Südwest Presse: KOMMENTAR · ALLEINERZIEHENDE
ID: 1200327
Als "echte Helden" hat SPD-Fraktionschef Oppermann die
Alleinerziehenden gelobt. Was diese leisten, hat in der Tat heroische
Qualitäten: Den Lebensunterhalt bestreiten, den Haushalt schmeißen,
die Rolle von Vater und Mutter gleichzeitig übernehmen, die
Hausaufgaben betreuen - und nicht zuletzt die Sorgen und Nöte der
Kinder teilen. Wer diese Energie aufbringt und dabei die Nerven
bewahrt, verdient Bewunderung. Nur: Davon kann man nichts kaufen,
weder Schuhe noch Schulranzen. Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden
ist besonders groß - 40 Prozent von ihnen beziehen Hartz IV, oft als
Aufstocker, weil das Einkommen aus Minijobs oder Teilzeitarbeit und
Unterhalt nicht reicht, um die Familie durchzubringen. Aus diesem
Kreislauf kommen die Betroffenen selten heraus. Sie sind auf lange
Sicht benachteiligt - bis hin zur später drohenden Armut im Alter.
Die Erhöhung des steuerlichen Entlastungsbetrag ist nach zehn Jahren
überfällig. Studien haben ergeben, dass diese Form der Unterstützung
besonders wirksam ist. Sie erreicht mehr als eine Million Haushalte,
entlastet Alleinerziehende spürbar und macht zudem eine
Erwerbstätigkeit attraktiver, mit der sie Hartz IV entrinnen können.
Erziehende Väter oder Mütter sind aber auch auf ein soziales
Netzwerk, Hilfe durch Freunde oder Nachbarn und gute
Betreuungsmöglichkeiten angewiesen. Hier können Gesellschaft und
Politik noch nachlegen. Leider existieren immer noch Vorbehalte gegen
Familien, die nicht dem traditionellen Muster entsprechen. Dabei kann
man von Alleinerziehenden einiges lernen. Auch gelebte Lebensfreude
trotz aller Widrigkeiten.
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Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 16.04.2015 - 18:46 Uhr
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