Deutsche AIDS-Hilfe: Weniger Drogentote sind möglich / Strafverfolgung schadet der Gesundheit / Bayerns rückständige Drogenpolitik kostet Menschenleben
ID: 1202116
erneut gestiegen. Die häufigste Todesursache war weiterhin der Konsum
von Heroin in Verbindung mit anderen Substanzen. Das haben das
Bundeskriminalamt und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung,
Marlene Mortler (CSU), heute in ihrem Rauschgiftlagebericht
mitgeteilt.
Zehn Bundesländer ohne Drogenkonsumräume
Dazu erklärt Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe
(DAH): "Jedes Jahr aufs Neue wird die steigende Zahl der Drogentoten
beklagt. Dabei ließe sie sich durch einige einfache Maßnahmen
drastisch senken. Drogenkonsumräume retten nachweislich Leben und
verhindern HIV- und Hepatitis-Infektionen. Trotzdem verzichten zehn
Bundesländer noch immer darauf. Ihrer drogenpolitischen
Rückständigkeit opfern sie das Leben und die Gesundheit vieler
Menschen."
Verfolgung ist ein Irrweg
Die ebenfalls gestiegene Zahl von erfassten Rauschgiftdelikten ist
Ausdruck eines hohen Verfolgungsdrucks, der sich kontraproduktiv
auswirkt: Er treibt Menschen in die Illegalität, wo Hilfsangebote sie
schlechter erreichen. Die Strafverfolgung führt zudem zu einer
Verknappung der Drogen und damit zu gesundheitsgefährdenden
Streckungen der Substanzen. Die enorm hohen Schwarzmarktpreise
steigen noch weiter, was mehr Beschaffungskriminalität nach sich
zieht.
Dazu Dirk Schäffer, DAH-Referent für Drogen und Strafvollzug:
"International gilt der ,Krieg gegen die Drogen' längst als
gescheitert. Unter Fachleuten ist unumstritten: Strafverfolgung und
Haft sind weltweit der Motor der HIV- und HCV-Epidemie unter
Drogenkonsumenten und tragen dazu bei, dass Menschen an Drogen
zugrunde gehen. Die Verfolgung muss ein Ende haben, stattdessen
brauchen wir eine grundlegende Neuorientierung in der Drogenpolitik."
In Deutschland haben Länder wie Nordrhein-Westfalen bereits
bewiesen, dass ein differenziertes Drogenhilfesystem Todesfälle
kontinuierlich sinken lässt sowie HIV- und Hepatitis-Infektionen
verhindert. Damit lassen sich auch hohe Folgekosten für das
Gesundheitssystem sparen.
Tödliche Drogenpolitik in Bayern
Dennoch hat sich die Zahl der Drogentoten in mehreren
Bundesländern erheblich erhöht, darunter Baden-Württemberg,
Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Bremen. In Bayern stieg sie in den
letzten vier Jahren um 42 Prozent. Dort gibt es seit Jahren die
meisten Drogentoten zu beklagen. Denn die Landesregierung setzt auf
massive Repression statt auf Drogenhilfe nach wissenschaftlichen
Erkenntnissen.
DAH-Vorstand Sylvia Urban: "Bayern ist das extremste Beispiel für
die tödlichen Folgen verfehlter Drogenpolitik. In bayerischen Städten
sterben Menschen elendig in Privatwohnungen und auf der Straße, denen
in Drogenkonsumräumen geholfen werden könnte. Uns ist schleierhaft,
wie ein christlich geprägtes Bundesland sich so menschenverachtend
zeigen kann."
Substitution auch in Haft gewährleisten
Die Deutsche AIDS-Hilfe begrüßt die Ankündigung der
Drogenbeauftragten Marlene Mortler, die rechtlichen Bedingungen für
Substitutionsärzte zu verbessern. Die medizinische Behandlung mit
einem Ersatzstoff ist bei Heroinabhängigkeit die Standardtherapie,
verhindert Todesfälle und Gesundheitsschäden und ebnet den Weg zurück
in ein geregeltes Leben. Aufgrund hoher rechtlicher Risiken scheuen
sich aber viele Ärzte, Substitution anzubieten; die
Versorgungssicherheit ist daher gefährdet.
"Es ist gut und notwendig, hier bessere Rahmenbedingungen zu
schaffen", sagt Sylvia Urban. "Wichtig ist zudem, dass Substitution
endlich auch in Gefängnissen flächendeckend zur Verfügung steht. Hier
gibt es gefährliche Lücken in der Versorgung. In Bayern ist
Substitution sogar für die meisten Häftlinge unerreichbar."
Weitere Informationen:
Drogenkonsumräume: http://drogenkonsumraum.net
Rauschgiftlagebericht:
http://www.drogenbeauftragte.de/index.php?id=23998
Substitution in Haft: http://ots.de/MMvkk
Spiegel online über die bayerische Drogenpolitik:
http://ots.de/SYlji
Der Alternative Drogen- und Suchtbericht 2014:
http://alternativer-drogenbericht.de
Pressekontakt:
Deutsche AIDS-Hilfe
Holger Wicht
Pressesprecher
Tel. 030 69 00 87 16
holger.wicht@dah.aidshilfe.de
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Datum: 21.04.2015 - 16:10 Uhr
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