Auto und Software sie langfristig beherrschen
sollten", erläutert Dominik Wee, Partner im Münchener Büro von
McKinsey und Mitautor der Studie. "Wer als Hersteller nicht auf
'autonomes Fahren' setzt, muss andere Differenzierungsmerkmale wie
Umweltfreundlichkeit, Performance oder einen günstigen Preis finden."
Autonomes Fahren ist nicht nur für die Autoindustrie ein Thema.
Die Veränderungen für andere Branchen und ganze Städte werden
tiefgreifend sein:
- In kontrollierbaren Umgebungen - wie in der Landwirtschaft oder
im Bergbau - werden selbstfahrende Fahrzeuge schon heute
eingesetzt. Arbeitskosteneinsparungen von bis zu 90 Prozent und
CO2-Vermeidung bis 60 Prozent sind dadurch möglich.
Mittelfristig könnten in der Logistik vollautomatisierte Lkw
beispielsweise eine bessere Flottenauslastung ermöglichen und
Lieferketten effizienter machen.
- Kombiniert mit neuen Mobilitätsangeboten wie Car-Sharing haben
selbstfahrende Autos das Potenzial, das Taxi- und
Mietwagengeschäft zu verändern. Die Zahl der Fahrzeuge im
Car-Sharing wuchs in den vergangenen fünf Jahren um über 30
Prozent pro Jahr, die Zahl der Nutzer um 41 Prozent.
Investitionen in Start-Ups, die neue Mobilitätsdienstleistungen
anbieten, stiegen von 44 Mio. US-Dollar (2010) auf 5,1 Mrd.
Dollar 2014.
- Dies hat auch Auswirkungen auf den verfügbaren Platz in
Innenstädten. Automatisches Parken außerhalb der Stadtzentren
und mögliche engere Parkplätze, in die Autos vollautomatisch
manövrieren, könnten beispielsweise in den USA 25 Prozent des
Parkraums für eine andere Nutzung freimachen.
- Derzeit verbringen täglich mehr als 1,2 Milliarden Menschen
durchschnittlich 50 Minuten pro Tag im Auto - oft im Stau.
Automatisiertes Fahren kann den Verkehrsfluss verbessern und die
Zeit im Auto nutzbar machen.
- Das Geschäftsmodell der Kfz-Versicherungen steht vor massiven
Änderungen. Bisher stehen individuelle Versicherungen aller
Verkehrsteilnehmer gegen menschliches Versagen im Fokus, künftig
liegt das Augenmerk auf der Versicherung weniger Autohersteller
sowie Flottenorganisationen gegen technisches Versagen der
Fahrzeuge.
- Von allen Unfallarten sind die im Straßenverkehr in den USA die
zweithäufigste Todesursache. 90 Prozent der Unfälle liegen an
menschlichem Versagen - autonomes Fahren hat das Potenzial, die
Zahl der Unfälle drastisch zu reduzieren.
- Vollautonome Fahrzeuge und Roboter beruhen auf ähnlichen
Technologien. Die zunehmende Verbreitung selbstfahrender Autos
wird daher auch den Markterfolg von Robotern in anderen
Bereichen beschleunigen.
Über McKinsey
McKinsey & Company ist die in Deutschland und weltweit führende
Unternehmens¬beratung für das Topmanagement. 27 der 30 DAX-Konzerne
zählen aktuell zu den Klienten. In Deutschland und Österreich ist
McKinsey mit Büros an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am
Main, Hamburg, Köln, München, Stuttgart und Wien aktiv, weltweit mit
über 100 Büros in mehr als 60 Ländern.
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Martin Hattrup, Telefon 0211 136-4516,
E-Mail: martin_hattrup@mckinsey.com
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Datum: 03.03.2015 - 09:19 Uhr
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